Bei ihrem Adventskonzert bestreitet die Harmoniemusik Füssen souverän eigene Wege

Von Düsternis zur Helligkeit

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Klostervorsteher Pater Stefan Seibert (links) begrüßt die Musikerinnen und Musiker mit ihrem Dirigenten Markus Thaler (rechts) in der vollen Franziskanerkirche zum Adventskonzert.

Füssen – Das Licht der ersten Kerze auf dem Adventskranz in der Füssener Franziskanerkirche zog die Blicke der Konzertbesucher auf sich, bis der Klostervorsteher ans Mikrofon trat.

„Es ist schön, eine so volle Kirche wieder zu erleben“, sagte Guardian Pater Stefan Seibert, als er die knapp 200 Zuhörer zum Adventskonzert der Harmoniemusik Füssen begrüßte. Diese trug sieben Werke vor, die eher selten interpretiert werden. Dr. Paul Wengert führte durch das Programm und gab als souveräner Moderator nicht allein eine kurze Einführung in Kompositionen, die eher selten interpretiert werden. Wengert stellte zur besinnlichen Zeit auch Texte aus einem neuen Büchlein des Benediktinermönchs Urban Stillhard vor, der auch als Komponist tätig ist. 

Im Mittelpunkt stand aber Dirigent Markus Thaler, der mit seinen knapp 30 Instrumentalisten an einem musikalischen Feuerwerk teilnehmen ließ. Beifall brandete nach 90 Minuten auf, in denen musikalische Leichtigkeit zu genießen war, aber auch schwermütige Töne erklungen waren. Den fröhlichen Schlusspunkt setzten das Bläserensemble, das sich in den vergangenen drei Jahren verjüngt hatte, und das Publikum gemeinsam mit dem Kirchenlied „Macht hoch die Tür...“ 

Eine Einstimmung auf Weihnachten wird in Füssener Kirchen, Konzertsälen und Kaufhäusern alle Jahre wieder in Hülle und Fülle geboten. Markus Thaler traut sich was, wenn er sich mit seinen Musikerinnen und Musikern von der Dauerberieselung mit populären Liedern absetzt und einen eigenen stilistischen Weg einschlägt, um die Freude aufs frohe Fest – neben Flöten mit Pauken und Trompeten – in der Klosterkirche auszudrücken.

 Kraftvolles Spiel 

Die eineinhalb Stunden in der wunderbaren Akustik von St. Stephan boten kraftvolles Orchesterspiel und zahlreiche lyrische Momente, die nicht allein den Klarinetten- und Saxophonspielerinnen eindrucksvoll gelangen. Nach jedem Programmpunkt wären Bravorufe verdient gewesen. Die Zuhörerschar wollte aber offenbar den Ablauf der Aufführungen von Werken zeitgenössischer europäischer Komponisten, die ineinander griffen, nicht blockieren und sparte sich den Applaus für die Minuten nach dem Finale auf. 

Vor der Kirchenlied-Zugabe präsentierte die Harmoniemusik nach imposanten Werken wie Strawinskys „Feuervogel“ das leicht verspielte Werk „Polish Christmas Music“, in dem Komponist Johan de Meij traditionelle Kirchenmusik und Melodien mit volkstümlichen Charakter miteinander in Einklang setzt. Wengert brachte das Programm, das sich eindrucksvoll entwickelte, auf dem Punkt. Er sprach von einem „Bogen“, der sich von düsteren Hörerlebnissen hin „zur Helligkeit und Freude“ spannen würde. 

Stilsicherer Aufbau

Komponisten wie James Barnes, Thiemo Kraas oder Tom de Haes dank Thaler kennen gelernt zu haben, war eine große Freude. Nur selten aufgeführt wird auch die „Festmusik der Stadt Wien“ aus der Feder von Johann Strauß. Der Komponist schrieb gern für Bläser und erstellte eine stark gekürzte Fassung seines 1943 vollendeten Wiener Werks. Dieser „Mini-Strauß“ diente für die Blasorchester-Bearbeitung, die die Harmoniemusik Füssen eingangs aufgeführt hatte. Hiermit hatte sich das Takt für Takt stilsicher aufgebaute Konzerterlebnis schon feierlich angekündigt.

cf

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