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Der Weg für ein 5-Sterne Hotel am Festspielhaus ist frei

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Auf der Nordostseite des Festspielhauses soll das neue Hotel entstehen. Mit 149 Doppelzimmern und Suiten bietet es Platz unter anderem für Tagungs- und Seminarteilnehmer. © Archiv/Knoll

Füssen – Ein Fünf-Sterne-Hotel darf am Ludwigs Festspielhaus Füssen entstehen. Den ersten Schritt in einem umfangreichen Genehmigungsprozess hat am Dienstag der Stadtrat gemacht. Mit 18:3-Stimmen segneten die Räte die dafür nötige Änderung des Bebauungsplans (B-Plan) und des Flächennutzungsplans ab.

Auf diese Weise soll das Festspielhaus auf nachhaltige Beine gestellt werden. Gleichzeitig sahen die Räte aber auch die Risiken, die so ein Hotel mit sich bringt – genau wie der Marketing- und Wirtschaftsausschuss (MWiA) von Füssen Tourismus und Marketing (FTM).

Was im Mai noch gescheitert ist, ging am vergangenen Dienstag durch: Der Füssener Stadtrat hat die planungsrechtlichen Voraussetzungen für einen Hotelbau am Füssener Festspielhaus geschaffen. Denn jetzt lag eine Stellungnahme des MWiA vor. Und dieser sprach sich darin mit 9:2-Stimmen für den Hotelbau aus. Die Mitglieder hätten dabei die wichtige Bedeutung des Festspielhauses für die Stadt Füssen in die Waagschale geworfen, erklärte Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier. Doch so eindeutig, wie das Ergebnis vermuten lässt, war die Diskussion nicht. 

Der Ausschuss war sich einig, dass das 5-Sterne-Hotel den Bestand des Festspielhauses sichern könnte. Das Ludwig²-Musical komme am Forggensee gut an und könnte deshalb als Markenbotschafter dienen. „Das funktioniert aber nur, wenn Beständigkeit absehbar ist“, erklärte der Tourismusdirektor. Daneben könnte das 5-Sterne-Hotel für eine Qualitätsverbesserung der gesamten Unterkunftsbranche sorgen – ein Ziel, dass FTM schon lange anstrebt. Mit seinen Seminar- und Tagungsräumen erschließe es zudem einen Bereich, in dem die Lechstadt derzeit „schwach aufgestellt ist“, so Fredlmeier. Dabei werde es ein kaufkräftiges Publikum anlocken und durch seine Vermarktung auch Werbung für Füssen machen. 

Risiken durch Hotel

Doch das Hotel birgt auch einige Risiken. So befürchtet der Ausschuss, dass durch mehr Touristen die eh schon stark beanspruchten Verkehrswege noch stärker belastet werden. Zudem könnte das Hotel die weitere Verkehrsentwicklung – beispielsweise eine Umgehungsstraße – blockieren. Auch den Preiswettbewerb könnte das neue Hotel weiter anheizen. „In der Nebensaison machen 4-Sterne-Häuser 3-Sterne-Häusern Konkurrenz, weil sie den Preis drücken“, so Fredlmeier. Ein 5-Sterne-Hotel dürfe dann nicht auch noch auf das Preisniveau eines 4-Sterne-Hauses sinken. Ein weiteres Risiko sei der Fachkräftemangel. Bereits jetzt werbe ein Hotel dem anderen das Personal ab. „Jeder Betrieb, der dazukommt, verschärft das Problem“, so der Tourismusdirektor. Durch insgesamt mehr Hotelangestellte werde zudem der Druck auf den Wohnungsmarkt erhöht. 

Ein „wahnsinniges Problem für ganz Füssen“ wäre es aber, wenn das Hotel nicht läuft, sagte der Tourismusdirektor. Das Haus könnte in ein Preissegment sinken, das nicht im Interesse von Füssen sei – den Einnächter-Bustourismus. „Dafür gibt es genügend Beispiele in ganz Füssen.“ Daneben besteht die Gefahr, dass das Hotel irgendwann zu einer Wohnanlage bzw. zu Zweitwohnungen wird. Um das zu verhindern, soll die Stadtverwaltung einen projektbezogenen Bebauungsplan und einen städtebaulichen Vertrag aufsetzen. Sie sollen garantieren, dass das Haus nur als Hotel im 5-Sterne-Niveau betrieben, ein Verkauf als Eigentumswohnungen verboten wird und der Eigentümer sowie Betreiber auf Rechtsmittel verzichten, wenn die Stadt Lösungen bei der Verkehrssituation umsetzen will. Hier sollte die Stadt ihr Engagement außerdem forcieren, genau wie beim Bau von bezahlbaren Wohnraum für Bedienstete in der Tourismusbranche – zusammen mit dem Eigentümer. 

