Sensibles Areal verursacht Probleme

Füssener Oberseebad: "Wir stehen auf unsicherem Boden"

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Nachdem jahrelang kaum etwas am Freibad am Obersee gemacht wurde, will die Stadt Füssen die Anlage nun auf nachhaltige Beine stellen. Doch ob das Freibad überhaupt erhalten bleiben kann, hängt wesentlich von der Verlegung der Alatseestraße ab. Fällt der Rettungsweg weg, müsste die Stadt unter anderem die Sprunganlagen abbauen und das Areal zur Badestelle machen.

Füssen – Viel Geld wird die Stadt Füssen für die Sanierung der Alatseestraße und des Obersee-Freibades in die Hand nehmen müssen. „Im schlimmsten Fall wird es weit über eine Millionen Euro kosten“, erklärte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) am Dienstag im Haus Hopfensee.

Dort hatte die Stadtverwaltung Vertreter der Interessengemeinschaft (IG) Obersee eingeladen, um sie über den aktuellen Sachstand zu informieren. Dabei steht noch in den Sternen, ob das Freibad am Obersee überhaupt bestehen bleiben darf. Das hängt davon ab, ob die Alatseestraße verlegt und damit der Rettungsweg des Freibads erhalten werden kann. Seitdem Anfang Februar die Böschung an der Alatseestraße zwischen Bad Faulenbach und Alatsee auf Höhe des Gipsbruchweihers gebrochen ist, ist die Straße in diesem Bereich für Fahrzeuge gesperrt. 

Da damit aber auch der Rettungsweg zum Obersee-Bad wegfällt, muss das Freibad heuer geschlossen bleiben (der Kreisboteberichtete). In den vergangenen Wochen hat die Stadt das Gelände weiter untersuchen lassen. „Die einzige Lösung ist, die Straße zu versetzen“, sagte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). Alle drei möglichen Varianten verlaufen ein paar Meter nördlich der ursprünglichen Straße. 

Das Problem dabei: Das Areal befindet sich im Flora-, Fauna-, Habitatgebiet und Alpenbiotop. Egal welche Variante - „wir kommen ins EU-geschützte Gebiet“, informierte der Rathauschef. Deshalb sei jetzt die Frage, wo der Eingriff am geringsten ist, fügte Hauptamtsleiter Peter Hartl hinzu. Das Problem mit einer Bohrpfahlgründung auf der bestehenden Trasse zu lösen, sei dagegen „gar nicht darstellbar“, informierte der Bürgermeister. 

Denn der Untergrund sei nicht tragfähig genug. Außerdem kämen die Transportfahrzeuge nicht zu der betroffenen Stelle. Alle drei denkbare Möglichkeiten hat die Stadt bereits beim Landratsamt Ostallgäu eingereicht. „Die Stadt würde Variante eins bevorzugen, aber das hängt von der Naturschutzbehörde ab, von dem Fauna-Flora-Habitat-Gutachten“, so Eichstetter. 

Die Kreisbehörde werde der Stadtverwaltung mitteilen, welche sie weiterverfolgen darf. Wenn die Obere und Untere Naturschutzbehörden aber zu allen Möglichkeiten ihr Veto einlegen, hat die Stadt ein Problem. Wegen des dann fehlenden Rettungsweges, müsste die Stadt das Freibad aufgeben. „Die einzige Möglichkeit wäre, dass der Obersee zur Badestelle wird“, erklärte der Rathauschef. 

Freibad sanieren und aufwerten

Doch genau das ist nicht im Interesse der IG Obersee, die sich erneut vehement für den Erhalt des Freibades aussprach. „Wir sind uns dessen bewusst“, erwiderte Eichstetter. „Wir haben alle das gleiche Ziel.“ 

Deshalb gehen auch die Planungsarbeiten weiter, um das Freibad künftig auf nachhaltige Beine zu stellen. Diese sehen derzeit vor, den Zugang zum Obersee-Bad künftig über ein Drehkreuz zu regeln, um so Personal einzusparen. Daneben soll das Freibad neue Toiletten bekommen. Auch sein Kanal sowie die Elektrik wird saniert. „Die Küche muss sowieso raus“, erklärte Eichstetter, da sie gar nicht fürs Gewerbe zugelassen sei. Zudem braucht sie einen Fluchtweg. Die Stadt möchte auch eine Wand durchbrechen, um den Kiosk zu vergrößern. Daneben stehen Renovierungsarbeiten an den Treppen an. Zudem müssten die Sprunganlagen überholt werden. 

