Wald wird erschlossen

Forstbetrieb Sonthofen baut neuen Forstweg nahe Wertach

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Der Raupenbagger erstellt das Rohplanum.

Wertach – Ein neuer Forstweg wird derzeit bei den Bayerischen Staatsforsten im Nördlichen Großen Wald in der Nähe von Wertach gebaut – eine im Staatswald nicht mehr alltägliche Maßnahme, wie der Forstbetrieb Sonthofen jetzt bekannt gibt.

„Eigentlich sind die Wälder in unserem Zuständigkeitsbereich ausreichend mit Forstwegen erschlossen und lassen sich somit gut pflegen“, erklärte Sonthofens Staatsforsten-Chef Jann Oetting. „Aber gerade in den Gebirgsrevieren gibt es immer noch Ecken, die schlecht zugänglich sind und bisher kaum gepflegt werden konnten. Dort werden im bemessenem Umfang noch neue Forstwege gebaut.“ Im Nördlichen Großen Wald gebe es Flächen, die fast ausschließlich mit mittelalten Fichten bestockt sind. Da dort keine Wege vorhanden sind und das Gelände auch nicht mit Seiltrassen erschließbar sei, konnte das Forstamt nach eigenen Angaben keine Waldpflegemaßnahmen vornehmen, die dringend notwendig seien. Deshalb sei vor zwei Jahren die Idee geboren, dieses Waldgebiet mit einem Forstweg zu erschließen. „So ein Wegeprojekt will wohl überlegt sein“, erklärte der zuständige Revierförster Rainer Ruf. 

„Uns ist bewusst, dass ein Eingriff in die Natur erfolgt und Störungen durch spätere Wegenutzungen hervorgerufen werden.“ Deshalb werde bei jedem geplanten Wegebau analysiert, welche Vorteile bei der Waldbewirtschaftung möglichen Nachteilen gegenüberstehen. Überwiegen die Vorteile, verfolgt der Forstbetrieb Sonthofen nach eigenen Angaben ein Wegebauprojekt weiter. Der nächste entscheidende Schritt sei die naturschutzfachliche Bewertung der Wegebaumaßnahme durch die Untere Naturschutzbehörde. 

Im konkreten Fall prüfte sie, ob negative Auswirkungen für vorkommende Tierarten zu erwarten wären und ob auf der geplanten Wegetrasse seltene Pflanzen, insbesondere ein seltener Farn, vorkommen. Die Forstbehörde erstellte eine forstfachliche Bewertung und das Wasserwirtschaftsamt eine Begutachtung durch einen Sachverständigen. Da keine Seite negative Auswirkungen durch den Wegebau sah, genehmigten die Behörden das Projekt. 

Seit einigen Tagen wird nun aus dem Plan Realität: Auf der Linie, die Förster Ruf vorgab, holzen nun Waldarbeiter den Wegeverlauf aus. Die Trasse ist laut Forstbetrieb geländeangepasst und die Schneise nur so breit, wie für den Weg und die spätere Waldpflege unbedingt notwendig sind. 

Dann stellt der Bagger das sogenannte Rohplanum her. Er muss die Wurzelstöcke entfernen und das Erdreich für den späteren Weg einebnen. Der Schotter kommt direkt aus dem im Revier vorhandenen Steinbruch und der Bagger baut ihn als tragende Schicht ein. Als letzter Schritt trägt er etwas feineren Schotter auf und baut ihn so ein, dass Oberflächenwasser seitlich ablaufen kann und der Weg beim Allgäuer Regen keinen Schaden nimmt. 

Fichtenforst in Mischwald umbauen 

In ein paar Wochen soll der Weg fertiggestellt sein, so dass er sich über den Winter setzen und verfestigen kann. In den kommenden Jahren will der Forstbetrieb dann die längst fälligen Waldpflegemaßnahmen und der Umbau des Fichtenforstes zu einem stabileren Mischwald in Angriff nehmen. 

„Wenn das Waldgebiet jetzt erschlossen ist, können wir dort auch pflegen, was bisher nicht möglich war. Zum Beispiel den einzelnen Tannen Licht geben”, freut sich Förster Rainer Ruf. „Das ist wichtig, damit diese Mischbaumarten überleben können und wir einen stabileren Wald bekommen.“ Und sein Chef Jann Oetting ergänzt: „Durch die Pflege erreichen wir Struktur, das wiederum gefällt zum Beispiel dem Auerhuhn und der Mensch erhält einen nachwachsenden, klimafreundlichen Rohstoff – Waldpflege hat nur Vorteile!“

kb

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