Interview mit dem neuen Chef des Festspielhauses Füssen

Das Ziel ist die "schwarze Null"

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Große Ziele: Manfred Rietzler hat mit dem Festspielhaus noch einiges vor. Der Beginn stimmt ihn jedenfalls optimistisch für die Zukunft.

Füssen – Etwas mehr als ein Jahr nach der jüngsten Insolvenz des Füssener Festspielhauses läuft der Betrieb langsam wieder an. Neuer Chef des Hauses ist der Unternehmer Manfred Rietzler. Im Kreisbote-Interview spricht er über seine Zukunftspläne für das Festspielhaus und seine Motivation.

Herr Rietzler, Sie sind eigentlich in der IT-Branche zuhause. Was hat Sie dazu bewogen, in den Kulturbereich zu gehen und das Festspielhaus zu kaufen? 

Rietzler: „Es war eine relativ spontane Entscheidung Ende letzten Jahres (lacht). Die Situation war ja, dass das Festspielhaus den ganzen Sommer über vom Insolvenzverwalter notdürftig betrieben wurde. Das heißt, das Ludwigs-Musical hat schon unter der Regie des Insolvenzverwalters gespielt. Aber der Insolvenzverwalter hat gesehen: Es ist extrem schwierig, so ein Haus zu managen. Ich sehe es ja jetzt selbst: Das macht richtig viel Arbeit und läuft nicht von selbst. Deswegen war der Insolvenzverwalter im November in einer Situation, in der er gesagt hat: Wenn sich jetzt keiner findet, der das Haus bis Ende November kauft, dann wird zum 1. Dezember final zu gemacht und ein Zwangsversteigerungsprozess in die Wege geleitet. Das hätte bedeutet, dass das Haus für zwei Jahre oder länger komplett ruht. Das Haus hätte also mindestens zwei Jahre leer gestanden. Was das für ein Haus mit derart komplexer Technik bedeutet, liegt auf der Hand: Zumindest die Haustechnik wäre kaputt gewesen. Das war mein Grund zu sagen: Es kann nicht sein, dass man so ein tolles Haus einfach schließt und kaputt gehen lässt.“ 

Wann und wie hat sich ihr Engagement angebahnt? 

Rietzler: „Ich bin bereits im Oktober mit dem Insolvenzverwalter in Kontakt gekommen. Da war schon die Message: Bis Ende November muss eine Lösung auf dem Tisch liegen. Letztendlich war es einfach so, dass es viele vermeintliche Interessenten gab, aber keiner eine Finanzierung nachweisen konnte. Ich bin dann Ende November kurzentschlossen eingesprungen, habe die entsprechende Finanzierung aufgebracht und tue jetzt mein Bestes, um das Haus wieder zum Laufen zu bringen.“ 

Welche Rolle hat die heimische Politik dabei gespielt? Sind Politiker auf Sie zugekommen und haben versucht Sie für das Projekt zu gewinnen? 

Rietzler: „Ich habe von mir aus Kontakt mit der lokalen Politik aufgenommen und geklärt: Ist das in eurem Sinne, das so zu machen? Ich habe dann eigentlich überall Rückenwind erfahren. Das hat mich dann auch bestätigt, es so zu machen.“ 

Mit dem Konstanzer Geschäftsmann Jan D. Leuze hatten Sie ja zunächst einen Partner. Warum betreiben Sie das Festspielhaus mittlerweile alleine? 

Rietzler: „Ich lebe ja nicht in Deutschland. Mein Lebensmittelpunkt ist seit Jahren in Thailand und wir werden auch weiterhin in Thailand bleiben. Ich hätte das Projekt alleine nicht angegangen, weil ich nicht vor Ort bin und das alleine nicht hätte managen können. Deswegen war die Idee, das gemeinsam mit Herrn Leuze zu machen. Der Plan war: Leuze managt das und finanziert auch die Hälfte. Leider ist das nicht so aufgegangen. Leuze kämpft bekanntlich mit diversen Outlet-Projekten. Er hatte also schlicht und ergreifend keine Zeit. Ein Outlet war für mich aber nie ein Thema, denn das kriegst du hier gegen die Politik nicht durch. Grundsätzlich investiere ich aber nur, wenn die Projekte im Einklang mit dem Umfeld sind. Ich bin nicht scharf drauf, mit dem ganzen Umfeld hier auf Konfrontation zu gehen. So ein Projekt muss ja schließlich auch Spaß machen. Und deswegen stimme ich meine Aktivitäten grundsätzlich rechtzeitig ab und schaue, wie sie in die politische Landschaft passen.“ 

Mittlerweile sind Sie der alleinige Eigentümer des Hauses? 

