SPD-Vorstand will sich mit der Angelegenheit befassen

Affäre um Ferienwohnungen: Füssener SPD distanziert sich von Bürgermeister Iacob

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Die Füssener SPD-Ortsvorsitzende und Stadträtin Ilona Deckwerth geht auf Distanz zu ihrem Bürgermeister Paul Iacob.

Füssen - Nach dem umstrittenen Antrag seiner Ehefrau auf Nutzungsänderung bestehender Mietwohnungen in Ferienwohnungen geht der Füssener SPD-Vorstand auf Distanz zu Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Iacobs möglicher Nachfolger, SPD-Bürgermeisterkandidat Erich Nieberle, wirft dem Rathauschef ebenfalls fehlende Glaubwürdigkeit vor.   

In einer persönlichen Erklärung vom gestrigen Donnerstag kritisiert die Füssener SPD-Ortsvorsitzende Ilona Deckwerth scharf, dass Iacobs Ehefrau sich am Dienstag im Bauausschuss die Umnutzung von drei bestehenden Mietwohnungen - die im gemeinsamen Besitz des Ehepaares Iacob sind - in Ferienwohnungen genehmigen ließ.  "Zum einen hat er als Bürgermeister dafür zu sorgen, dass Wohnraum in Füssen, der dringendst gebraucht wird, als solcher erhalten bleibt", so Deckwerth.

"Zum anderen hat er mit seinem Abstimmungsverhalten vor wenigen Wochen daran mitgewirkt, dass eine Zweckentfremdungssatzung, die ein solches Vorgehen hätte verhindern können, nicht beschlossen, sondern auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist."

Ein Bürgermeister, der im Namen und mit Hilfe der SPD in dieses Amt gewählt worden ist, müsse auch sozialdemokratischen Grundwerten folgen und sein Handeln daran ausrichten, so die Ortsvereinsvorsitzende weiter. "Das bedeutet in diesem Fall, dass er alles, was in seiner Möglichkeit steht, tun muss, um für bezahlbaren Wohnraum für die Menschen in Füssen zu sorgen."

Dass nun in Iacobs unmittelbaren familiären Umfeld Wohnraum zu Ferienwohnungen umgewidmet werden kann, sei für einen Sozialdemokraten angesichts der bestehenden Wohnungsnot nicht tragbar. "Dass er erst vor kurzem mit seinem Abstimmungsverhalten dazu beigetragen hat, dass die Zweckentfremdung von Wohnraum zu Ferienwohnungen in Füssen weiter möglich ist und damit seiner Frau diese Möglichkeit offen gehalten hat, ist für mich unfassbar", äußert sich die Vorsitzende und Stadträtin. "Dieses Vorgehen widerspricht allen sozialdemokratischen Grundsätzen."

Iacobs möglicher Nachfolger als Bürgermeister, SPD-Kandidat Erich Nieberle, kritisiert den amtierenden Rathauschef ebenfalls scharf: "Rechtlich ist dieser Entscheidung des Bauausschusses nichts entgegenzustellen, einen solchen Antrag als Familie des Stadtoberhaupts mit Vorbildfunktion einzubringen, zeugt jedoch nicht von Integrität und Glaubwürdigkeit. Das Verfahren wie auch der Inhalt widersprechen meinen persönlichen Handlungsgrundsätzen.

Daniel Schreiner, stellvertretender Ortsvorsitzender der Füssener Sozialdemokraten, distanziert sich gleichfalls von Iacob: "Mein Verständnis einer sozialdemokratischen Politik ist ein gänzlich anderes und als führender Poitiker der Stadt Füssen hätte man hier anders agieren müssen."

Bürgermeister Iacob selbst weist die Vorwürfe zurück.

Vorsitzende Deckwerth kündigte unterdessen an, dass sich der Vorstand der Füssener SPD am kommenden Montag mit der Angelegenheit befassen werde.

mm

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