1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Füssen

Fit für die Zukunft - Ostallgäuer Kläranlagen-Mitarbeiter tauschen sich aus

Erstellt:

Kommentare

Kläranlage Füssen
Rudolf Fichtl, Betriebsleiter Kläranlage Füssen (v.l.), tauscht sich mit seinen Kollegen von den Kläranlagen Marktoberdorf, Nestlé Biessenhofen, Biessenhofen, Bidingen, Lengenwang, Stötten und dem Abwasserverband Lechbruck-Bernbeuren aus. Vor Ort sind Joachim Fischer, Giuseppe Galatioto, Giuseppe Savatteri, Max Mal, Martin Keltz, Peter Snehotta, Michael Neffe, Josef Brugger, Markus Grotz, Alfred Beranek, Christian Stets, Karlheinz Musikant, Lehrer bei der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, Johann Theil und Peter Schweiger. © Stadt Füssen

Füssen – Vor welchen Herausforderungen stehen die Betreiber von Kläranlagen im Zusammenhang mit dem Klimawandel? 

Über Fragen wie diese haben sich jetzt 13 Mitarbeiter von Kläranlagen aus dem südlichen Ostallgäu unter Leitung von Karlheinz Musikant, Lehrer bei der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, beim Abwasserzweckverband Füssen ausgetauscht.

Die Folgen des Klimawandels treffen auch das Personal der Kläranlagen. Karlheinz Musikant zeigte beim Treffen der Kläranlagen-Nachbarschaft Ostallgäu-Süd beim Abwasserzweckverband Füssen den 13 Teilnehmern auf, wie sich die Kläranlagenbetreiber auf die Folgen von Starkregen und Trockenperioden vorbereiten können.

„Wir können darauf reagieren, indem wir die Schwammstadt ausbauen“, sagte Musikant. Wichtig sei, dass möglichst viele und großflächige Sickerflächen bereitstehen, etwa indem Flächenversiegelung vermieden wird oder Becken und Mulden auf einer Wiese in der Senke geschaffen werden. „Im Normalfall kann die Fläche beispielsweise als Fußballplatz genutzt werden“, sagte Musikant. Bei Starkregen diene sie dagegen als Regenbecken. Auch eine Dachbegrünung birgt laut Musikant viel Potential als Wasserspeicher.

Pyrolyse oder trocknen

Ein weiteres Thema, das in Zukunft an Bedeutung zunehmen wird, ist die Entsorgung des Klärschlamms, der bei der Aufbereitung des Abwassers anfällt. Vor 20 Jahren noch sei der Schlamm zu je einem Drittel in der Landwirtschaft verwertet, zur Rekultivierung verwendet und verbrannt worden. Heutzutage werden nur noch je etwa neun Prozent in der Landwirtschaft und durch Rekultivierung verwendet. Der Rest muss anderweitig entsorgt werden – und das kann teuer werden, etwa, wenn er verbrannt wird. Musikant riet den Teilnehmern, eine kommunale Zusammenarbeit zu prüfen und gemeinsam eine Trocknungsanlage anzuschaffen, die Geld einspare.

Dies lohne sich allerdings erst ab einer Einwohnerzahl von insgesamt 100 bis 150.000. Eine weitere Möglichkeit, den Schlamm zu entsorgen, sei die Pyrolyse, die Niedrigtemperatur-Verkohlung, die im Vergleich zur Verbrennung Energie einspare. Allerdings sei dies im Moment noch Zukunftsmusik, da die entstehende Kohle als Dünger in der Landwirtschaft derzeit noch nicht zugelassen sei. Die Kohle könnte in Zukunft aber auch anderweitig verwendet werden, sagte Musikant – als Filtermaterial, um Medikamentenrückstände und Mikroplastik vom Abwasser zu trennen. Und Musikant ist sich sicher: „Die vierte Reinigungsstufe wird kommen.“

Probleme diskutieren

Das Treffen der Fachleute fand im Rahmen der Kläranlagen-Nachbarschaften statt. 92 solcher Kläranlagen-Nachbarschaften gibt es bayernweit. Die Nachbarschaft „Ostallgäu/Süd“ hat 16 Mitglieder. Ihr Personal trifft sich zwei bis drei Mal im Jahr, um Betriebsprobleme zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und sich über neue technische und rechtliche Entwicklungen zu informieren. Unter anderem das Umweltministerium empfiehlt den Betreibern bayerischer Abwasseranlagen die Teilnahme an solchen Nachbarschaften wegen der zahlreichen Vorteile, die dadurch für den Gewässerschutz und für einen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb entstehen.

Auch interessant

Kommentare