Grenzübergreifende Initiative sucht Lösungen gegen Motorradlärm

Zeit zum Handeln

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Die Tirolerisch-bayerische Delegation auf Faktencheck am Kesselberg bei Kochel am See: Leitschwellen gegen Kurvenschneiden.

Außerfern/Oberallgäu – Der Schneefall hat die Motorradfahrer an den beliebten Bergstrecken im Außerfern und im Oberallgäu mittlerweile eingebremst.

Geschwindigkeit aufgenommen haben hingegen die Initiativen gegen den überhand nehmenden Motorradlärm: Kürzlich präsentierte die Interessensgemeinschaft „Xund‘s Lechtl“ die Ergebnisse von Lärmmessungen und forderte die Behörde zum Handeln auf. Bisher eher im Hintergrund setzten sich dagegen zahlreiche Außerferner Bürgermeister von Hotspot-Gemeinden für ihre lärmgeplagte Bevölkerung ein.

Sie erwirkten nicht nur Geschwindigkeitsbeschränkungen sondern stellten auch zusammen mit dem Landratsamt Oberallgäu, der Stadt Sonthofen und der bayerischen Exekutive ein grenzüberschreitendes Projekt auf die Beine. Auf Tiroler Seite sind hier auch die Bezirkshauptmannschaft Reutte, das Baubezirksamt und die Polizei eingebunden. Die Bürgermeister Heiner Ginther, Martin Schädle und Hans Dreier vertreten dabei die Außerferner Gemeinden. 

Dieses Projekt dient sowohl der Bündelung von Aktivitäten als auch der internationalen Vernetzung. Bereits im März besuchte eine Delegation von Bürgermeistern und Vertretern von Polizei und Behörden das Staatliche Bauamt in Weilheim. Diese Behörde ist zuständig für den Kesselberg, eine beliebte Motorradstrecke bei Kochl am See. Dort versuchen die Verantwortlichen mit Rüttelstreifen und Leitschwellen der Raserei und dem Kurvenschneiden Herr zu werden.

Im Mai fand ein erster „Runder Tisch“ zum Thema Motorradlärm im Landratsamt Oberallgäu statt. Für das Frühjahr ist eine grenzüberschreitende Regionalkonferenz geplant. Zudem sollen an den Ortsausgängen Hinweisschilder mit der Aufschrift „Motorradfahrer bitte leise fahren“ angebracht werden. Denn gerade die Ortsausgänge seien neuralgische Lärmzonen. Hier brauche es nach Ansicht der Betroffenen gestaffelte Geschwindigkeitsbegrenzungen, die zum langsamen Fahren auffordern.

Unterschiedliches Recht

Der erste grenzüberschreitende Erfahrungsaustausch zeigte außerdem, dass die Probleme zwar überall die gleichen, die rechtlichen Instrumentarien aber oft sehr unterschiedlich sind. So gibt es in Deutschland keine Halterhaftung wie in Österreich oder der Schweiz, was das Strafen von durch das Tragen des Helms anonymisierten Rasern erschwere. Dafür gebe es in Deutschland zahlreiche Streckensperren für Motorräder. Vor solchen radikalen Maßnahmen schrecken die Verantwortlichen in Tirol bislang aber zurück. Seitens des Landes Tirol werden dagegen derzeit die versuchsweise verordneten Geschwindigkeitsbeschränkungen evaluiert. Zudem wird geprüft, ob Fahrverbote für Motorräder erlassen werden können.

Kein Allheilmittel

Auf beiden Seiten der Grenze ist gegen den Motorradlärm also noch kein Allheilmittel gefunden worden. Denn zum einen stünden der Exekutive nicht ausreichend Personalressourcen für eine konsequente Lärm- und Geschwindigkeitsüberwachung zur Verfügung. Zum anderen seien viele Motorräder völlig legal sehr laut: Die Typisierungsvorschriften legen nicht fest, dass die Lärmgrenzwerte über das gesamte Drehzahlband in allen Fahrsituationen gelten müssen, sondern nur in einem engen Drehzahlbereich. 

Ziel des Projekts ist es daher auch, einen Forderungskatalog für den Gesetzgeber aufzustellen. Ein koordiniertes, internationales Auftreten soll diesen Forderungen mehr Gewicht verleihen. Dieses grenzüberschreitende Projekt wird koordiniert von der Regionalentwicklung Außerfern und gefördert über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung/Interreg-Programm Bayern-Österreich.

kb

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