Vortrag beim BdS Füssen: Was tun, wenn dem Chef etwas zustößt?

Wichtiges Notfallhandbuch

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Zum Vortragsabend kann Andreas Ullrich (links) neben Barbara Klause auch Patrick Kunkel, Betriebswirt bei der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu begrüßen, der zum Thema „Unternehmen stärken durch Mitarbeiterbindung“ referierte.

Füssen – Was passiert mit dem Unternehmen, wenn dem Unternehmer etwas passiert? Klingt vielleicht lustig, hat aber einen mehr als ernsten Hintergrund, wie Andreas Ullrich in seinen einleitenden Worten feststellen musste.

Weshalb der Bund der Selbstständigen (BdS) in Füssen jetzt zu einem Vortragsabend in die VR-Bank Kaufbeuren-Ostallgäu geladen hatte. Der eine oder andere dürfte den Vorfall mitbekommen haben. Gemeint ist der schwere Unfall des Hopferauer Unternehmers Peter Köpf, vielen auch als Bau-Ass bekannt. Der erfolgreiche Unternehmer steigt auf eine Leiter und stürzt herunter. 

Zum Glück, so Andreas Ullrich, sei die Unternehmensübergabe zu 99 Prozent abgeschlossen gewesen. Doch wenn man dieses Beispiel sehe, beginne das Kopfkino zu laufen. Was wäre, wenn mir das passiert? Vor allem Existenzgründer und Jungunternehmer würden an dieses „Problem“ gar nicht denken, machte Barbara Klause von der IHK Schwaben in ihrem Vortrag deutlich. Die Hauptrednerin des Abends stieg gleich richtig in das Thema ein und zeigte, dass man sich schon seit Längerem mit dem Thema befasse. Deshalb gibt es das Notfall-Handbuch für Unternehmer, das sich Interessierte bei der IHK herunterladen können. 

Dabei müsse man in der Ausgangslage noch nicht einmal vom Tod des Unternehmers ausgehen, so Klause, die aus Memmingen angereist war. Es reiche bereits ein mehrwöchiger Krankenhausaufenthalt oder dass – beispielsweise streikbedingt – der Unternehmer im Ausland festsitzt. Wer habe dann die Prokura, wer dürfe Unterschriften leisten und Verträge abschließen? Aber es kann noch schlimmer kommen: Man stelle sich vor, konnte Klause ein ebenfalls aktuelles Beispiel skizzieren, der Jungunternehmer ist verheiratet und hat unmündige Kinder. Er hinterlässt kein Testament, vor allem keines, in dem er einen Verwalter benennt. 

Nicht nur, dass unter Umständen die Familie nicht abgesichert sei, so Klause. Schlimmer noch, ein Gericht könnte einen Vertreter bestellen, der sich einzig auf das Kindswohl konzentriert. Ob da wichtige Verträge einzuhalten seien oder ähnliches, interessiere nicht. So könnte ein funktionierendes Unternehmen schnell bankrott gehen. 

Rechtzeitig planen 

Doch das müsse so alles nicht passieren – wenn man sich rechtzeitig einmal mit der Zukunft auseinandersetze, so die Unternehmensberaterin. Dazu gehöre, sich mit seinem Steuerberater zusammenzusetzen und wichtige Daten zusammenzutragen. Und darüber hinaus auch die Vorschläge aus dem Notfallhandbuch umsetze. Dabei geht es um Bankvollmachten, die Schlüsselgewalt, um Codewörter für Computer. Auch die Frage, wer notfalls das Unternehmen führen könne, sollte man sich stellen, machte Klause deutlich. 

Muss derjenige eingearbeitet werden, weiß er über aktuelle Aufträge Bescheid, kennt die Kunden und deren Projekte? „Allein aus diesen Überlegungen heraus kann man nachvollziehen, wie wichtig das Notfallhandbuch ist,“ betonte Expertin Barbara Klause. Denn wenn der wichtigste Mann (oder die Frau) im Unternehmen ausfalle, könne man ganz schnell das Heft des Handelns aus den Händen verlieren. Dieses Heft, oder Notfallhandbuch, sei auch so etwas wie die Liebeserklärung an die Familie und die Mitarbeiter des Unternehmens. 

Gleichzeitig aber bekomme man einen Überblick, erweiterte Klause die Sicht, sodass man auch über den „rechtzeitigen“ Aussteig aus dem Unternehmen nachdenken könne. Erst jüngst hätte sich ein über 80-Jähriger an sie gewandt, berichtete Klause. Allein, dessen Sohn habe immer noch keine Verfügungsgewalt im Unternehmen und die Töchter keine Ahnung vom Geschäft.

gau

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