Den Dingen auf den Grund gehen

Kemptener Experten untersuchen Sedimente im Forggensee

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Am Steg des Waltenhofener Segelclubs werden derzeit die Sedimente abgebaggert und mit Knick-Lenkern innerhalb des derzeit trockenen Gewässers verfahren. Damit sollen belastbare Zahlen zu den Volumina aber auch den möglichen Kosten der Verlandung ermittelt werden.

Schwangau – Von einem besonderen Versuchsfeld im Uferbereich des Forggensees vor Waltenhofen berichtete Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke (CSU) am Montag im Gemeinderat.

Bei Schwangau prüft das Wasserwirtschaftsamt Kempten gerade, wie mächtig die Sedimente im See sind und ob es möglich ist, dieses an einen anderen Ort im See zu verfrachten. 

Der Lech transportiert nicht nur grobe Steine, sondern auch feinste Sedimente talwärts. Diese werden, wo die Strömungsgeschwindigkeit des Flusses geringer ist oder das Gewässer sogar steht, abgelagert, also sedimentiert. Wenn das Material nicht verfrachtet wird, beginnt hier die Verlandung eines Gewässer. So geschehen auch im Forggensee, der vor nunmehr 60 Jahren aufgestaut wurde. Seitdem lagert der Lech Sedimente, vor allem schluffig-toniges Material und feinen Sand ab.

Doch wie mächtig sind diese Schichten? 

Eine Frage, die bislang niemand so genau beantworten kann. Fest steht nur, dass die fortschreitende Verlandung des Sees den Anrainer Probleme bereitet. So können zum Beispiel die Segler in der Brunnener Bucht nur durch bestimmte Fahrrinnen noch im Hafen aus- und einfahren. Ebenfalls einer Fahrrinne müssen die Schiffe der Forggenseeschifffahrt folgen, wollen sie in Waltenhofen Passagiere aufnehmen. 

Künstliche Insel

Diskutiert hatte man die Problematik, nach der der See in spätestens 500 Jahren dicht wäre, bereits mehrfach. Nicht zuletzt in diesem Jahr kochten die Emotionen angesichts des verzögerten Aufstaus wieder hoch. 

Bislang hatten die Zuständigen immer argumentiert, die feinen Sedimente nicht nutzen zu können und sie deshalb allenfalls umgelagert. So etwa vor Waltenhofen, wo eine künstliche Insel entstanden ist. An dieser Stelle auch hat aber das Wasserwirtschaftsamt Kempten nun ein Versuchsfeld angelegt. Dabei soll einerseits die Mächtigkeit der Sedimente eruiert werden. Andererseits werden die ausgebaggerten Ablagerungen mit Transportfahrzeugen in die Brunnener Bucht verbracht und dort an tiefen Punkten aufgefüllt. 

Damit, so Bürgermeister Rinke, wolle man einerseits herausfinden, über welche Mengen man rede, sollten diese abgebaut werden und was eine technische Umlagerung noch unbekannter Mengen kosten würde. Zurück gehen die Maßnahmen auf den Besuch von Staatsminister Marcel Huber (CSU) angesichts des Nichtaufstaus des Forggensees und der damit in Gang gekommenen Diskussion (der Kreisbote berichtete). Es gebe einen Masterplan 2030, für den nun Grundlagen untersucht werden sollen. 

Weiterhin, so Rinke, wolle das Wasserwirtschaftsamt erstmals nun die Sedimente untersuchen, um deren Zusammensetzung herauszufinden. 

Dicker als gedacht

Einigermaßen erstaunt nahmen die Gemeinderäte zur Kenntnis, dass es sich hierbei wohl eher nicht um nur zwei oder drei Meter mächtige Sedimente handeln werde, wie Lothar Poltmann gemutmaßt hatte. Eher müsse man mit fünf oder sechs Metern rechnen, so Rinke, der auch den Fragen nach Kosten und Sinn entgegentrat. Niemand könne das Ergebnis vor dem Versuch kennen.

Bislang war eine Entladung bzw. der Abbau der Sedimente und ihre Deponierung mit dem Verweis auf den möglichen Belastungsgrad als Sondermüll zurückgewiesen worden. Erstmals nun werden konkrete Fakten recherchiert. Mit dem Ergebnis sei demnächst zu rechnen.

gau

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