Rietzler: „Ja. Die Gläubiger sind alle glücklich und bedient. Die letzte Tranche gab es zum 30. Juni. Die haben wir pünktlich, eigentlich sogar vor der Zeit bedient, sodass jetzt das Grundbuch entsprechend frei ist. Der Kaufvertrag ist voll bezahlt und das Haus ist wahrscheinlich zum ersten Mal seit Bestehen ohne Belastung und Fremdfinanzierung.“ 

Wie wollen Sie sicher stellen, dass es diesmal mit dem Festspielhaus klappt? 

Rietzler: „Ich bin ja eigentlich Technokrat und habe häufig deswegen ganz witzige Diskussionen mit unserem Intendanten. Ich habe ihm angeboten, mich als Kulturbanausen bezeichnen zu dürfen. Ich höre zwar gerne Musik, repräsentiere aber wohl eher den breiten Geschmack. Unser Intendant ist dagegen der klassische Opernfan. Ein Festspielhaus muss aber von der Ausrichtung her einen breiten Geschmack treffen. Man muss natürlich auch die hochkarätigen Opernfans bedienen. Primär geht es aber darum, mit den Kernaufführungen die Breite zu treffen, den Lifestyle. Wir sind ein Haus, in das die Leute gerne gehen sollen und in dem die Leute auf breiter Basis unterhalten werden. Durch Musik, durch Gastronomie, durch Events.“ 

Wie wollen Sie das erreichen? 

Rietzler: „Es geht darum, das zu bieten, was bei den Leuten ankommt. Dafür haben wir das Mehrsäulenkonzept. Säule heißt zum einen: Bühne. Säule heißt: Gastronomie. Und Säule heißt: alle Arten von Events. Grundsätzlich vermieten wir auch alle Räumlichkeiten von der 20-Mann-Geburtstagsfeier bis zum 5000-Mann-Firmen-Event. Wir haben sogar eine Flatrate für das ganze Gebäude. Wir wollen einfach alle ansprechen.“ Wie ist die bisherige Resonanz? Rietzler: „Das kommt sehr gut an und die Räume sind gut vermietet. Die Raumvermietung läuft seit Mai recht gut. Und die Gastronomie hat mittlerweile auch jeden Tag ganztags geöffnet. Ab Juli läuft dann das Sommerprogramm und ab 3. August das Ludwig-Festival wieder den ganzen August. Wir gehen davon aus, dass wir das Haus gut voll haben werden.“ 

Viele sind sich sicher, dass das Festspielhaus langfristig nur mit einem Hotel rentabel betrieben werde kann. Wie sehen Sie das? 

Rietzler: „Mein Ziel ist es ganz klar, mit dem, was wir gerade machen, auf eine schwarze Null zu kommen. Ich gehe davon aus, dass wir das schaffen werden. Nichtsdestotrotz sucht man ja nach nachhaltigen Modellen und das ist aus meiner Sicht die Erweiterung um einen Hotelbetrieb. Ich werde ab Ende dieses Jahres das Thema Hotel deshalb systematisch angehen. Das heißt: Die Machbarkeitsstudien erstellen und dann hier auf Partnersuche für Konzeption und Betrieb gehen. Ich breche da nichts übers Knie, sondern versuche das systematisch zu entwickeln. Politische Unterstützung hierzu gibt es. Seitens der Stadt gibt es da ja bereits einen pauschalen Beschluss und auch seitens München hat man signalisiert, dass man das begrüßt. Das gilt auch für das Landratsamt. Politisch rennen wir damit offene Türen ein.“ 

Ihr ehemaliger Partner Jan D. Leuze wollte hier am Forggensee ein Outlet-Center errichten. Werden sie diese Pläne weiter verfolgen? 

