Umstrittenes Bauvorhaben

"Wir machen uns Sorgen"

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In diesen Hang in Bad Faulenbach soll das Mehrfamilienhaus mit etwa 20 Wohnungen gebaut werden.

Füssen – Mit Kneipp-Anlage, „Tal der Sinne“ und dem „Pfad der Sinne“ richtet sich das Angebot im Ortsteil Bad Faulenbach vor allem an diejenigen, die Ruhe und Entspannung suchen.

Doch seit bekannt wurde, dass das Landratsamt den Bau eines massiven Mehrfamilienhauses Am Anger womöglich genehmigen wird, ist es mit der Ruhe in dem beschaulichen Kurort vorbei. Die IG Bad Faulenbach, der Kneipp-Verein, Hoteliers und Anwohner befürchten massive negative Auswirkungen durch das Vorhaben auf das Tal und fordern Stadtverwaltung und Stadtrat auf, alles Mögliche zu unternehmen den Bau in seiner jetzigen Form zu verhindern. 

Nicht nur die Bauverwaltung und die Stadträte im Bauausschuss wurden jüngst von der Ankündigung des Landratsamtes überrumpelt, den Bau eines rund 45 Meter langen Mehrfamilienhauses mit 20 Wohneinheiten und Tiefgarage gegenüber dem Europahotel wahrscheinlich zu genehmigen (der Kreisbote berichtete mehrfach ausführlich). 

Auch die Bad Faulenbacher sind entsetzt über die Ankündigung der Kreisbehörde und befürchten das Ende der Beschaulichkeit in ihrem kleinen Tal. „Wir haben alle ein bisschen Angst und machen uns Sorgen“, erklärt Tina Allgaier, Vorsitzende der IG Bad Faulenbach.

Dabei sei man nicht grundsätzlich gegen den Bau. Aber geplante Größe und Eingriffe in den Boden wie ein Abtragen des Hanges könnten so nicht hingenommen werden. „Es muss ins Gesamtbild passen!“ 

Die Gründe für die Befürchtungen der Talbewohner sind vielfältig: Zum einen fürchten die Faulenbacher, dass ihr bei Touristen so beliebtes Tal durch die schiere Größe des geplanten Gebäudes sein idyllisches Gesicht ein für alle mal verlieren wird. „Der Charakter wird für immer zerstört werden“, sagt Anwohner Wolfgang Sauter. „Hier wird ein riesiger Teil des Tals platt gemacht“, ergänzt Nachbarin Brigitte Dischereit. 

Zum anderen sorgen sie sich wegen der Bauarbeiten und deren Auswirkungen. Vor allem, dass wohl große Teile des Hangs abgetragen werden müssen und dabei womöglich gesprengt werden muss, bereitet ihnen wegen der Bodenbeschaffenheit aus wenig tragfähigem Schwemmsand und Steinen Kopfzerbrechen. „Das ist der denkbar schlechteste Boden“, so Allgaier. 

Sie und die Anwohner befürchten, dass das gesamte Areal ab dem Tennisplatz ins Rutschen kommen könnte. „Wir machen uns da echt Sorgen“, so Allgeier. „Vorherige Projekte sind ja schon in diesem Boden versunken“, erinnert sich Magnus Jakob vom gleichnamigen Kurhotel. Deshalb fordern die Anwohner ein Beweissicherungsverfahren und ein Bodengutachten, sollten die Bagger tatsächlich einmal anrollen. „Es muss geklärt sein, was ist wenn“, betont IG-Vorsitzende Allgaier. Sie kündigte außerdem an, dass sich die IG juristischen Beistand holen werde. 

Darüber hinaus fragen sich viele Faulenbacher, wie die schweren Lkws während der Bauarbeiten überhaupt in den engen und verkehrsberuhigten Faulenbacher Gassen rangieren sollen. 

Was wird aus Tourismus? 

Die meisten Sorgen machen sich die Hoteliers und Anwohner jedoch wegen der möglichen Auswirkungen auf den Tourismusstandort und Kneippkurort Bad Faulenbach. „Wir wollen das Tal so gestalten, dass es eine Ruheoase bleibt“, sagt Tina Allgaier. „Alle Bestrebungen, das Tal ruhig zu halten, werden aber jetzt zunichte gemacht.“ „Der Bau ist total konträr zu dem Konzept“, ergänzt Wolfgang Sauter. 

