Tochter von Füssener Stadträtin Ursula Lax vermietet in Hohenschwangau Ferienhaus ohne Genehmigung 

Des "Königs alter Nachbar" sorgt für Ärger in Schwangau

+
Auf airbnb bietet Barbara Lax, in der Schweiz lebende Tochter der Füssener Stadträtin Ursula Lax, ihr Haus in Hohenschwangau unterhalb von Schloss Neuschwanstein an – mittlerweile völlig legal. Doch das war nach Auffassung der Gemeinde nicht immer so.

Schwangau/Füssen – Seit Monaten sorgen Ferienwohnungen und Ferienhäuser für kontroverse Diskussionen in Füssen. Vor allem Teile der Füssener CSU-Fraktion tun sich schwer damit, gegen die Nutzung von Wohnungen als Ferienwohnungen hart durchzugreifen.

Insbesondere CSU-Stadträtin Ursula Lax befürchtet eine Kriminalisierung von Ferienwohnungsbesitzern. Womöglich hat das Verständnis der Christsozialen für Anbieter von privaten Ferienwohnungen aber auch noch einen anderen Grund: Seit Ende 2017/Anfang 2018 vermietet ihre Tochter Barbara in Hohenschwangau selbst ein Ferienhaus. Zum Missfallen der Gemeinde, die deswegen beinahe das Landratsamt Ostallgäu vor das Verwaltungsgericht gezogen hätte. 

Mit „King Ludwig`s Old Neighbour“ preist Barbara Lax – Geschäftsfrau in der Schweiz und laut Ursula Lax derzeit auf einer dreiwöchigen Geschäftsreise und deshalb für den Kreisbote nicht erreichbar – das Haus im Hohenschwangauer Hofwiesenweg unmittelbar unterhalb Schloss Neuschwanstein auf der Plattform airbnb an. Bei der Unterkunft mit fünf Schlafzimmern, vier Betten und dreieinhalb Bädern handelt es sich um das frühere Haus von Konrad Lax, letzter Landrat des Landkreises Füssen und ehemaliger Bürgermeister von Schwangau. 

Neben Lage und Geschichte des Gebäudes wirbt Barbara Lax – nach Angaben ihrer Mutter Ursula Eigentümerin der Immobilie – auf airbnb mit 160 Quadratmetern Wohnfläche und einem 1200 Quadratmeter großen Garten für das Urlaubsdomizil. Und das mit Erfolg: die Bewertungen der internationalen Mieter sind durch die Bank weg positiv. „Das Ferienhaus in schönster Lage mit Blick auf das Schloss Neuschwanstein ist sehr zu empfehlen, es fehlt an nichts“, schrieb etwa Vanessa aus Mainz im Januar dieses Jahres. 

Lehrerin Kristin aus Bretten war offenbar im August 2018 Gast im Hofwiesenweg und schwärmte danach ebenfalls begeistert: „Ein wunderschönes, großes und sehr sauberes Haus mit riesigem Garten. Es war alles vorhanden was man für einen schönen Urlaub braucht!“ 

Ashley aus Washington D.C. besuchte Hohenschwangau gleichfalls offenbar im Sommer des vergangenen Jahres und war danach voll des Lobes: „Barbara and Uschi went above and beyond to provide an amazing home for us! The house was clean, full of amenities, and in a fantastic location within walking distance to everything we wanted to do in the area.“ 

Ärger im Gemeinderat

Was Urlauber aus aller Welt freut, sorgt in der Schwangauer Verwaltung und im Gemeinderat indes für Verdruss. Denn statt Ferienwohnungen würde man dort viel lieber dringend benötigte Wohnungen für Einheimische sehen. Daher beschloss der Bauausschuss der Gemeinde bereits am 1. August 2018, einem Antrag von Barbara Lax auf Nutzungsänderung des Einfamilienhauses in ein Ferienhaus mit temporärer, gewerblicher Nutzung das kommunale Einvernehmen nicht zu erteilen.

Nicht gut angekommen war bei den Gemeinderäten auch, dass Lax das Haus zunächst – nach Angaben ihrer Mutter über eine Dauer von rund drei Monate – ohne Genehmigung als Ferienhaus betrieben und, laut Schwangauer Gemeindeverwaltung, für diesen Zeitraum auch keinen Fremdenverkehrsbeitrag gezahlt hatte.