Rietzler: „Nein. Es wird kein Outlet geben. Wir überlegen ja gerade, ob wir hier noch zwei Andenkenläden mit rein nehmen. Aber sobald man das Thema Laden in den Mund nimmt, ist schon wieder das Outlet-Gespenst an der Wand. Deswegen nochmals: Es wird kein Outlet geben!“ 

Wann rechnen Sie mit der Realisierung Ihrer Hotel-Pläne? 

Rietzler: „Ganz grob: Ein Jahr für die Planung. Dann, wenn es gut geht, ein bis zwei Jahre für die Genehmigungsprozesse und dann noch eine Bauzeit von eineinhalb bis zwei Jahren. Vier bis fünf Jahre wird es also wohl dauern – mit Luft nach oben.“ 

Wie weit sind Sie mit den geplanten 130 Parkplätzen hier direkt am Haus? 

Rietzler: „Wir haben alle Anträge eingereicht und es gibt einen einstimmigen Stadtratsbeschluss. Von daher gibt es schon mal Rückenwind. Ich stehe Gewähr bei Fuß, das zu realisieren. Ich warte eigentlich nur auf die entsprechenden Unterschriften der Füssener Stadtverwaltung. Wir sitzen in den Startlöchern und hätten das am liebsten schon fertig. Ich kann aber nicht sagen, wann die Genehmigung kommt.“ 

Wie war der bauliche und technische Zustand des Festspielhauses, als Sie es Ende 2016 übernommen haben? 

Rietzler: „Die eigentliche Bausubstanz ist gut. Das Haus ist gebaut wie ein Bunker. Die Haus­technik, also alle Computersteuerungen, Brandschutz und Bühnentechnik, sind nach 15 Jahren aber obsolet. Somit lag das Augenmerk auf der Elek­tronik, vor allem auf den sicherheitsrelevanten Themen wie dem Brandschutz. Hier haben wir jetzt wieder alle entsprechenden TÜV-Stempel. Die Hebezüge der Bühne und die Bühnensteuerung haben wir komplett neu gemacht, ebenso die Lichtsteuerung und die Drehbühne. An reinen Reparatur- und Sanierungsmaßnahmen liegen wir mittlerweile bei über zwei Millionen Euro.“ 

War Ihnen vorher klar, auf was Sie sich da einlassen? 

Rietzler: „Ja. Da gab es schon vorher Grobschätzungen.“ 

Wie haben sich die Mitarbeiterzahlen seit Ende November entwickelt? 

Rietzler: „Wir haben jetzt aktuell 22 Festangestellte. Dazu kommen noch einmal 20 Leute in der Gastronomie. Da läuft schon was.“ 

Was wünschen Sie sich persönlich für Ihr Festspielhaus? 

Rietzler: „Mein persoenlicher Wunsch ist dem Festspielhaus wieder ‚Glanz‘ zu geben und das Haus in einen nachhaltigen Spiel- und Event-Betrieb zu bringen.“ 

Erfolg hin oder her: Ist das FSH ein Lebens-Projekt für Sie oder können Sie sich vorstellen, nach erfolgter Sanierung das Haus wieder zu verkaufen? 

Rietzler: „Ich werde nicht auf Lebzeit an dem Haus hängen. Mein primäres Ziel ist es, das Haus kurzfristig wieder auf Spur zu bringen und mittelfristig die Hotel-Option zu entwickeln. Ich werde dies entweder mit entsprechenden Partnern machen, kann mir jedoch auch vorstellen, das Haus – wenn dann ein nachhaltiger Plan steht – in Zukunft auch wieder abzugeben. Jedoch werde ich dies nur machen, wenn eine klare Strategie steht und die Zukunft des Hauses gesichert ist.“ 

Herr Rietzler, wir danken Ihnen für das Gespräch. 


Matthias Matz/Kai Lorenz 

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