Klaus Keller erklärt neue Fassade des ehemaligen Raiba-Gebäudes

Auf Fleiß und Ehrlichkeit kommt es an

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Eigentümer Klaus Keller erklärt, welche Ideen hinter den Bildern auf der neuen Fassade des ehemaligen Raiba-Gebäudes in der Reichenstraße stecken.

Füssen – Eine Frau hält eine Waage in die Höhe, der Mann umfasst eine Schlange, die sich um seine Arme windet: Das Bild auf der neuen Fassade des ehemaligen Raiffeisen-Bank-Gebäudes in der Reichenstraße hat bereits viele Betrachter ins Grübeln gebracht. Dessen Bedeutung erklärt Eigentümer Klaus Keller.

Gestalterisch hat sich die Fassade am Hohen Schloss und dem Füssener Rathaus orientiert, so Keller. Denn den Erker, die Umrahmung der Fenster und die Steine brachte Maler Gerhard Kramer in der klassischen Illusionsmalerei auf – eine Tradition der Füssener Fassadenmaler, erklärt Architekt Magnus Peresson, der bei dem Projekt mitgewirkt hat. 

Auch im Stil bleibt man da der Vergangenheit treu. Denn der Künstler Franz Weiß aus Kempten, der nicht nur die Fassade des blauen Hauses nebenan gestaltet, sondern auch den Reiter-Zug im Inneren des Raiffeisen-Bank-Gebäudes entworfen hat, war Gerhard Kramers Meister. 

Der Maler aus Würzburg hat ganz oben am Gebäude Mond und Sonne in einem dargestellt. Ein Symbol für die Vertreibung der Finsternis. Denn „ohne Sonne ist kein Leben“ möglich, sagt Keller. Kurz darunter steht die Jahreszahl der Entstehung, 2015, in Römischen Ziffern gefolgt von den Initialen der Eigentümer – so „wie das früher bei Häusern oft gemacht wurde“, erklärt der Eigentümer. 

Weiter ist auf der Fassade eine Taube mit Pinsel im Schnabel und das Hauptbild – der Mann und die Frau – zu sehen. Die beiden Personen tragen die Gesichtszüge von Sibylle und Klaus Keller. Die Waage steht für Ausgewogenheit – „die Frau hält dem Mann den Rücken frei“, erklärt Keller. 

Der Mann hingegen vertreibt die Schlange – ein Zeichen für Doppelzüngigkeit und das Böse – von ihr, seiner Familie. Gemäß dem Spruch „A starke Frau, wenn zua dr stoot, miteinand des Meischte goot“, der im unteren Teil des Erkers steht. Der Dialekt „soll die Verbundenheit zur Region“ zeigen. Genau wie das Füssener Wappen, das noch auf die Fassade kommt. Seine drei Beine stellen gleichzeitig die drei Eckpfeiler eines gemeinsamen Lebens dar. 

Genauer erklärt das der Spruch „Auf denen drei Fiaß do stoot ma guat: fleißig – ehrlich – hilfsbereit. Do kommscht im Leben zimle weit. Und kommt die Zeit und du nimmscht de Huat, denn luagescht z´friede z´ruck und seescht: mei Lebe war doch guat.“ Auf die Nordseite wird die Geschichte des Hauses bis heute erklärt, „damit das Ganze richtig Leben bekommt“, sagt Keller. Innerhalb der kommenden zehn Tage soll die Fassade fertig sein. 

Doch im Inneren des Hauses ist noch einiges zu machen. „Am ersten August soll die Eröffnung sein. Ich hoffe, das klappt“, sagt Keller. Im 200 Quadratmeter großen Erdgeschoss wird das Modegeschäft Esprit einziehen, das hier Frauenmode verkauft. Beim ersten Stock sei man noch in Verhandlung, ob Esprit hier Männer-, Kinder oder doch Frauenmode angebietet. Es könne aber auch sein „dass es bis nächstes Jahr leer steht“, so Keller. 

Im 180 Quadratmeter großen zweiten Obergeschoss stehen Büroflächen zur Verfügung. Doch obwohl der Quadratmeterpreis für eine Gewerbeimmobilie nicht allzu hoch sei, sagt Keller, habe sich noch kein Mieter gefunden. Dagegen ist die 110 Quadratmeter große Wohnung im dritten Obergeschoss bereits vermietet. 

Mit viel Herzblut 

In dem Projekt steckt „wirklich Herzblut drin“, erklärt Keller. So habe er sich den Umbau auch eine „gut siebenstellige Summe“ kosten lassen. Denn als Besitzer eines Unternehmens, das in Füssen sein Geld verdient, habe er auch „eine moralische Verpflichtung“ der Stadt gegenüber. Daneben hat der Einzelhändler das Haus als Sicherheit gekauft. „Seit 84 Jahren“ sei sein Sportgeschäft in Miete in der Reichenstraße. „Wir bleiben, wo wir sind“, stellt Keller zwar klar. Aber so hat er eine Option, falls sein Mietvertrag überraschend gekündigt werden sollte. „Es macht auch Freude so etwas zu bauen. 

Nachdem die Familie dahinter steht, macht es auch Sinn“, so der Eigentümer. Denn „nutzen kann ich die Investition nicht mehr. Bis sie sich lohnt, bin ich im Altersheim“, gibt er zu. Deshalb hätten ihn auch viele für verrückt erklärt, sich so ein Projekt in seinem Alter noch anzutun. „Denn ganz problemlos gehen solche Bauten nicht vonstatten“, sagt der Eigentümer. So hat man beispielsweise beim Aufreißen des Bodens einen Keller entdeckt, von dem keiner etwas wusste. Der Zugang war zugeschraubt, darüber wurde Teppichboden verlegt. Allerdings liegt hier der Hauptanschluss für die Elektrik. Bei Problemen „hätten die gesucht wie die Verrückten“, so Keller.

 Außer dem Maler sind hier nur einheimische Firmen am Arbeiten, betont der Eigentümer. Die Zusammenarbeit „ist super. Es macht richtig Spaß“. Insgesamt waren auch die Reaktionen der Füssener durchweg positiv. „Es war wirklich überraschend“, wie viele mit dem Bau mitfiebern und sich darüber freuen, sagt der Eigentümer. Und er hofft, dass er dadurch vielleicht andere Bauherren zum Nachahmen angestoßen hat.

Katharina Knoll

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