Uneinigkeit über den Standort

Diskussion um Bootsrampe am Füssener Weißensee

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Nach Ansicht von Füssener Feuerwehr und Polizei ist der Badebereich am Weißensee nicht geeignet, um dort eine Bootsrampe zu bauen.

Füssen – Zwar sind sich alle Beteiligten eigentlich einig, dass am Weißensee eine Slipstelle für Rettungsboote gebaut werden muss. Weil aber viele Fragen noch ungeklärt sind, hat der Stadtrat eine Entscheidung kürzlich vertagt. 

Zunächst sollen weitere Gespräche, unter anderem mit der Wasserwacht Weißensee, geführt werden. Kommt es am Weißensee zu einem Badeunfall, zählt jede Minute. Ist die Rettungskette bei einem solchen „Wasserrettungseinsatz“ erst einmal in Gang gesetzt, wird immer auch die Feuerwehr Füssen mit ihrem Mehrzweckboot durch die Integrierte Leitstelle in Kempten alarmiert.

„Einsatzverpflichtet ist hier die Feuerwehr Füssen als Feuerwehr der Stadt“, erklärte Feuerwehr-Kommandant Thomas Roth im Stadtrat die Zuständigkeiten. Diese Verpflichtung könne auch nicht auf andere Organisationen wie die Wasserwacht übertragen werden. Vor allem im vergangenen Jahr sei die Feuerwehr daher zu zahlreichen Einsätzen auf dem Stadtteil-Gewässer gerufen worden. 

Doch bei den Einsätzen am Weißensee stoßen die Feuerwehrleute und andere Einsatzkräfte wie die Polizei immer wieder auf Schwierigkeiten. Denn bislang müssen sie über den Besucher-Parkplatz an der Liegewiese anfahren, um dort das Mehrzweckboot zu Wasser zu lassen. Zum einen sei dieser Parkplatz aber oftmals hoffnungslos zugeparkt, zum anderen würden die Badegäste oft erst nach längeren Diskussionen Platz machen. Selbst wenn der Rettungshubschrauber auf der Wiese landen wolle, würden das einige Badegäste nicht einsehen wollen. „Das hat bisher immer Probleme gegeben“, so Kommandant Roth. Die Feuerwehr habe aber eine gesetzlich vorgegebene Zehn-Minuten-Hilfsfrist, die eingehalten werden müsse, betonte er. Deshalb schlug er den Stadträten den Bau einer Bootsrampe am Nordufer des Sees südlich der Königsfischer vor. 

Polizei will Rampe

Dabei weiß Roth Füssens Polizeichef Edmund Martin hinter sich. Auch er fordert den Bau einer Slipstelle abseits des Badebereichs. „Momentan besteht an keiner Stelle des Weißensees die Möglichkeit, mit Fahrzeugen das Ufer zu erreichen“, beschreibt Martin die Situation aus Sicht der Polizei. Diese sei aber erforderlich, um die Einsatzboote der verschiedenen Organisationen – auch seiner Wasserschutzpolizei – ins Wasser lassen zu können. „Eine vom Badebereich abgesetzte Slip-Stelle, die gleichzeitig auch als Arbeits- und Notfallplatz genutzt werden kann, ist unabdingbar“, so der Polizeioberrat. „Der momentane bestehende Zustand ist für alle Helfer und Einsatzkräfte äußerst unbefriedigend und die Einsatzzeit verlängert sich dadurch maßgeblich.“ 

Keine Entscheidung

Trotz der eindeutigen Stellungnahmen tat sich das Gremium schwer, dem Bau der Bootsrampe am vorgesehenen Standort zuzustimmen. Denn zum einen liegt der in einem mit Schilf bewachsenen Fauna Flora Habitat, was Ausgleichsfläche erfordert, zum anderen belaufen sich die prognostizierten Baukosten auf rund 45.000 Euro. 

Außerdem stelle sich die Frage, warum die Feuerwehr aus Füssen als erste Einsatztruppe am Weißensee sein müsse, wenn es dort doch eine Wasserwacht gebe. „Mich wundert, dass die Feuerwehr jetzt zur Seenotrettung eingesetzt wird“, sagte Bernhard Eggensberger (Füssen-Land). Sein Fraktions-Kollege Christian Schneider ergänzte: „Auf den See gehört die Wasserwacht!“ 

Doch die zuständige Weißenseer Ortsgruppe wurde im vergangenen Jahr bei Vorfällen auf dem Weißensee offenbar gar nicht alarmiert, wie Dr. Metzger berichtete, was Christian Schneider absurd fand: „Es ist doch Humbug, dass die unten am See sitzen und gar nicht mitbekommen, was da los ist“, sagte er. „Nur die Wasserwacht hat die Chance, noch etwas zu retten.“ Tatsächlich war die Wasserwacht Weißensee im vergangenen Jahr im Alarmierungsfall nicht Teil der sogenannten Schnellen Eingreifgruppe (SEG).

Grund war offenbar, dass bestimmte Ausbildungsnachweise von den Weißenseern nicht vorgelegt werden konnten. Dieses Problem sei aber mittlerweile behoben, wie der örtliche Wasserwacht-Vorsitzende Andreas Höss gegenüber dem Kreisbote erklärte. „Wir haben alle Ausbildungen aufgefrischt.“ Was den vorgesehenen Standort der Slipanlage anbelangt, ist die Wasserwacht allerdings nicht einer Meinung mit Feuerwehr und Polizei. Laut Höss sei es durchaus machbar, diese beim Badebereich zu errichten und die Boote dort ins Wasser zu lassen. „Die Leute machen Platz“, sagte er.

Auch der Ostallgäuer Kreisvorsitzende der Wasserwacht, Dr. Andreas Haust, betrachtet den Badebereich als dafür durchaus geeignet, sofern der Untergrund etwas befestigt werde. Das verursache weniger Aufwand als ein Neubau im Schilfgebiet, erläuterte er auf Anfrage unserer Zeitung. 

Da die Lage in der Sitzung für eine Entscheidung insgesamt noch zu unklar war, verständigte sich das Gremium schließlich darauf, dass die Stadtverwaltung zunächst noch einmal Gespräche mit den betroffenen Organisationen führt. Erst danach soll eine Entscheidung getroffen werden.

mm

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