Erstes Tourismusforum Ostallgäu

Ein Wegweiser für die Zukunft

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Workshopleiter Professor Ulrich Bauer (v.l.), Oliver Puhe, touristischer Trendforscher, Ostallgäus Landrätin Rita-Maria Zinnecker sowie die Workshopleiter Professor Markus Jüster, Professor Marco Gardini und Professor Alfred Bauer sowie Robert Frei, Geschäftsführer Tourismusverband Ostallgäu, nach dem ersten Tourismusforum Ostallgäu im Festspielhaus in Füssen.

Füssen/Ostallgäu – Einen touristischen Wegweiser für die kommenden 15 Jahre hat jetzt das erste Tourismusforum Ostallgäu im Festspielhaus in Füssen aufgestellt. Ostallgäus Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) hatte dieses Forum ins Leben gerufen, um alle am Tourismus Beteiligten zu vernetzen. 

Auf Einladung des Tourismusverbandes Ostallgäu, in Kooperation mit dem „bergaufland Ostallgäu” und der Hochschule Kempten, diskutierten die ca. 70 Teilnehmer zum Thema „Strategie und Zukunft für den Schlosspark“ und erarbeiteten zusammen mit Fachleuten und örtlichen Leistungsträgern mögliche Ziele für die kommenden zehn bis 15 Jahre. 

„Futterneid” abbauen 

Dabei gelte es den Erlebnisraum „Schlosspark“, der gleichzeitig auch den gesamten Landkreis abdeckt, besser zu vernetzen und vermehrt in die Köpfe der heimischen Bevölkerung zu bringen, waren sich Zinnecker und Robert Frei, Geschäftsführer beim Tourismusverband Ostallgäu, einig. 

Besonders beim Tourismusforum vertreten waren die Bürgermeister und Vorstände, deren Gemeinden im Norden des Landkreises liegen, freute sich Zinnecker. Haben sie doch im Verhältnis zu den südlichen Gemeinden, in deren Nähe die weltberühmten Königsschlösser und die Berge liegen, weniger Gästeankünfte zu verzeichnen und daher einen gewissen Nachholbedarf, sagte die Landrätin. 

Um aber auch diesen etwas benachteiligten Regionen innerhalb des „Schlossparks“ eine erhöhte Aufmerksamkeit der Reisenden zukommen zu lassen, bedürfe es ein ausgeklügeltes touristisches Leitkonzept, erklärten Zinnecker und Frei. 

Dieses wurde mit verschiedenen Produkten wie beispielsweise einer über 200 Kilometer langen Radrunde bereits teilweise erreicht. „Dennoch ist ein weiteres strategisches Vorgehen für den gesamten Landkreis, respektive für das gesamte Allgäu, notwendig. Möchte man doch, neben den massentouristischen Destinationen, auch das Ruhige und Ländliche für Familien, Senioren und Sportler attraktivieren – gerade in der Winterzeit“, sagte Professor Markus Jüster in seinem Bericht. „Aber“, fügte der Tourismusfachmann hinzu, „es muss der ,Futterneid´ der heimischen Bevölkerung gegenüber den KönigsCard-Inhabern abgebaut werden. Nur so können diverse Unstimmigkeiten minimiert werden.” 

Individuelle Gemeinden 

Aber auch eine Individualisierung wie beispielsweise das Honigdorf Seeg könne zu vermehrten Ankünften durch qualitätsorientierte Gäste sorgen. Dies wurde im Seminar von Professor Marco Gardini deutlich. Schließlich seien es doch auch die verschiedenen regionalen Genüsse, die letztendlich Gäste in die Region lenken könnten. Ein Genuss könne bereits eine gewisse Entschleunigung beim Wandern durch die beispielsweise englisch oder französisch geprägte Kulturlandschaft sein oder einfach nur gute regionale Gerichte in entspannter Atmosphäre. 

Der Arbeitskreis „Kulturerlebnis“, unter der Leitung von Professor Ulrich Bauer, befasste sich dagegen mit der Frage: „Welche Rolle spielt Kunst und Kultur für die innovative und kreative Entwicklung der Region?“ Hier erarbeiteten die Teilnehmer, dass die einheimische Bevölkerung ein höheres Bewusstsein gegenüber der gewachsenen Kulturlandschaft aus dem 19. Jahrhundert entwickeln und diese auch erhalten sollte. Denn schließlich kämen die Gäste gerade deshalb ins Allgäu. 

Eine höhere Wertschätzung könne man beispielsweise durch Sonderführungen für Einheimische zu Bau- und Landschaftsdenkmälern erreichen. Aber auch die Zuwanderung aus anderen Regionen Deutschlands berge Potenzial zur Stärkung der Nachhaltigkeit und zum Ausbau der kulturellen Vielfalt, erklärte Ulrich Bauer in seinem Bericht. 

Verkehrskollaps vermeiden 

Dem gegenüber stehe aber die Balance zwischen Qualität und Quantität. „Um dies zu erreichen, ist es künftig unumgänglich den öffentlichen Personennahverkehr vermehrt auszubauen, um somit den drohenden Verkehrskollaps zu vermeiden. Denn nur so könne sich dauerhaft der Einheimische wie auch der Gast im Schlosspark wohl fühlen“, sagte Professor Alfred Bauer. 

Die Versammelten beschlossen, die ausgearbeiteten Ergebnisse gegenüber der einheimischen Bevölkerung und den Leistungsträgern zu kommunizieren und zeitnah umzusetzen. Im kommenden Jahr möchte man sich dann erneut zum Tourismusforum Ostallgäu treffen, um die Entwicklung zu beobachten und um neue Impulse für den Kulturraum „Schlosspark“ zu setzen.

Thomas Hugenschmidt

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