Bayerns Wirtschaftsministerin blickt bei der ept GmbH hinter die Kulissen

Besuch beim Weltmarktführer

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Geschäftsführer Thomas Guglhör (2.v.l.) stellt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (3.v.l.) das Unternehmen ept vor.

Halblech – Eine Stippvisite im Allgäu hat die bayerische Wirtschaftsministerin für einen Abstecher zum Buchinger Familienunternehmen ept genutzt.

Auf ihrem Weg nach Hohenschwangau zu einem tourismuspolitischen Gespräch (siehe eigener Artikel auf dieser Seite) informierte sich Ilse Aigner mit ept über einen Weltmarktführer in seiner Sparte: Seit fast 50 Jahren stellt die Firma im großen Stil Steckverbindungen für die Automobil- und Kommunikationsindustrie her. 

Der Welt würde zwar nicht aufhören sich zu drehen ohne die Produkte aus dem Haus ept, aber das eine oder andere Telefongespräch käme nicht zu Stande, manch Auto würde liegen bleiben oder zumindest in Teilen seine Dienste versagen. 

Ob Stellmotoren in den Sitzen oder die Infrastruktur der modernen Telekommunikation, überall finden sich Steckverbindungen made by ept. 7,2 Milliarden Kontakte werden jährlich in den bayerischen Standorten Buching, Peiting und Augsburg sowie in den USA gestanzt, 150 Millionen Steckverbinder verlassen pro Jahr die Montagewerke. 

Neben Bayern stehen diese auch in den USA, in Tschechien und China. Dazu werden mehr als 4000 Tonnen Kupferlegierungen verbraucht und ungezählte Tonnen Kunststoffgranulat, in die die Stecker eingepresst werden. 

Gerade bei letzterem ist EPT Technologie-Weltmarktführer. Geschäftsführer Thomas Guglhör übernahm es, dem Gast aus München und er Ostallgäuer CSU-Landtagsabgeordneten Angelika Schorer den Familienbetrieb vorzustellen. 

Neben beeindruckenden Zahlen ging er auch auf die Probleme ein, mit denen sich mittelständische Unternehmen wie ept beschäftigen müssen.

 Umsatz verdoppelt 

Seit der Krise der Jahre 2010/2011 konnte ept seinen Umsatz so gut wie verdoppeln, so Guglhör. Allerdings haben sich die Anteile auf beeindruckende Weise verschoben: Lag der Anteil der für die Automobilindustrie gefertigten Steckverbinder vor 15 Jahren noch unter drei Prozent, so macht dieser Markt mittlerweile fast 70 Prozent aus.

 ept beliefert die drei Großen der Branche – Continental, Bosch und ZF-TRW. Die sind in ihrem Segment ebenfalls Weltmarktführer und haben weniger als drei Stunden Fahrzeit vom Allgäu entfernt ihre Firmensitze. Nur noch gut 30 Prozent der Fertigung geht in Industrie- und Kommunikationsanlagen, in der Telekommunikationssparte haben mittlerweile die Chinesen die Nase vorn und europäische oder amerikanische Firmen spielen hier keine Rolle mehr. 

Rechnet man die Fertigung für Siemens hinzu, liegt die Exportquote bei um die 70 Prozent, wie Aigner nachhakte. Das heißt, 70 Prozent der Arbeitsplätze bei ept hängen direkt oder indirekt am Export. 

Ein Umstand, den die Wirtschaftsministerin in ihren Worten nochmals hervorhob. Sie betonte, dass bayerische Familienunternehmen durch ihre Innovationskraft und ihr Engagement zu den Marktführern und „Global Playern“ gehörten. 

Deshalb auch habe sich die CDU/CSU vehement gegen die Erbschaftssteuer gewehrt, die solchen Familienbetrieben die Innovations- und Investitionskraft genommen hätte. „Wer gut verdient (also Umsatz macht) soll auch Steuern zahlen“, so Aigner. Aber diese Steuern sollten aus dem Gewinn kommen und nicht aus der Substanz. 

Dabei ist ept in Aigners Augen auch deshalb ein Zukunftsunternehmen, weil hier in die Ausbildung und die Fachkräfte der Zukunft investiert wird. Damit mache das Familienunternehmen auch die Region attraktiv – die so genannte Work-Life-Balance-Herausforderung. 

Personelle Engpässe 

Das Werk in Peiting stecke im Münchner Sog, merkte Guglhör an. Dort merke man das Münchner Niveau, vor allem bei den Löhnen, noch stärker als im landwirtschaftlich geprägten Buching. Er sehe auch den Unterschied zwischen Schulabgängern, die aus der Landwirtschaft kommen und schon frühzeitig Verantwortung übernehmen mussten und Realschülern mit besten Noten. 

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, bildet ept mittlerweile auch in Tschechien selbst aus, dennoch gebe es Engpässe, so Guglhör, vor allem in Führungs- und Managementpositionen. Nur durch die Innovationskraft, so Aigner, auch bei vermeintlich einfachen Produkten könne man auf dem Markt bestehen und mit neuen Ideen sich bewähren. 

Wobei die große Herausforderung mittlerweile in der Digitalisierung und der so genannten additiven Produktion, etwa mittels 3D-Druckern, liege. Guglhör mahnte in diesem Zusammenhang einen Ausbau der Infrastruktur an, konkret den Breitbandausbau.

Im Ostallgäu arbeite ept derzeit mit 34-Mbit/s, so der Geschäftsführer, wobei Kapazitäten im 100 Megabit-pro-Sekunde-Bereich dringend nötig seien in Buching und Halblech.

Oliver Sommer

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