Freistaat hebt Abstandspflicht auf

"Corona" sorgt für hohe Einbußen bei der Forggenseeschifffahrt

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Weniger als die Hälfte der gewöhnlichen Passagieranzahl durfte aufgrund der Corona-Krise bisher an Bord der MS Füssen und MS Allgäu gehen. Das wirkt sich deutlich auf den Umsatz aus.

Füssen – „Wir haben knapp über 50 Prozent Umsatzeinbußen im Vergleich zu 2019“, berichtete Helmut Schauer, Werkleiter der städtischen Forggensee-Schifffahrt, am Dienstagabend den Mitgliedern des Werkausschusses.

Die MS Füssen und die MS Allgäu konnten zwar pünktlich zum Saisonstart in See stechen, doch aufgrund der Corona-Krise und den damit verbundenen Hygiene-Regeln durften beide Schiffe nicht einmal die Hälfte ihrer maximalen Passagieranzahl an Bord nehmen – bis jetzt. Denn ab sofort fällt der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Passagierplätzen bei den Seenschifffahrten im Ausflugsverkehr weg. Das hat die Bayerische Staatsregierung am Dienstagmittag bekannt gegeben. 

„Theoretisch könnten wir die Schiffe vollpacken“, erläuterte Schauer nur wenige Stunden später die Räte. Doch das müsse sich die Schifffahrt gut überlegen. In den kommenden Wochen gelte es mit Bedacht und klugem Verstand vorzugehen. Denn: „Wir wollen nicht, dass die Forggensee-Schifffahrt ein ,Hot Spreader‘ wird und ein zweites Gütersloh entsteht“, sagte der Werkleiter. 

Wie es derzeit finanziell bei dem städtischen Eigenbetrieb ausschaut, davon konnten sich die Räte anschließend ein Bild machen. Der Zwischenbericht des Wirtschaftsjahres 2020 umfasste allerdings nur die Monate Januar bis Mai. Da die Schifffahrt-Saison erst im Juni losgeht, seien die Zahlen noch nicht so aussagekräftig, erklärte Schauer. 

Bis zu diesem Zeitpunkt verzeichnete der städtische Eigenbetrieb einen Jahresfehlbetrag von rund 95.800 Euro, etwa 4600 Euro weniger als im Rekordjahr 2019. 2020 schien also vielversprechend zu starten, doch dann kam die Corona-Krise. „Wir haben uns gut überlegt, ob wir öffnen sollen oder nicht“, so Schauer. Doch in Absprache mit Füssen Tourismus und Marketing (FTM) habe sich der städtische Eigenbetrieb schließlich dafür entschieden. „Wir wollen den Gästen, die peu a peu nach Füssen kommen, etwas bieten.“ 

Aufgrund der Hygiene-Regeln durfte die MS Füssen bisher aber nur 128 Gäste statt sonst 420 auf eine Rundfahrt mitnehmen. Bei der MS Allgäu sind es 75 statt regulär 200 Passagiere. Und das bedeutet erhebliche Umsatzeinbußen. 

Tägliche Überwachung 

So legte Schauer den Räten eine Tabelle mit vielen roten, aber auch einigen grünen Zahlen vor. Wenn die begrenzten Sitzplätze beider Schiffe voll belegt sind, sei man im grünen Bereich. „Alles darunter ist ein Minus“, beantwortete Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) Ilona Deckwerths (SPD) Frage. 

Wie stark die Nachfrage ist, hängt aber auch vom Wetter ab, fügte Schauer hinzu. Schließlich wollen die wenigsten bei strömenden Regen über den Forggensee schippern. Die Forggensee-Schifffahrt habe derzeit „knapp über 50 Prozent Umsatzeinbußen im Vergleich zu 2019“, informierte der Werkleiter. Das sei aber halb so schlimm, schließlich war 2019 ein Rekordjahr in der zuletzt wechselvollen Geschichte des städtischen Eigenbetriebs. 

Und dieser will auch in den kommenden Wochen in See stechen. Aber: „Auf Grund unserer täglichen Überwachung der Ertragslage und Auslastung, wird ständig geprüft, in wie weit der normale Schifffahrtsbetrieb kostendeckend ist“, heißt es in den Sitzungsunterlagen. So hat der Betrieb bereits die 10 Uhr-Fahrt eingestellt, da hier überwiegend Bustouristen an Bord gehen, die derzeit ausbleiben, so Eichstetter. Wenn die Schiffe nur halb voll seien, sei das irgendwann nicht mehr wirtschaftlich. 

Dabei warnte Jürgen Doser (FWF) jedoch, nur den wirtschaftlichen Aspekt im Blick zu haben. Schließlich hänge an der Schifffahrt auch der Tourismus. Landkreisweit würden Hotels mit einer Rundfahrt auf Deutschlands größten Stausee werben. „Das ist ein wichtiges Instrument für unseren Tourismus.“ Das hätte auch eine Studie gezeigt, gab Schauer ihm recht. Die Saison ging ja erst vor etwas mehr als einen Monat los. „Ich denke, die nächsten Wochen werden zeigen, wo die Reise hingeht.“ 

Als 2018 der Staudamm bei Roßhaupten saniert wurde, konnte die Schifffahrt ihre Saison in Absprache mit dem Landkreis Ostallgäu und dem Kraftwerksbetreiber Uniper um zwei Wochen verlängern. „Vielleicht ist das auch 2020 möglich. Aber die Zahlen müssen stimmen“, so der Werkleiter.

kk

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