Verstoß gegen Corona-Regeln: Faschingsverein wusste nichts von illegaler Faschingsparty in Schwangau

Party trotz Corona: Schwangauer Faschingsverein distanziert sich

Faschingsumzug in Schwangau
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Vor Corona lockte der Gaudiwurm in Schwangau regelmäßig Tausende an. Zur kleinen Party am Sonntag kamen etwa 100 Teilnehmer, was wohl ein juristisches Nachspiel haben wird.

Schwangau - Rund einhundert Partygänger sollen am Sonntagnachmittag in Schwangau trotz der Corona-Beschränkungen Fasching gefeiert haben. Diese Nachricht ging nicht nur deutschlandweit durch die Medien, sondern sorgte vor allem in den Sozialen Netzwerken für Empörung. Bei Peter Reinelt, Präsident des Schwangauer Faschingsvereins, stand das Handy in den vergangenen Tagen nicht mehr still. Dabei habe der Verein davon gar nichts gewusst. „Wir haben mit der ganzen Sache nichts zu tun“, betont er gegenüber dem Kreisboten. 

Wie berichtet, sollen nach Angaben der Füssener Polizei am Sonntag rund 100 Menschen in einer Nebenstraße in Schwangau Fasching gefeiert haben. Beobachter hatten daraufhin die Beamten gerufen. Vor Ort stellten diese nach eigenen Angaben tatsächlich drei Faschingswagen, zahlreiche Teilnehmer und auch Zuschauer fest.

Bei den Wagen habe es sich allerdings nicht um Faschingswägen im klassischen Sinn gehandelt, betont Präsident Reinelt und verweist auf Fotos. Auf einem Hänger standen Boxen, aus denen laute Musik dröhnte. „Der Aufbau dauert 20 Minuten.“ Ein anderer war mit einer Schneefräse unterwegs, so Reinelt.

Die Anzahl anwesenden Personen schätzt die Polizei auf etwa einhundert. Da viele wussten, dass Feiern dieser Art derzeit nicht erlaubt sind, verschwanden einige, als die Polizei eintraf. Die Beamten lösten die Veranstaltung auf und erhoben die Personalien der noch Anwesenden, rund einem Fünftel der Feierwütigen, etwa 20 Leuten.

Diese müssen sich nun wegen Verstößen gegen die Infektionsschutzverordnung und das Abstandsgebot verantworten. Ihnen drohen Geldbußen von bis zu 500 Euro, erläutert Dominic Geißler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten, auf Nachfrage des Kreisboten. Wie hoch die Strafen aber tatsächlich ausfallen werden, entscheidet die Verfolgungsbehörde - in diesem Fall das Landratsamt Ostallgäu.

Doch die Sache ist verzwickt. Denn es stellt sich die Frage: „Wer war wirklich Teilnehmer und wer war zufällig vor Ort“, so Geißler. Bewegung an der frischen Luft sei schließlich auch während der Pandemie erlaubt. „Ob man dabei eine Perücke auf hat oder nicht, spielt keine Rolle.“

Richtig teuer wird die ganze Sache jedoch für den Veranstalter. Falls die Polizei diesen ausfindig machen kann, droht ihm eine Geldstrafe von bis zu 5000 Euro. „Die Ermittlungen zum Veranstalter bzw. Initiator laufen“, berichtete der Polizei-Pressesprecher.

Einen bitteren Beigeschmack hat die ganze Aktion auch für den Faschingsverein Schwangau. Dieser habe erst durch die Polizei von dem närrischen Treiben erfahren. „Wir distanzieren uns komplett davon“, so Reinelt, der sauer über die ganze Aktion ist. Trotzdem wurden er und seine Mitstreiter zum Teil wüst beschimpft. Am Montagabend klingelte bis nachts um 2.30 Uhr sein Handy. Die Anrufer, alle anonym, beschimpften die Vereinsmitglieder als „blöd“ und „bescheuert“. „Wir sollen Corona kriegen und alle daran verrecken“, hatte einer ins Telefon gebrüllt, so Reinelt. „Das war heftig.“ Polizeilich dagegen vorgehen, will er aber nicht. Schließlich möchte er den ganzen Vorfall nicht weiter aufbauschen.

Aufgrund der Corona-Pandemie hatte der Faschingsverein Schwangau bereits im Juli einstimmig beschlossen, die Faschingssaison 2020/2021 ausfallen zu lassen, um die Besucher und Mitwirkenden keinem gesundheitlichen und dem Verein keinem finanziellen Risiko auszusetzen.

Es sei traurig, dass eine solch gedankenlose Aktion Einzelner nun ein schlechtes Licht auf den ganzen Faschingsverein werfe, so Reinelt. Schließlich bereiten die Mitglieder jedes Jahr unter großem Aufwand die Faschingssaison vor. „Wir arbeiten ab August an den Sachen.“

Nun hofft er, dass sich die Wogen glätten und der Verein im kommenden Jahr wieder einen „gscheiden Fasching“ feiern kann.

Katharina Knoll

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