Weiter appellierte der Ausschuss, dass neue Billigunterkünfte nicht die positiven Impulse des neuen Hotels zunichte machen dürfen. Wichtig für Fortbestand 

Eintragung im Grundbuch

Diesen Forderungen schloss sich Dr. Anni Derday (FWF) an und mahnte die Aspekte im städtebaulichen Vertrag auch im Grundbuch festzuschreiben. Daneben sollte die Stadt selbst in der Gastronomie und im Einzelhandel ein 5-Sterne-Niveau bieten. Lösungen brauche es zudem bei der Unterkunft der 300 Hotelangestellten, so die FW-Stadträtin. „Denn wir haben diese Wohnungen in dem Preissegment nicht.“ Insgesamt sei das Festspielhaus aber „ein ganz wichtiges Leuchtturmprojekt im Tourismus. Und das Hotel wird möglicherweise dazu beitragen es zu erhalten.“ 

Gleicher Meinung war die SPD-Fraktion, wie ihr Vorsitzender Lothar Schaffrath (SPD) erklärte. „Es führt kein Weg an einem Hotel für den Fortbestand des Festspielhauses vorbei.“ Die negativen Auswirkungen auf die Verkehrssituation, die Wohnungen und die anderen Hotels bewertete er aber nicht so kritisch. Denn Tagungen würden meist in die Nebensaison fallen. Zudem dürfte es seiner Informationen nach kein Problem für den Eigentümer sein, Personalunterkünfte anzubieten. Auch der Anreiseverkehr des Hotels dürfte kaum Auswirkungen auf die Innenstadt haben. Schließlich habe es „fast automatisch einen Autobahnanschluss“, wie Uschi Lax (CSU) anmerkte. 

Auf Klima schauen

Salz in die Suppe musste dann aber Dr. Martin Metzger (BfF) streuen, wie er erklärte. „Alle wünschen sich ein funktionierendes Festspielhaus.“ Dafür sei man auch bereit Zugeständnisse zu machen. Wenn man an die künftigen Generationen denke, müsse man das Projekt aber ablehnen. Denn „Deutschland erreicht seine Klimaziele nicht“, so Metzger. Verantwortlich seien der zunehmende Verkehr und die wachsende Wirtschaft. Die Folgen: Steigende Temperaturen auch im Allgäu. „Die Klimaziele werden nicht in Paris, sie werden hier entschieden“, sagte Metzger. Deshalb sollte man sich überlegen, „ob´s nicht irgendwann eine Grenze gibt.“ „Den Konflikt Wachstum und Umweltverträglichkeit gibt’s immer“, wandte Georg Waldmann (SPD) ein. 

„Man kann auch möglichst umweltverträglich bauen.“ Dass es sich der MWiA nicht leicht gemacht habe, darauf verwies noch einmal Andreas Eggensberger (CSU). Für die Touristiker sei nicht ein Hotel am Festspielhaus das Problem, sondern die Bettenmehrung. Die Bedenken, dass es in Füssen „zu viel wird.“ 

Falsche Reihenfolge? 

Andere Bedenken hatte Dr. Christoph Böhm (CSU). Er kritisierte die Reihenfolge der Genehmigungsschritte. „Wir schaffen schon im ersten Schritt Baurecht, indem wir den Umgriff erweitern.“ Dann könnte schon ein Stück des Forggensees aufgeschüttet werden. „Wir wissen gar nichts, geben aber schon eine Blankovollmacht. Das ist die falsche Vorgehensweise.“ 

„Wir haben heute noch gar nichts“, wandte Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) ein. Wenn der Stadtrat heute den Umgriff des B-Plans festlege, dann werde die Stadtverwaltung einen Entwurf des städtebaulichen Vertrags und des Baufensters aufsetzen und dem Bauherren vorlegen. „Wir gehen einen absolut sicheren Weg.“ 

„Alles, was heute gesagt wurde, ist nachvollziehbar, wenn man es zu Ende denkt“, erklärte Lax. Sie frage sich jedoch, warum diese Überlegungen dem Gremium nicht schon vor Jahren bei anderen Hotelprojekten gekommen sei. Sie appellierte, das Projekt zu befürworten – mit allen Einwendungen. Genau wie Dagmar Rothemund (SPD) und Michael Jakob (CSU). 

So segnete das Gremium mit drei Gegenstimmen von Magnus Peresson (UBL), Metzger und Böhm die Änderung des B- und des Flächennutzungsplans ab. Einstimmig beauftragte es die Stadtverwaltung, einen städtebaulichen Vertrag abzuschließen. Neben den angesprochenen Punkten soll er den freien Zugang zum See, eine feste Verbindung zwischen Festspielhaus und Hotel sowie die Sicherung der öffentlichen Parkplätze an der Achmühle garantieren.

Bestätigung für Rietzler

Nach der Sitzung zeigte sich Manfred Rietzler, Eigentümer des Festspielhauses, erfreut über die Entscheidung des Kommunalparlaments. „Ich hätte keinen Spaß daran, ein Projekt zu entwickeln, bei dem eine Mehrheit dagegen steht! Insofern ist die Entscheidung eine Bestätigung für mich auf dem richtigen Weg zu sein, um das Festspielhaus Areal insgesamt in eine nachhaltig sichere Zukunft zu führen“, sagte Rietzler auf Anfrage des Kreisbote. „Wir werden unsererseits in die nächste Phase der Planerstellung gehen, um die nächsten Genehmigungsschritte anzustoßen“, so Rietzler zu der weiteren Vorgehensweise. „Dies wird in enger Abstimmung mit Stadt und Landratsamt erfolgen. Insbesondere werden die Aspekte des Naturschutzes nochmals beleuchtet, um in der Planung berücksichtigt zu werden.“

Katharina Knoll

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