"Qualität muss nicht teuer sein"

Experten diskutieren in Schwangau über Qualitätstourismus und seinen Preis

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Experten sehen das Allgäu in Sachen Qualitätstourismus gut aufgestellt.

Schwangau – Qualität vor Quantität, darauf setzen nicht nur die Kommunen Füssen und Schwangau beim Tourismus, sondern steht auch beim Landkreis Ostallgäu im Fokus.  Doch bedeutet Qualitätstourismus gleich Luxustourismus?

Diese Frage stellte SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth bei der Fragerunde nach der Podiumsdiskussion „Overtourism im Allgäu“, zu der die Süddeutsche Zeitung Experten und Interessierte ins Schlossbrauhaus Schwangau eingeladen hatte. „Wie kann eine Familie, die nicht so einen dicken Geldbeutel hat, hier naturverträglichen Urlaub machen“, fragte die Landrats-Kandidatin Deckwerth die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, Professor Dr. Alfred Bauer, Tourismusexperte an der Hochschule Kempten, Thomas Frey, Alpenbeauftragter und Regionalreferent Schwaben des Bundes Naturschutz, und Augustin Kröll, langjähriger Skiliftchef und Seilbahnunternehmensberater. 

Das Allgäu sei extrem gut aufgestellt bei der Privatzimmervermietung und den Ferienwohnungen, die zudem eine hohe Qualität haben, meinte Kröll. „Wir haben ein hervorragendes Angebot für Familien.“ „Qualität muss nicht teuer sein“, fügte Frey hinzu. So müsse man beispielsweise in naturnahe Flüsse oder Wurzelwege nicht groß investieren. Verbesserungspotential sah er allerdings in der Gastronomie. So müsse man ökologisch produzierte Lebensmittel aus der Region mit dem Tourismus verknüpfen, forderte er. Doch das passiere bereits, wandte Bauer ein. Bei dem Projekt „Allgäuer Top Hotels“ arbeiten die Häuser mit regionalen Handwerkern und Produkten zusammen. „Wir haben eine gute Gastro, die sich durchaus der Regionalität verpflichtet fühlt.“ 

Das Oberziel der Allgäu GmbH sei die Qualität vor der Quantität, bekräftigte anschließend Stefan Egenter, Marketingleiter der Allgäu GmbH. „Es läuft ein sehr intensiver Prozess, wo gehen wir 2030 hin, was sind die Ziele.“ Und dabei stehen nicht nur die Bedürfnisse der Touristen im Fokus, sondern auch die der Einheimischen. Bei letzteren sei beispielsweise der Wohnraum ein großes Thema. Fakt sei aber auch: „60.000 Leute im Allgäu leben vom Tourismus.“ Es gebe sicherlich Hotspots im Allgäu, aber „einen flächendeckenden ,Overtourism‘ gibt es hier sicherlich nicht“, meinte Egenter. „Ein gutes Miteinander sollte über allem stehen.“ 

Deshalb sollte man sich überlegen, wie man besser ins Gespräch kommen könne. "Keine gute Werbung" Daneben sollte man den Begriff „Overtourism“ mit Bezug auf das Allgäu nicht nach außen tragen, forderte Tobias Klöck von der Unterallgäu Aktiv GmbH. „Das ist keine gute Werbung.“ Denn: „Bei uns ist noch Luft nach oben“, meinte Klöck mit Blick auf die Touristenzahlen im Unterallgäu. „Ich plädiere dafür, stolz darauf zu sein, was wir in den letzten 15 Jahren erreicht haben.“ 

Kritik von Weisenbach

„Reden Sie weiter miteinander“, war dann auch der Schlusssatz von Moderatorin Katja Auer, Teamleiterin der SZ-Bayernredaktion, nach über zwei Stunden Diskussion im Schwangauer Schlossbrauhaus rund um das Thema „Overtourism“. In dieser Zeit war von Naturschutz, Erlebnis- und Lebensraum die Rede, „aber es ist nicht ein einziges Mal das Wort ,Heimat‘ gefallen, das worum es eigentlich geht,“, kritisierte hinterher der Schwangauer Gemeinderat Michael Weisenbach (CSU) im Namen einiger anwesender Gemeinderäte der Königsschlösser-Gemeinde.

kk

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