Von römischen Fundstücken bis hin zur französischen Besatzung

»Extra Verren 2020« ist da: Die 15. Auflage bietet interessanten historischen Lesestoff

Kanonenkugel hängt an Hauswand.
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Diese Kanonenkugel ist ein Überbleibsel eines Angriffs der Franzosen im Jahr 1800 auf Füssen.

Reutte – Trotz momentan schwierigen Bedingungen ist das Jahrbuch „Extra Verren 2020“ des Museumsvereins Reutte jetzt zum 15. Mal erschienen. Wegen der Corona- Pandemie wird die Vorstellung des Buches voraussichtlich erst dieser Tage stattfinden. Der genaue Termin ist allerdings noch unklar. 

Aufschlussreiche und interessante Themen sind auch in diesem Jahr von den neun Autoren wieder aufgegriffen worden. Die Kapitel über das Alltagsleben der Außerferner Bevölkerung in der Kriegszeit um 1800 bis hin zu Ausführungen über den Radierzyklus zur mythologischen Argonautensage regen zum intensiven Lesen an.

Der erste Beitrag ist der römerzeitlichen Fundstelle im Gemeindegebiet von Nassereith gewidmet. Barbara Kainrath und Stefan Pircher beschreiben ihre Arbeit in den Feldern von Dormitz. Zahlreiche Münzenfunde, Kleiderspangen, Riemenbeschläge und das Aufspüren zweier früherer Holzgebäude aus der Römerzeit werden in dem Beitrag umfassend beschrieben und mit Tafeln und Bildern belegt.

Detektivische Kleinarbeit

Die Entschlüsselung des Spruchbands am „Goldenen Dacherl“ in Innsbruck hat Erhard Maroscheck aus Lermoos in detektivischer Kleinarbeit akribisch nachvollzogen. Die Buchstaben der Geheimschrift sind in der Schrittfolge eines Tanzes zu lesen. In kunst- und kulturgeschichtlichen Anmerkungen kommentiert er die dekorierende und kommentierende Aufschrift.

Mit der historischen Geschichte der permanent wechselnden Grenzverläufe zwischen dem Allgäu und dem Außerfern beschäftigt sich Thomas Pfundner in seinem Beitrag. In der Originalquelle eines Vertrags aus dem Jahr 1581/82 sieht er die Vereinbarung des Grenzverlaufs zwischen dem Erzherzogtum Tirol und dem Hochstift Augsburg. Darin werden auch diverse Rechte wie das Fischrecht festgelegt.

Angst vor Plünderungen

In einem weiteren Beitrag, aufgezeichnet von Peter Linser, wird die französische Besatzung um 1800 näher beleuchtet. Grundlage sind unter anderem Aufzeichnungen früherer Chronisten. So hielt Lukas Bader aus Vorderhornbach seine Eindrücke von den feindlichen Einfällen und Übergriffen aus dem Blickwinkel eines besorgten Dorfbewohners fest. Angst vor Plünderungen und Feuergefahr waren an der Tagesordnung. Hinweise zu dieser Zeit finden Interessierte auch mit der Erinnerungstafel an der Stadtmauer und einer Kanonenkugel am Gebäude neben dem Stadtbrunnen in Füssen.

Auf eine Spurensuche rund um den Reuttener Maler Johann Christoph Haas (1753-1829) begibt sich Klaus Wankmiller, die er anhand von Kirchenbüchern aus Hallein, Breitenwang und Schwäbisch Gmünd dokumentiert. Eng verzahnt mit der Reuttener Malerfamilie Zeiller war es kein Wunder, dass Haas in dieser Malerdynastie seine ersten Erfahrungen mit Pinsel und Palette machte.

Weitere Beiträge können interessierte Leser zu den Themen „Joseph Anton Koch als Freskenmaler“ und Buchbesprechungen von Sonja Kofelenz zu den Themen „Pfrontener Bildhauer im Außerfern“ und „Kaiser Maximilian I.“ lesen.

Das Jahrbuch kann über die Homepage des Museums in Reutte unter www.museum-reutte.at bestellt werden.

ed

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