Vom Holzstück zur Bratsche

Festival "vielsaitig": Geigenbauer präsentieren ihre Arbeit beim Treffpunkt Geigenbau

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Geigenbaumeister Gaspar Borchardt aus Cremona stellt beim Treffpunkt Geigenbau sich und seine Arbeit vor.

Füssen – Auch in diesem Jahr wird das Festival „vielsaitig” von einem Treffpunkt Geigenbau begleitet, bei dem Interessierte im Museum der Stadt Füssen Geigenbauer und ihre neuesten Instrumente kennenlernen können. Außerdem finden Fachvorträge und eine Führung statt.

Noch bis Samstag, 5. September, jeweils von 11 bis 17 Uhr, außer am Montag, 31. August, sind Geigenbauer aus der Region sowie drei Kollegen aus der Füssener Partnerstadt Cremona abwechselnd mit ihren Instrumenten im Colloquium des Barockklosters St. Mang anzutreffen.

Musiker, Instrumentenbauer und interessierte Laien haben hier die Möglichkeit, täglich jeweils einem der Aussteller bei seiner Arbeit zuzuschauen und sich auszutauschen. Die Instrumente aller Teilnehmer sind während des Festivals im Museum ausgestellt und können ausprobiert werden.

Mehrere Instrumente pro Jahr

Am morgigen Sonntag, 30. August, informiert Marco Coppiardi beim Treffpunkt Geigenbau. Der in Cremona geborene Coppiardi besuchte die dortige Geigenbauschule und absolvierte seine Lehrzeit bei Francesco Bissolotti. Im Anschluss betrieb er in Boston, USA, seine eigene Geigenbau- und Reparaturwerkstatt. Heute lebt und arbeitet er in Cremona und Mailand. Zusätzlich zu seinen Reparatur- und Restaurierungsarbeiten fertigt er jedes Jahr mehrere Violinen und ein Violoncello. Dabei folgt er den Traditionen des Cremoneser Geigenbaus. Der bekannteste Spieler eines Coppiardi-Instruments ist der Kaiser von Japan, der frühere Prinz Naruhito.

Am Dienstag, 1. September, gastieren Pierre und Eric Chaubert beim Treffpunkt Geigenbau. Pierre Chaubert kam vom Genfersee zur Geigenbauschule in Mittenwald. Nach weiteren drei Jahren bei Josef Kantuscher legte er dort seine Meisterprüfung ab. 1982 gründete er in Füssen die erste Geigenbauerwerkstatt seit 1835. Eric Chaubert absolvierte seine Lehre in der väterlichen Werkstatt und erhielt 2019 in Mittenwald seinen Gesellenbrief. Sein Hauptaugenmerk legt Eric Chaubert auf den Neubau von Streichinstrumenten.

Ein Geigenbauer aus Roßhaupten

Am Mittwoch, 2. September, beantwortet der Roßhauptener Geigenbaumeister Georg Albeck die Fragen der Besucher. Nach seiner Ausbildung an der Geigenbauschule in Mittenwald sammelte Albeck Berufserfahrung in Füssen bei Pierre Chaubert, in den USA und England. Durch das Studieren alter Instrumente und den Austausch mit Musikern zog er Rückschlüsse auf den modernen Geigenbau. Dieses Wissen setzt Albeck nun in seinen Restaurierungen und im Neubau um.

Am Donnerstag, 3. September, gastiert Oliver Radke aus Füssen beim Treffpunkt Geigenbau. Nach seiner Ausbildung in Mittenwald verbrachte er seine Gesellenzeit bei Pierre Chaubert in Füssen. Die Meisterprüfung absolvierte er 1992 in Hamburg. Anschließend sammelte er in Deutschland, den USA, Singapur, Malaysia und Korea Erfahrungen. Aus dem Studium vieler edler Instrumente kommen all die Details zusammen, die er in seinen neu gebauten Instrumenten verwirklicht.

Die Suche nach dem "goldenen" Klang

Am Freitag, 4. September, stellt Gaspar Borchardt seine Arbeit vor. 1983 ist er nach Cremona gegangen, um dort Geigenbau zu lernen. Seit vielen Jahren führt er mit seiner Frau Sibylle eine Werkstatt an der Piazza Duomo. Viele Kollegen und Musiker haben ihm dabei geholfen, nach dem „goldenen” Klang zu streben, dem feinen Gleichgewicht zwischen warm und hell, leise und laut, beweglich und fest. Er glaubt, dass nur sensible Instrumente dem Musiker diese Möglichkeiten der Interpretation geben können.

Zum Abschluss des Treffpunkts Geigenbau stellt sich am Samstag, 5. September, Gabriel Reinhold den Besuchern vor. Als er mit sieben Jahren seinen ersten Violinunterricht erhielt, hatte er bereits eine andere Leidenschaft entdeckt: das Arbeiten mit Holz. Die Freude daran und am Musizieren motivieren ihn bei jedem Instrument, das in seiner Werkstatt in Schwangau entsteht. Dank seiner Erfahrungen im Hören und Restaurieren alter Instrumente verfolgt er einen undogmatischen Ansatz beim Bauen neuer Bratschen und Geigen, bei dem er nicht „ein” Ideal anstrebt, sondern unterschiedliche Klangcharaktere ihre Gültigkeit haben.

Daneben runden Vorträge den Treffpunkt Geigenbau ab. Am Freitag, 4. September, um 15 Uhr referiert der Geigenbaumeister Gaspar Borchardt über „Auf der Suche nach dem optimalen Holz – Geigenbau in Cremona heute“ Sein Vortrag widmet sich der Verfügbarkeit und der Verarbeitung von Ahorn, Fichte, Ebenholz und Weide in den Werkstätten Amati, Guarneri und Stradivari. Danach schildert er seine eigenen Erfahrungen mit der Suche nach geeignetem Geigenholz in den Wäldern Tirols und Bosniens.

Einen Tag später am Samstag, 5. September, um 15 Uhr erklärt Gariel Reinhold die Arbeitsschritte des klassischen Geigenbaus in der Geigenbausammlung des Museums.

Für alle Vorträge und die Führung ist eine Anmeldung an der Museumskasse oder unter der Telefonnummer 08362/ 90 31 43 nötig. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Der Eintrittspreis zum Treffpunkt Geigenbau und den Nachmittagsvorträgen setzt sich aus dem Museumseintritt zusammen.

kb

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