In der Innenstadt bleibt es ruhig

Kein Ansturm auf den Füssener Einzelhandel

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Joana Weindler nimmt telefonisch eine Bestellung an.

Füssen – Es hat sich längst herumgesprochen: Der Einzelhandel darf wieder öffnen. Was aber nicht heißt, dass in den Läden in der Füssener Innenstadt zu Beginn der Woche ein Kundenansturm zu beobachten gewesen wäre.

Im Gegenteil: Weil nur wenige Menschen und praktisch keine Touristen unterwegs waren, war es keine große Überraschung, dass die befragten Geschäftsinhaber unisono betonten, man müsse sich auf eine völlig neue Situation einstellen. Kunden wiederum stellen hier fest: übliche Öffnungszeiten hatten sich geändert. „Ja, wir haben wieder geöffnet!“, antwortet Buchhändlerin Joana Weindler von der Buchhandlung Rupprecht einer Kundin am Telefon und nimmt sofort die Bestellung der Anruferin auf. 

Wolfgang Moritz freut sich, wieder geöffnet zu haben.

Derweil schaut sich eine Kundin – sie trägt wie Weindler eine Atemschutzmaske – in aller Ruhe die präsentierten Neuerscheinungen auf den Büchertischen an. „Unsere Stammkunden sind erleichtert, dass wir wieder offen haben“, kommentiert Weidler die Tatsache, dass der Einzelhandel seit Montag seine Läden wieder öffnen darf. 

„Bruhns“ in der Fußgängerzone ist eine weitere Anlaufstelle für Leute, die gerne lesen und sich gerne persönlich beraten lassen. Per Mail erfahren die Kunden beider Altstadtbuchläden in der Regel, wann sie ihr bestelltes Buch abholen können. Diese Möglichkeit gab es zuletzt nicht. Aber zahlreiche Geschäfte lieferten die Ware vor die Tür, bestellte Bücher wurden von den Buchhändlerinnen selbst oder Boten in Briefkästen geworfen. 

Wer in diesen Tagen der Coronakrise in den kleinen Läden und Geschäften einkaufen will, muss sich darauf einstellen, dass sich Öffnungszeiten ändern. Ein Beispiel von vielen: Optik Niebler war am Dienstag ausschließlich in den Vormittagsstunden für die Kunden da. Und der „Weltladen“ am Brotmarkt und das direkt benachbarte Modegeschäft „Fair mit Flair“ legt jetzt eine Mittagspause ein. 

Als „langsam angelaufen“ beschreibt eine ehrenamtliche Weltladen-Mitarbeiterin den Handel am Montag und Dienstag. „Die Leute kaufen, was sie brauchen.“ Aus Lust und Laune zu konsumieren, ist ein Kundenverhalten, das offensichtlich gerade pausiert. 

Warten auf Saisonbeginn

„Vier Leute im Laden“, hat Wolfgang Moritz vom Fachgeschäft „Die Tasche“ kurz vor seinem Feierabend am Dienstag in der Brunnengasse gezählt. Moritz ist dennoch froh, dass er wieder für seine Kunden da sein kann. „Wir warten darauf, dass die Saison beginnt“, so der Geschäftsinhaber. Bis dahin werde es notwendig sein, die Öffnungszeiten zu reduzieren.“ Moritz unterstreicht: „Auf die neue Situation reagieren wir gelassen.“ 

Besser als erwartet 

Klaus Keller von „Inter Sport Keller“ bedient selbst zwei Kunden – das ist nicht neu. Dem früheren Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Füssen ging es schon immer im und vor dem Laden auch um die „vertraute Kommunikation“. Der Innenstadt, bedauert nicht nur Keller, habe in den vergangenen Wochen das Leben gefehlt. 

Keller lächelt und strahlt Zuversichtlichkeit aus: obwohl die kaufmännische Planung – bald muss die Winterware geordert werden – durch viele Unbekannte erschwert wird: „Wir sind ziemlich überrascht worden. An den beiden ersten Tagen, als das Öffnen wieder erlaubt war, hat sich das Geschäft besser angelassen als von der Inter Sport-Zentrale angekündigt.“ Zum Unbekannten, auf das er hingewiesen hat, zählt die für den Füssener Handel wichtige Frage, wann denn die Hotels wieder öffnen dürfen. 

Ein paar Meter von den Buchläden entfernt steht das Füssener Traditionsgeschäft „Wäsche Schwenger“, geführt von zwei Fachfrauen: Annette Gerstmayr und Elke Schwenger, die den Kunden ihren Service anbieten. Beide betonen: „Wir haben gut zu tun!“

Geschützt mit Masken hat sich beider Kontakt zur Kundschaft doch verändert. „Beim Wäschekauf hat man einen engeren Kontakt. Derzeit gelte es dabei Abstand zu unseren Kunden zu halten“, so Schwenger. Gerstmayr beschreibt die Kunden als „sehr diszipliniert“ und betont: „Alles spielt sich ein!“

Chris Friedrich

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