Aus "Fachmann" wird "Technologe"

Den Molkereifachmann wird es in Zukunft nicht mehr geben. Stattdessen bilden Molkerei-Industrie und Berufsschulen fortan Milchtechnologen und Milchtechnologinnen aus. Was sich außer dem Namen noch ändert, das erklärte Josef Fröhlich, Rektor der staatlichen Berufsschule III in Kempten am Freitag in der Sennerei Lehern in Hopferau. Dort tagte die Bezirksgruppe Schwaben des Landesverbandes bayerischer und sächsischer Molkereifachleute (LBM). Kein Pardon kannte bei dem Treffen Konrad Kreuzer mit seinen Berufskollegen. In seinem Vortrag „der verscheißerte Verbraucher“ erläuterte er, wie auch die Milchindustrie mit zweifelhaften Mitteln auf Kundenfang geht.

Seit 1991 gab es keine Neuordnung der Molkereifachausbildung mehr, erklärte Rektor Josef Fröhlich. Seit dieser Zeit habe sich aber viel getan, technisch, organisatorisch und vor allem rechtlich. „Das Fachwissen kann das Können nicht ersetzen“, erklärte Fröhlich. Wichtigster Punk der neuen Ausbildung sei deswegen die Handlungsorientierung. Die Ausbildung soll den Azubi früher an praktische Aufgaben heranführen. Entsprechend gestaltet sich auch die Gesellenprüfung anders. Die mündliche Prüfung fällt weg, dafür wird der praktische Prüfungsteil ausgebaut. Das Ziel: Die Lehrlinge sollen „wesentlich früher selbstgesteuert handeln können.“ Das duale System aus betrieblicher und schulischer Ausbildung bleibt bestehen. Das habe sich derart gut bewährt, dass andere Länder, wie Saudi Arabien oder China, es gar kopierten. Interesse habe es auch aus Amerika gegeben, wo die Umsetzung jedoch an der Vorstellung scheitere, „dass jemand in schulischer und beruflicher Ausbildung auch bezahlt wird“, so der Rektor. Er merkte aber auch an, dass die Neuordnung Anforderungen an die Berufsschulen stellt. „Wir brauchen mehr Räume und mehr Lehrer“, erklärte der Schulleiter. Pro- oder prä-biotisch? Bewusst provokant hat Konrad Kreuzer den Titel seines Vortrags „Der verscheißerte Verbraucher“ gewählt. Erzählte er zu Anfang den anwesenden Molkereifachleuten noch von Bauernfängerei mit Kosmetik oder Diäten, kam er alsbald auf die Marketingmethoden der Milchwirtschaft zu sprechen. Nicht überall dort, wo Alpenmilch draufsteht sei etwa auch Alpenmilch drin. „Wenn ein Verbandsjurist die Alpen bis an die Donau ausdehnen kann, dann kommt die Sachsenmilch aus dem herrlichen Voralpenland“, meinte er pointiert. Keinen Sinn hatte er für pro- oder gar prä-biotische Milchprodukte, solche die „aktiv“ sind oder gleichzeitig fettarm und cremig sein sollen. „Früher hatte ‘cremig’ etwas mit Fett und Rahm zu tun. Heute schlagen wir Luft drunter und verkaufen es mit 0,2 Prozent Fett“, erläuterte er und fügte an: „Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir Bindemittel statt Fett verkaufen“. Er warnte zudem vor der Konkurrenz durch die Soja-Milch. Sie wird uns den Rang ablaufen wie einst die Margarine“, prognostizierte Kreuzer. DLG prämiert Dennoch gab es in der Sennerei Lehern auch Qualität zu prämieren. Zahlreiche Produkte bekamen ihr DLG-Siegel. Auch der Hausherr, Alfred Becker, gehörte zu den Gewinnern. „Wir haben geprüft wie seit 30 Jahren nicht mehr“, beschrieb DLG-Projektleiterin Inka Scharf den Andrang. Ein Drittel der Molkereiprodukte kamen aus Bayern.

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