Ein Geschenk des Königs

Der Vorsitzende des Fördervereins, Dietmar Hollmann (links), stellt den Gästen das neue Exponat, den König-Ludwig-Becher, im Flößermuseum Lechbruck vor. Foto: Sommer

Lechbruck – Das Flößermuseum Lechbruck hat seit vergangenen Samstag ein neues Exponat: Eine Kopie des König-Ludwig II. Trinkbechers. Diese ist allerdings eine ganz besondere. Denn Ludwig selbst ließ sie aus Silber anfertigen, um sich bei einem Lechbrucker zu bedanken.

„Ich bin froh, das wir seinerzeit kein Heimathaus eingerichtet haben sondern das Flößermuseum“, befand Dietmar Hollmann. So passe das jüngste Exponat wunderbar in die Sammlung, so der Vorsitzende des Fördervereins. Lechbruck kann auf eine über 1000-jährige Flößertradition zurückblicken und damit hat das Geschenk, das seine Majestät vor rund 140 Jahren einem Lechbrucker Flößermeister gemacht hat, schließlich auch zu tun. Denn manche Flößer besaßen den Rohstoff Holz auch in Form von Wäldern, wo der König natürlich das Jagdrecht hatte, erklärte Hollmann. 

Ludwig belohnt den ehrlichen Finder 

In einem dieser Wälder des Lechbrucker Flößermeisters Norbert Fichtl hatte König Ludwig II. im Januar 1878 zu einer Jagdgesellschaft geladen. Und verlor dabei seinen goldenen Trinkpokal. Aus dem er vielleicht „Zielwasser“ oder Glühwein getrunken haben könnte, spekulierte Hollmann, schließlich war es Winter. Jedenfalls fand der Flößermeister den Becher und übergab ihn an das Bezirksamt und damit an seine Majestät. 

Was darauf folgte, damit dürfte der ehrliche Mann wohl nicht gerechnet haben. Denn kurz darauf bekam er einen Brief von Ludwig, geschrieben von einem Ministerialrat von Ziegler, der darin schrieb: „Euer Wohlgeboren – ersuche ich im Allerhöchsten Auftrage, den gefundenen Becher durch das 6. Bezirksamt hierher gelangen zu lassen. Seine Majestät der König lassen Ihnen und Herrn Eberle für Ihre Bemühungen huldvollst danken und Ihnen zum Zeichen wohl-wollender Gesinnung Andenken zustellen lassen. Mit vollster Hochachtung Ministerialrath von Ziegler“. Einige Tage später musste Fichtl den silbernen Pokal bekommen haben, auf dem eingraviert wurde: Andenken von Sr. Majestät König Ludwig II. 

Norbert Fichtls Urenkel Hans Christoph ließ den Becher später vergolden. Seine Witwe Christine stiftete ihn jetzt dem Flößermuseum. „Dem Internet sei Dank“, so Hollmann. Dort war die Stifterin auf das Museum aufmerksam geworden. Sie habe, so Hollmann, bei der Vorstellung am Tag des Museums hier die Chance gesehen, den Becher entsprechend zu präsentieren. 

Ein Zeichen für Bürgernähe 

Bemerkenswert sei das Geschenk durchaus, zeige es doch, dass Ludwig II bürgernah gewesen sei. Er habe, so der Lechbrucker Altbürgermeister, die Sache nicht einfach abgehakt, sondern sich dankbar gezeigt. Einem schönen Zufall ist es zu verdanken, dass neben dem Becher auch der Brief mit königlichem Siegel erhalten blieb. Er ist in einer Reproduktion zu sehen und wer will, kann sich in der altdeutschen Schrift versuchen. 

Becher wird dauerhaft ausgestellt 

Der Ludwig Becher gehört ab sofort zur Dauerausstellung des Museums, das vor allem Exponate zeigt, die mit der Flößerei und dem Flößerdorf zu tun haben. Das Flößermuseum ist im 1645 errichteten Krummschneider-Dodl-Haus untergebracht, das Freiwillige in mühevoller Arbeit saniert und renoviert haben. Interessierte können das Flößermuseum donnerstags von 17.30 bis 19 Uhr und am Sonntag von 16 bis 18 Uhr besichtigen. gau

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