Es bleibt beim Neubau

Tannheimer Gemeinderat befürwortet modernes Gasthaus am Vilsalpsee

Zufahrtstraße zum Vilsalpsee
+
Der Vilsalpsee ist bei Einheimischen und Gästen ein beliebtes Ausflugsziel. Private Autos dürfen aber künftig wohl nur noch vor 8 Uhr bzw. nach 17 Uhr zum See und von dort wieder zurück nach Tannheim fahren. Außerdem wird eine Maut fällig.
  • VonHans-Georg Gröner
    schließen

Tannheim – Das Gasthaus am Vilsalpsee wird neu gebaut. Mit einer deutlichen Mehrheit von 12:1-Stimmen hat das der Tannheimer Gemeinderat am vergangenen Montag vor ca. 30 interessierten Bürgern beschlossen. 

Wochenlang hat die Diskussion um ein neues Gasthaus am Vilsalpsee die Gemüter erhitzt. Nachdem die Projektgegner eine Volksbefragung initiiert hatten (der Kreisbote berichtete), stand das Projekt auf der Kippe. 52 Prozent der Bürger hatten sich daran beteiligt. Eine Mehrheit von 58 Prozent stimmte gegen den Neubau – aus Sicht der Gegner war das ein klares „Nein“ der Bürger. Dieser Ansicht war auch der Bezirksobmann Fabian Walch von der rechtspopulistischen FPÖ, der mit seiner Äußerung „Das Volk hat immer recht“ den Gemeinderat aufforderte, das „Nein“ der Bevölkerung zu akzeptieren.

Doch der Gemeinderat von Tannheim war am Montag anderer Ansicht. Ohne große Diskussion bestätigte er sein Votum aus dem vergangenen Jahr. Dabei kam erneut zur Sprache, dass die Kosten vielfach falsch interpretiert worden seien: Bei den veranschlagten 3,75 Millionen Euro handle es sich nicht nur um Kosten für den Bau des neuen Gasthauses. Sie beinhalten auch Abbruch- und Entsorgungsarbeiten des alten Gebäudes und die Gestaltung der Umgebung. Bei der Ablehnung des Projekts wäre der Gemeinde ein Schaden von mindestens 650.000 Euro durch Rechnungen und entgangene Förderungen entstanden. Ein alternatives Gebäude hätte bei gleichen Baukosten um rund 1000 Kubikmeter kleiner sein müssen.

Zu modernes Gebäude?

„Wir sind nicht gegen einen Neubau“, hatte der Sprecher der Projektgegner Thomas Gropp im Vorfeld der neuen Abstimmung gesagt, „aber wir stören uns an der Optik und an den Kosten. So ein modernes Gebäude passt nicht in das Naturschutzgebiet Vilsalpsee.“ Ein weiterer Kritikpunkt war, dass die Bevölkerung nicht in die Planung des Vorhabens mit einbezogen worden war. Es sei nach der Entscheidung des Fachgremiums für die preislich günstige Variante des Architekten Mario Gasser vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Dies konnte der ehemalige Bezirkshauptmann-Stellvertreter Dr. Ottfried Becke so nicht stehen lassen. „Ob ein Bauprojekt gefällt oder nicht, ist eine reine Geschmacksfrage, die nicht Gegenstand einer Volksbefragung sein sollte.“ Er unterstrich, dass die Gemeindevertreter und die Baubehörde die Entscheidung durchaus allein treffen können, ob ein Neubau, der dem 21. Jahrhundert entspricht, verwirklicht werden soll oder ob konservativ mit Restaurierung oder traditionell im Tiroler Stil neu gebaut werden sollte. Auch hätte jeder Tannheimer an den vorangegangenen Gemeinderatssitzungen, die alle öffentlich waren, teilnehmen und sich informieren können.

Neue Zufahrtsregelung

Da der Gemeinderat an dem Neubau festhält, kann Architekt Mario Gasser die Planung fortsetzen und die bereits zugesagten Fördergelder können abgerufen werden. In der gleichen Sitzung sprachen sich die Gemeinderäte für eine Fortführung des Pachtvertrags mit der derzeitigen Pächterin Monika Grad aus. Dieser wird bis zum Baubeginn im kommenden Jahr verlängert. Ihr Interesse für ein weiteres Betreiben des Neubaus auch mit neuen Pachtbedingungen hatte sie im Vorfeld mehrfach bekundet.

Davon unabhängig sind bereits die Bauarbeiten an der Zufahrt zum Vilsalpsee in vollem Gange: Die alte Schranke wurde abgerissen, eine neue soll im September in Betrieb genommen werden. Zunächst wird die Zufahrt weiterhin vor 10 Uhr und nach 17 Uhr für private Autos möglich sein. Dabei soll eine Maut von geplant fünf Euro pro Fahrt erhoben werden. Sobald aber die Genehmigung der Bezirkshauptmannschaft Reutte vorliegt, können private Autos nur noch vor 8 Uhr bzw. nach 17 Uhr in Richtung Vilsalpsee sowie von dort zurück nach Tannheim fahren.

Dadurch soll das Verkehrsaufkommen in dem Naturschutzgebiet drastisch reduziert werden. Freie Fahrt haben dann nur noch die Pendelbusse, Bauern, die auf der Strecke Grundstücke bewirtschaften, Fahrradfahrer und Fußgänger. Auch die Pferdekutschen sollen weiterhin jederzeit ein -und ausfahren können, müssen sich jedoch an der Maut beteiligen. Die Mautgebühren sollen vorwiegend für den Erhalt und die Sanierung der Zufahrtsstraße verwendet werden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Füssener Bürgermeister äußert sich zu Bedenken der Ziegelwies-Anwohner
Füssen
Füssener Bürgermeister äußert sich zu Bedenken der Ziegelwies-Anwohner
Füssener Bürgermeister äußert sich zu Bedenken der Ziegelwies-Anwohner
Corona-Hotspot Ostallgäu: Gemeinden schließen Einrichtungen
Füssen
Corona-Hotspot Ostallgäu: Gemeinden schließen Einrichtungen
Corona-Hotspot Ostallgäu: Gemeinden schließen Einrichtungen
Kontrolle auf A7: Pfrontener Grenzpolizisten entdecken sechs Kilo Kokain im Wagen eines Mannes
Füssen
Kontrolle auf A7: Pfrontener Grenzpolizisten entdecken sechs Kilo Kokain im Wagen eines Mannes
Kontrolle auf A7: Pfrontener Grenzpolizisten entdecken sechs Kilo Kokain im Wagen eines Mannes
Drei "Fieß" für "Fiesse"
Füssen
Drei "Fieß" für "Fiesse"
Drei "Fieß" für "Fiesse"

Kommentare