Tatsächlich arbeitet Füssen Tourismus- und Marketing (FTM) zusammen mit der LMU München an dem kneippbasierten Konzept „Gesunder Schlaf durch innere Ordnung“. Ein wesentlicher Bestandteil dabei ist der Ortsteil Bad Faulenbach. Nun befürchten vor allem die teilnehmenden Hoteliers, dass das Projekt durch das Bauvorhaben gefährdet wird. „Es herrscht große Unsicherheit“, beschreibt Allgaier die Stimmung. „Diesen Kleinod zu erhalten, wird mit diesem Bau nicht möglich sein“, glaubt auch Carola Schweiger vom Kneipp-Verein.

Weil Gespräche mit dem Bauherren aus ihrer Sicht erfolglos blieben, hoffen die Faulenbacher nun, dass Stadtverwaltung und Stadtrat das Bauvorhaben doch noch beeinflussen oder gar verhindern können. „Wir wollen, dass alle Register gezogen werden“, so die einhellige Forderung. Konkret fordern sie die Aufstellung des längst beschlossenen Bebauungsplans für das betroffene Areal. „ Die Stadt muss sich dessen bewusst werden und zeigen, dass sie hinter uns steht“, sagt IG-Vorsitzende Allgaier und ergänzt: „Eigentlich brauchen wir für ganz Bad Faulenbach einen Bebauungsplan.“ 

Eilantrag an Stadtrat

Auch ein Teil der Stadträte scheint den Ernst der Lage erkannt zu haben, und fordert in einem Eilantrag für die nächste Stadtratssitzung am kommenden Dienstag, 26. September, die Aufstellung des bereits vor zwei Jahren beschlossenen Bebauungsplans sowie eine Verlängerung der am 3. Oktober auslaufenden Veränderungssperre für das Plangebiet (der Kreisbote berichtete am Mittwoch). 

Ob das Landratsamt noch umgestimmt werden kann, ist zwar fraglich. Zumindest im September werde aber keine endgültige Entscheidung über eine Baugenehmigung mehr fallen, erklärte Gudrun Hummel, Leiterin der Bauverwaltung, auf Anfrage unserer Zeitung. Zunächst einmal müssten die jüngsten Einwendungen des Bauausschusses überprüft und abgewogen werden.

Matthias Matz

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Ende des Entgegenkommens 


Füssen/Augsburg – Mit Unverständnis reagiert Michael Baron Vielhauer von Hohenau auf die erneut aufgeflammte Diskussion um sein Bauvorhaben Am Anger 1 in Bad Faulenbach. „Die Pläne sind noch einmal ein bisschen geschrumpft“, sagte er auf Nachfrage des Kreisbote. Noch mehr reduzieren könne er das Gebäude nun nicht mehr, da sich das Vorhaben sonst wirtschaftlich nicht mehr rechne. Dass das Landratsamt Ostallgäu eine Baugenehmigung in Aussicht gestellt habe, „zeigt mir, dass ich mit der Planung auf der richtigen Seite stehe bzw. dem Recht entspreche“. 

Auch die Stadt Füssen habe seinerzeit in ersten Gesprächen signalisiert, dass das Vorhaben an der geplanten Stelle prinzipiell möglich sei. Nachfolgende Verhandlungen seien allerdings ohne Erfolg geblieben: „Ich bin in x Schritten auf die Stadt zugegangen. Aber es hat sich nichts bewegt“, so von Hohenau. Seiner Ansicht nach füge sich das von ihm geplante Mehrfamilienhaus in die Umgebung ein. „Die anderen Gebäude ringsum sind eigentlich größer“, sagte er. 

Die Befürchtungen der Anwohner kenne er zwar, könne sie aber nicht nachvollziehen. „Andere Häuser in Bad Faulenbach sind auch gebaut worden“, spielt er auf das Gegenargument der schwierigen Bodenverhältnisse an. So sei das Hotel Wiedemann in den selben Hang gebaut worden. Dennoch kündigte er an, ein Bodengutachten erstellen zu lassen, sobald die Baugenehmigung endgültig vorliege. Einer Klage der Stadt sehe er gelassen entgegen. Das sei das gute Recht der Verwaltung. „Aber ich sehe das nicht als sonderlich aussichtsreich an.“

mm

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