"Wir müssen dringend etwas machen!"

Stadt Füssen plant jährliches Budget von 75.000 Euro für ihre Spielplätze

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Passend zum Thema Wikinger bzw. Fischerdorf könnte ein Schiff künftig die Pfahlbauten am Spielplatz in Weißensee ergänzen.

Füssen – Die Stadt Füssen möchte ihre Spielplätze für Kinder und Jugendliche interessanter gestalten. Deshalb hat die Stadtverwaltung ein vorläufiges Spielplatzkonzept erstellt, das bei den Mitgliedern des Haupt-, Finanz-, Sozial- und Kulturausschuss (HFSK) gut ankam.

Am Dienstag segneten sie es einstimmig ab. Für die Neugestaltung wird die Stadt jährlich ein festes Budget im Haushalt reservieren. Zudem möchte sie die Bevölkerung bei der Auswahl der Spielgeräte beteiligen. Wenn Füssener Eltern ihre Kinder fragen, auf welchen Spielplatz sie gerne möchten, dann lautet häufig die Antwort: auf den Ritter-, Märchen oder Planetenspielplatz – in Pfronten. 

Diese Erfahrung hat nicht nur Andreas Linder von der Füssener Stadtverwaltung gemacht, sondern auch CSU-Stadträtin Nicole Eikmeier. Denn Pfronten hat im Gegensatz zu Füssen zwölf Themenspielplätze. Hier können kleine Entdecker in einem Burgturm herumkraxeln, Kinderspiele von vor 800 Jahren ausprobieren oder in einer Frau-Holle-Schaukel durch die Lüfte schwingen. Und im Sommer gibts dann sogar noch Märchenlesungen. 

Dagegen seien die Spielplätze in der Lechstadt nur eine „Aneinanderreihung von Spielgeräten“, stellte CSU-Stadträtin Barbara Henle fest. „An keinem Standort haben wir ein durchgängiges Konzept“, bestätigte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). Doch das möchte die Stadt Füssen jetzt ändern. „Wir möchten eine familienfreundliche Stadt repräsentieren und dazu gehören auch spannende und attraktive Spielplätze für unsere Kleinen“, sagte der Rathauschef.

Deshalb will die Stadt ihre Spielplätze nach einem Prioritätenkatalog modernisieren und dabei kindgerechte Themen wie Wikinger oder Schifffahrt aufgreifen. Da sie pro Areal nur die Spielgeräte eines Herstellers verwenden möchte, soll ein einheitliches Erscheinungsbild entstehen, erklärte Linder, der die Vorschläge der Stadtverwaltung den Räten vorstellte. Durch die bisherige Außenwirkung lasse die Motivation der Kinder schnell nach. „Nach ein paar Minuten wird ihnen langweilig“, so Eichstetter. 

Damit die sanierten Spielplätze anschließend auch ansehnlich bleiben, soll der Bauhof künftig alle zwei Wochen mähen und den Sand reinigen. Schließlich hat er sie bisher nur dann gepflegt, „wenn nichts Wichtiges anstand“, sagte Linder. Geländemodellierungen, wie zum Beispiel Hügel, unter denen sich Kinder verstecken können, sollen für eine zusätzliche Spielinitiative sorgen. Auch Tische und Bänke, an denen sie essen können, sollten in den Planungen berücksichtigt werden. 

Darin sind zudem barrierefreie Spielgeräte und entsprechende Zugangsmöglichkeiten für Kinderwägen und Rollstuhlfahrer vorgesehen. Was sich die Füssener aber selbst für ihre Spielplätze wünschen, das will die Stadt durch eine Bürgerwerkstatt bzw. einem Arbeitskreis (AK) erfahren. 

Hohe Kosten

Damit die Stadt regelmäßig in ihre Spielplätze investieren kann, soll künftig ein festes Budget von 75.000 Euro im Haushalt bereitgestellt werden, das bei Bedarf auch aufs kommende Jahr geschoben werden kann. Denn ein entsprechender Spielplatz im Freybergpark würde die Stadt 140.000 Euro kosten. Darauf müsste sie dann zwei Jahre sparen, erklärte Eichstetter. 

Konkrete Ideen hat sie dagegen schon für den Spielplatz am Bootshafen. Hier könnte beispielsweise eine Rutsche in Form eines Leuchtturms und eine barrierefreie Kompass-Federwippe das vorhandene Spielschiff ergänzen. Das Boot, das die Stadtverwaltung bereits für den Spielplatz in Weißensee bestellt hat, könnte ebenfalls am Forggensee aufgestellt und mit Sand gefüllt werden. Auf diese Weise würde die Stadt mit allen vorhandenen Spielgeräten umgehen, die nicht ins jeweilige Konzept passen: „Wir schauen, dass wir die Spielgeräte, die noch gut sind, an anderen Spielplätzen einsetzen“, meinte Eichstetter. 

Allein für die beiden Neuanschaffungen müsste die Stadt jedoch rund 55.000 Euro ausgeben. Rund 78.000 Euro würden gar für die Aufwertung des Spielplatz am Weißensee anfallen. Hier könnte sich die Stadtverwaltung, passend zum Motto Fischerdorf/Wikinger und als Ergänzung zu den bestehenden Pfahlbauten, ein Schiff, ein Niederseilparcours, eine Kleinkinderschaukel und einen Wackelaal vorstellen.

Kinder befragen

„Das ist viel Geld“, räumte der Rathauschef ein. Aber: „Man sieht auf den Fotos wie trostlos die sind. Wir müssen dringend etwas machen.“ Das sah auch Ilona Deckwerth (SPD) so, die sich über die Initiative der Stadtverwaltung sehr freute. Bei den Planungen des AK Spielplatz vor einigen Jahren, habe sich gezeigt, dass das angedachte Budget von 30.000 Euro bei weitem nicht ausreicht. „75.000 Euro ist realistisch.“ Für die Gestaltung der Spielplätze sollte die Stadt aber auch die künftigen Nutzer mit ins Boot holen, beispielsweise durch einen Wettbewerb an Kindergärten und Schulen. „Damals war das hochinteressant“, verwies sie auf ein ähnliches Vorgehen vor einigen Jahren. 

Und auch an die älteren Generationen sollte gedacht werden. „Senioren gehen gerne mit ihren Enkeln auf den Spielplatz.“ Henle ergänzte: „Viele (Eltern – Anmerk. d. Red.) würden gerne mit ihren Kindern schaukeln.“ Sie appellierte neben den Themen Bewegung und Kommunikation, was Deckwerth angeregt hatte, auch die übrigen Sinne bei den Spielgeräten zu berücksichtigen. Christine Fröhlich (FWF) riet zudem, sich an den Spielplatzspezialisten Günter Belzig zu wenden. „Ich würde dringend dazu raten, gerade wenn wir sie umfassend verändern wollen.“

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