Hinweis von Nachbarn

Das Ganze sei ein Versehen gewesen, sagte Ursula Lax, die auf airbnb als Helferin der Gastgeberin aufgeführt ist, diese Woche auf Nachfrage des Kreisbote. Ihre Tochter habe sich aus der Schweiz nicht wirklich um das Haus kümmern können, sie selbst habe sich auch keine Gedanken über eine möglicherweise erforderliche Genehmigung gemacht. „Wir sind da so nicht drauf gekommen“, so die langjährige Füssener Stadt-, Kreis- und Bezirksrätin. Schließlich sei seinerzeit ein Haus 100 Meter weiter ebenfalls ohne Genehmigung als Ferienhaus genutzt worden. Erst als Nachbarn die Sache meldeten, kam es zu einer Kontrolle durch das Landratsamts Ostallgäu. 

Die junge Lax reichte daraufhin im April des vergangenen Jahres zunächst eine formlose Bauvoranfrage, am 29. Juni schließlich den bereits erwähnten förmlichen Bauantrag auf der Gemeinde ein. 

Landratsamt winkt durch

Allerdings hatten die Schwangauer bei der Verweigerung des kommunalen Einvernehmens ihre Rechnung ohne das Landratsamt gemacht. Als Untere Bauaufsichts- und damit Genehmigungsbehörde wollten die Marktoberdorfer dem Argument Wohnungsnot aber nicht folgen und baten um eine Stellungnahme.

Doch in ihrer Sitzung vom 7. November des vergangenen Jahres blieben die Gemeinderäte bei ihrer Auffassung und verweigerten das kommunale Einvernehmen erneut. 20 Tage später reichte die Schwangauer Verwaltung den Antrag mit ablehnender Stellungnahme und ausführlicher Begründung an die Kreisbehörde weiter. Dann passierte lange Zeit nichts. 

Erst heuer am 20. August erteilte das Landratsamt schließlich die Genehmigung und ersetzte damit das kommunale Einvernehmen der Gemeinde. „Das Landratsamt hat die Baugenehmigung erteilt, weil die beantragte Nutzungsänderung zu einem Ferienhaus planungsrechtlich zulässig ist“, erklärte Thomas Brandl, Sprecher des Landratsamtes, auf Anfrage des Kreisbote. Außerdem gebe es in der Umgebung bereits etliche Ferienwohnungen. 

Darüber hinaus sei das Baurecht kein Instrument, um regulierend auf den Wohnungsmarkt einzuwirken. Sprich: das Baurecht darf nicht dafür missbraucht werden, einen politischen Willen umzusetzen. Das Landratsamt habe deshalb – wie schon der Stadt Füssen auch – den Schwangauern den Erlass einer Zweckentfremdungssatzung empfohlen.

Im Dorf der Königsschlösser hat man diesen Standpunkt mittlerweile zähneknirschend akzeptiert, auch wenn es zunächst Überlegungen gab, gegen die Genehmigung durch das Landratsamt zu klagen. Mangels Erfolgsaussichten habe man sich aber letztlich dagegen entschieden, erklärte Bürgermeister Stefan Rinke im Gespräch. „Wir müssen uns an das Baurecht halten.“ Nun denke die Verwaltung über den Erlass einer Zweckentfremdungssatzung nach, um den Wohnungsmarkt im Dorf der Königsschlösser künftig besser regulieren zu können. 

Und Barbara Lax und ihre Mutter? Die haben das Haus nach der Ablehnung durch den Gemeinderat nach eigenen Angaben sofort von der Plattform genommen. Die Unterkunft war da für 2018 jedoch schon vielfach gebucht worden. Allerdings soll die Nutzung als Ferienhaus ohnehin nur von vorübergehender Dauer sein. „Über kurz oder lang“ will Ursula Lax nach eigener Aussage dort einziehen.

Matthias Matz

Auch interessant

Meistgelesen

Polizei stellt bei Syrern mehrere gefälschte Führerscheine sicher
Polizei stellt bei Syrern mehrere gefälschte Führerscheine sicher
Schleierfahnder stellen neun Kilo Kokain auf der A7 bei Nesselwang sicher
Schleierfahnder stellen neun Kilo Kokain auf der A7 bei Nesselwang sicher
Pläne für Füssener Altstadt: Nachbesserungen sind nötig
Pläne für Füssener Altstadt: Nachbesserungen sind nötig
Xavier Naidoo kommt nach Füssen
Xavier Naidoo kommt nach Füssen

Kommentare