Als der König den Kaiser schlug

Franz Beckenbauers 75. Geburtstag: Ein Füssener erinnert sich an eine folgenschwere Begegnung

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Der Füssener Gerhard König hat einst Franz Beckenbauer in einem Fußball-Schülerspiel eine Watschn verpasst. Der Groll darüber scheint aber längst verflogen zu sein. Seitdem sind sich König und der „Kaiser“ mehrmals begegnet.

Füssen – Hätte er vor 62 Jahren nicht eingegriffen, wäre die Erfolgsgeschichte des FC Bayern vielleicht eine ganz andere geworden. 1958 trafen der Füssener Gerhard König und Franz Beckenbauer auf dem Fußballplatz auf- und aneinander.

Zu Beckenbauers 75. Geburtstag am kommenden Freitag erinnert sich König an diese folgenschwere Begegnung.

Der „Kaiser“, wie Franz Beckenbauer genannt wird, ist noch immer einer der berühmtesten ehemaligen Sportler Deutschlands, auch wenn es in letzter Zeit ein wenig still um ihn geworden ist. Im April 2001 war er sogar einmal in Füssen, als das damalige Musicaltheater Neuschwanstein seinen ersten Geburtstag feierte. Am 11. September wird Beckenbauer nun 75 Jahre alt, wozu ihm sicherlich auch ein Füssener herzlich gratulieren dürfte, der womöglich für Beckenbauers Weltkarriere und damit auch die Geschicke des FC Bayern München mitverantwortlich war. Der „Kaiser“ hat einst maßgeblich seine Füße im Spiel gehabt, den Grundstein für die unzähligen Erfolge der „Bayern“ zu legen, die erst kürzlich die Champions League gewonnen haben.

Aneinander geraten

Die Geschichte des FC Bayern hätte jedoch auch ganz anders verlaufen können, wenn nicht vor vielen Jahren Gerhard König seine rechte Hand im Spiel gehabt hätte. 1958 trafen König und Beckenbauer in Neubiberg während eines Turniers in einem Fußball-Schülerspiel zwischen dem TSV 1860 München und SC 1906 München aufeinander. Als Aushilfsverteidiger hatte König, der damals normalerweise bei den „Löwen“ das Tor hütete, die heikle Aufgabe, den talentierten SC-Mittelstürmer Beckenbauer auf Schritt und Tritt auf dem Spielfeld zu verfolgen. So „behakelte“ König seinen Gegenspieler während der Partie immer wieder derart hartnäckig, dass Beckenbauer sich schließlich bei König beschwerte und dann „ein Wort das andere gab“, wie der 75-Jährige, der in Oberammergau geboren ist, erzählt.

Angst vor wütenden Fans

„Da schaute ich schnell zum Schiri und als ich bemerkte, dass der woanders hinsah, habe ich Franz eine Watschn gegeben.“ Und die hatte Folgen: Denn eigentlich wollten Beckenbauer und vier, fünf seiner Teamkameraden nach diesem Turnier zum TSV 1860 München wechseln. Doch nach diesen Vorfall entschied er sich um und ging am Ende zum FC Bayern. In München machte diese Geschichte in der Fußballszene schon jahrzehntelang die Runde, bevor sich König 2010 zu Beckenbauers 65. Geburtstag erstmals öffentlich dazu äußerte und den Schleier um seine Person endgültig lüftete. Als jahrelanger Betreiber des Gasthauses „Adler“ am Füssener Brotmarkt hatte er sich das bis dahin nicht getraut, weil er Angst davor gehabt hatte, „dass mir wütende Löwenfans das Lokal abfackeln würden.“

Fußball immer noch die Nummer eins

Doch alle Bedenken waren umsonst. Nach seinem Geständnis musste er keine Anfeindungen über sich ergehen lassen, wie er klärte. Seit 1967 lebt Gerhard König mit seiner Frau Ingrid in Füssen, wo er jahrelang beim FC Füssen kickte. Auch heute noch sei Fußball für ihn die Nummer eins im Sport.

„Vielleicht verdankt Franz seine große Karriere ja sogar mir“, meint König nachdenklich. „Bei 1860 wäre er sicher ein guter Fußballer, aber nie so gefördert worden wie bei Bayern“, so der ehemalige Torwart abschließend.

lex

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