Zunehmende Verlandung des Forggensees besorgt die Bürgermeister der Anlieger-Gemeinden

Wenn aus Zentimetern Meter werden

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Die im Winter trockengefallenen Bereiche, links vorm Bootshafen Füssen, rechts die Bucht vor Horn und weiter hinten die Brunnener Bucht, verlanden langsam aber sicher durch die Schwebfracht des Lechs. Dieses schluffig-sandige Material ist nicht so begehrt wie der Kies, der in der Bildmitte abgebaut wird.

Landkreis – „Der Forggensee ist einer der schönsten Landstriche Bayerns. Deshalb brauchen wir eine nachhaltige Strategie für die Landschaftsplanung“, ist Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke überzeugt. Überzeugen konnte hingegen das diesjährige Seegespräch im Ostallgäuer Landratsamt nicht.

Alle zwei Jahre treffen sich dort Anrainer und Interessensvertreter, um über die Entwicklung an einem der größten Stauseen Deutschlands zu diskutieren. In diesem Jahr mit eher mäßigen Ergebnissen. Wenn sich die Teilnehmer der Runde in zwei Jahren wiedertreffen, sollten sie nicht allzu viel Zeit dafür einplanen. „Wir werden nur noch Themen diskutieren“, versprach Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU), „wo sich etwas getan hat.“ 

Eines der wichtigsten Themen war einmal mehr die fortschreitende Verlandung des Sees. Diese schreitet offenbar rascher voran, als manchem lieb sein dürfte. „Das Ufer zwischen Horn und Waltenhofen wird schon in den nächsten Jahren zu einem Sumpfgebiet“, fürchtete Schwangaus Bürgermeister. Auch im Füssener Bootshafen mache sich die Sedimentation der Schwebfracht des Lechs immer stärker bemerkbar. 

Man fahre mit den Schiffen in Kreisen, so Dirk Schranz, Kapitäne der Flotte, um das Sediment aufzuwirbeln und die Fahrrinne freizuhalten. Ohnedies musste eigens eine Rinne als Weg für die Boote der Wasserwacht am Standort Füssen hergestellt werden. 

Bereits vor zwei Jahren war dieses Problem thematisiert worden. Seinerzeit hatte auch die Leiterin des Bauamtes, Gudrun Hummel, noch die Notwendigkeit erkannt, den See auszubaggern bzw. der Verlandung entgegenzuwirken. So, wie es im Forggenseebescheid aus den 1950iger Jahren festgeschrieben ist. 

Streit um Begriffe

Dort heißt es, dass die Unternehmerin, seinerzeit die BAWAG, in der Rechtsnachfolge EON bzw. heute Uniper, Auflandungen, die sich im Lech und seinen Nebengewässern als Folge des Baus und Betriebes der Staustufe Roßhaupten ergeben, zu beseitigen habe. 

Damals schon wiesen die Verantwortlichen von EON/Uniper dieses Ansinnen weit von sich. So gibt es nicht nur Streit über den Begriff Anlandung oder Verlandung – was nach Aussage des Leiters des Kemptener Wasserwirtschaftsamtes (WWA), Karl Schindele, ohnehin ein und dasselbe ist. Auch hat das Landratsamt festgestellt, dass die Unterhaltungspflicht für Verlandungen weder beim Freistaat als Grundstücksbesitzer, noch beim Wasserwirtschaftsamt oder dem Betreiber und Nutznießer der Staustufe liegen könne. Eine Fördermöglichkeiten durch die Regierung von Schwaben gebe es ebenfalls nicht. 

Aussagen, die Stefan Rinke umtreiben. Sieht er sich doch wie Riedens Bürgermeister Max Streif alleingelassen von der Politik. Denn entgegen den Aussagen Schindeles, es dauere noch mehrere 100 Jahre bis zur kompletten Verlandung, fürchten die Bürgermeister, dass die nun zu sehenden Folgen nur der Anfang einer raschen Entwicklung sein könnten. Man habe, so der Vorsitzende des Kreisfischereivereins Füssen, Matthias Heinz, schon beim Bau des Sees vor 65 Jahren geahnt, dass das Gewässer in den nächsten 50 bis 60 Jahren verlanden werde. „Deshalb hat man damals auch Baggerschiffe eingesetzt“, erinnert er sich. 

Bürgermeister sorgen sich 

Heinz gab während des Gesprächs den Behördenvertretern immer wieder Kontra, machte sie auf Fehler aufmerksam und gab Tipps, wie etwa die Sedimentationsraten unter Berücksichtigung der Eintrocknung im Winter richtig bestimmt werden könnte. Denn laut den Vertretern des WWA konnte nur im Bereich bei Brunnen eine nennenswerte Sedimentation von zehn Zentimetern nachgewiesen werden.

 „Aber zehn Zentimeter machen in zehn Jahren auch einen Meter aus“, so Rinke. Gerade in der Brunnener Bucht würde dieser Meter aber darüber entscheiden, ob die Segler aus dem Hafen ausfahren können oder nicht. Auch die Zufahrt zum Illasbergsee oder im Füssener Bootshafen wären unter diesen Umständen bald dicht. 

Für Max Streif ist es ohnehin ein Unding, sich immer wieder auf den Bescheid aus den Anfangsjahren zu beziehen. „Wir waren damals alle keine Seeanlieger“, polterte Streif. Er machte darauf aufmerksam, dass man seinerzeit bestimmte Folgen des Aufstaus nicht habe absehen können.

Oliver Sommer

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