Schlechte Noten für die Theresienbrücke

"Bemitleidenswerter Zustand"

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Die Theresienbrücke als Verbindung der Altstadt mit der Tiroler Straße wurde 1971 fertig gestellt. Nun muss sie umfassend saniert werden.

Füssen – Während in der Schule die Note 3 noch als durchaus akzeptabel gilt, endet bei der Bewertung von Brücken die Notenskala bei 4. Demnach ist die Theresienbrücke mit einer Zustandsnote 3,2 bei der jüngsten Hauptprüfung Ende 2016 so gut wie durchgefallen.

Das heißt: Die Stadtverwaltung wird nicht umhin kommen, die 1971 gebaute Verbindung zwischen Altstadt und Tiroler Straße in den kommenden Jahren umfangreich zu sanieren, wie Rainer Böhme von der Kemptener Konstruktionsgruppe Bauen AG den Stadträten am Dienstagabend klar machte. 

1971 fertiggestellt, hat sich der Zustand der etwa 80 Meter langen und zwölf Meter breiten Theresienbrücke mittlerweile deutlich verschlechtert. 

Vor allem das langsame Einsickern und Einwirken von Streusalz und Wasser in das Bauwerk durch undichte Übergangskonstruktionen und Betonabplatzungen am Überbau („Der Überbau ist der wichtigste Teil der Brücke!“) habe zu einer messbaren Verschlechterung von Tragwerk und Sicherungseinrichtungen geführt, erläuterte Ingenieur Böhme den Ratsmitgliedern. „Spannbetonbrücken sind relativ empfindlich auf Salzwasser“, sagte er. 

An einigen Stellen platzt der Überbau ab.

Zwar habe sich der Zustand des Bauwerks seit der letzten Hauptprüfung im Jahr 2010 nicht gravierend weiter verschlechtert. Allerdings mussten bereits 2012 erste Notreparaturen an der Entwässerung vorgenommen werden, um das Fortschreiten von schweren und irreparablen Folgeschäden am Tragwerk zu verhindern. Mittlerweile sei daher die Verkehrssicherheit nicht mehr voll gegeben. 

Um weitere Folgeschäden zu vermeiden, empfahl Ingenieur Böhme eine zeitnahe Instandsetzung von Entwässerung, Abdichtung, Belägen, Kappen, Geländer, Lager und vor allem der wichtigen Übergangskonstruktion. Vor allem letztere sei „in einem bemitleidenswerten Zustand“, so der Kemptener Experte. Aber: „Man kann die Brücke auf jeden Fall noch instandsetzen“, betonte er. 

Ein Verzicht auf Streusalz, wie von CSU-Fraktionschef Heinz Hipp angeregt, bringe dagegen nichts. Denn die Autos würden das Salz von anderen Straßen in ihren Reifen und Radkästen quasi „mitbringen“. Das habe er bereits in verschiedenen Tiefgaragen beobachtet. 

Kein Neubau

Ein Neubau der Brücke scheidet nach Angaben des Ingenieur ebenfalls aus. Denn dieser sei sehr wahrscheinlich noch teurer als die Sanierung. Außerdem seien keinerlei Fördermittel für einen Neubau zu erwarten, wie Anfragen beim Staatlichen Straßenbauamt Kempten und der Regierung von Schwaben in Augsburg ergeben hätten.

Wind, Wetter und vor allem Streusalzwasser haben der Theresienbrücke in den vergangenen Jahrzehnten arg zugesetzt. Die Stadt kommt nicht umhin, das Bauwerk zu sanieren.

Gründe dafür seien, dass die Brücke nur für den Anlieferverkehr freigegeben und auf 7,5 Tonnen beschränkt sei. Außerdem münde sie in eine Fußgängerzone und nehme somit keinen öffentlichen Verkehr auf.

 Angesichts des eindeutigen Urteils des Kemptener Fachmanns fiel es den Räten augenscheinlich leicht, eine Entscheidung zu fällen: Ohne Diskussion beauftragten sie einstimmig die Verwaltung, die Sanierung der Theresienbrücke in 2018 und 2019 vorzubereiten – zumindest insofern Geld dafür da ist. Geklärt werden soll im Zuge dessen auch, ob die Arbeiten in einem Jahr durchgezogen oder auf zwei Jahre verteilt werden und was die Sanierung kostet. 

Das wiederum hängt auch davon ab, für welche Variante sich entschieden wird. Mehrere Hundertausend Euro wird die Verwaltung aber wohl einplanen müssen. 

Lediglich CSU-Stadtrat Dr. Christoph Böhm wollte zunächst einen anderen Weg gehen und zuerst klären, wie die Brücke aussehen soll, um Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. „Die Brücke war damals die billigste Lösung“, sagte er. Er schlug deshalb – seiner Ansicht nach passend zur Altstadt und dem touristischen Motto „Romantische Seele Bayerns“ – eine Holzverkleidung vor. „Jeder, der das Kloster fotografiert, macht größte Anstrengungen, damit die Brücke nicht mit auf das Bild kommt“, so Böhm. 

Obwohl Magnus Peresson (UBL) Böhm in seiner Forderung unterstützte, wollte der Rest des Gremiums nicht folgen. „Es geht jetzt darum, wie machen wir weiter, nicht um die Gestaltung“, betonte Bürgermeister Paul Iacob (SPD).

Matthias Matz

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