Um den Kleinkinderbereich abzusichern, sollen Umfriedungen und eine schwimmende Holzdecke unter Wasser installiert werden, die für einen gleichmäßigen Wasserstand sorgt. Zwei Stege sollen außerdem den Schwimmbereich vom Sprungbereich abtrennen. Dadurch werde nicht nur eine Gefahrenstelle aufgehoben, es entstehe auch ein „sauberes Trainingsbecken“ von 50 Meter, erklärte Gutachter Erwin Wiedermann. „Alles drumherum wird zur Badestelle.“ 

In einem zweiten Schritt könnte das Bad langfristig mit aufblasbaren Spielgeräten im Wasser und einem themenbezogenen Spielplatz aufgewertet werden. „Die Thematik gefällt mir super“, meinte Marco Ruban von der IG Obersee. Allerdings befürchtete er, dass das Bad dann mehr Personal für die Badeaufsicht braucht, die es vielleicht nicht bekommt. „Da bringt mir das coolste Wassergerät nichts, wenn ich das Bad nicht aufmachen darf.“ 

Um sich hier rechtlich abzusichern, habe die Stadt einen Gutachter eingeschaltet, erklärte Eichstetter. „Von der Aufsichtspflicht ändert sich nichts“, meinte Gutachter Wiedermann mit Blick auf die Spielgeräte. Die Badeaufsicht müsse am Morgen seine Runde durch das Bad drehen und überprüfen, ob die Geräte verkehrstauglich sind. „Für den Rest des Tages hat es sich damit fast schon erledigt.“ Allgemein gebe es nirgendwo Richtlinien, die vorschreiben, ab welcher Besucheranzahl man wie viele Badeaufsichtspersonen braucht. „Das ist die Schwierigkeit“, so Wiedermann. „Bei Volllast brauchen wir sicherlich einen Bademeister und zwei Gehilfen.“ 

Die Helfer benötigen jedoch keine besondere Ausbildung. „Ich denke, da sind genügend da, die man dafür überreden kann.“ 

Eintrittpreis wird teurer

Der Bademeister müsse jedoch ein Gold- oder Silberabzeichen vorweisen, was beispielsweise die Wasserwacht Weißensee in ihren Reihen hat, erklärte Eichstetter. Da diese aber bereits ausgelastet sei, werde die Stadtverwaltung das Gespräch mit der DLRG suchen. Trotzdem hatte Ruban Bedenken. „So viel kann er (Pächter – Anmerk. d. Red.) gar nicht verkaufen, dass er sich einen Vollzeit-Bademeister über zwei Monate leisten kann.“ 

Dieser Ansicht ist auch die Stadtverwaltung. Deshalb möchte sie einen Biergarten bauen, der auch Besucher anlockt, wenn nicht schönstes Badewetter herrscht. Daneben könnten die Saisonzeiten verlängert werden, warf Wiedermann ein. Zudem werde der Eintrittspreis nicht so günstig bleiben wie jetzt, kündigte Eichstetter an. Für Familien soll er aber bezahlbar bleiben. 

Stadtrat entscheidet über nächste Schritte

Die Sanierung des Bades wird die Stadt nach ersten Schätzungen wohl um die 400.000 Euro kosten. Mit einem themenbezogenen Spielplatz würden weitere 80.000 bis 100.000 Euro hinzukommen. Und für die Verlegung der Alatseestraße rechnet sie mit 400.000 bis 800.000 Euro. „Wir werden hier gesamt weit über eine Million Euro kommen mit dem Wissen, dass es jeder Zeit wieder passieren kann (Bodenabsenkungen – Anmerk. d. Red.). Das muss uns bewusst sein“, sagte Eichstetter. 

Am kommenden Dienstag, 30. Juni, wird die Stadtverwaltung den derzeitigen Planungsstand dem Stadtrat vorstellen. „Wir hoffen, dass der Stadtrat uns die Freigabe erteilt für die nächsten Schritte“, so der Rathauschef. Dann soll die Stadtverwaltung auch prüfen, ob als Alternative der Weg an der Südseite des Mittersees zum Rettungsweg ausgebaut werden könnte, wie Tina Allgaier von der IG Bad Faulenbach vorgeschlagen hatte. Geben die Naturschutzbehörden grünes Licht, könnten die Arbeiten nach Baubeginn innerhalb von zehn bis elf Wochen über die Bühne gehen. „Wir werden das kontinuierlich vorantreiben, so wie man das mit seinem Eigentum macht. Auch wenn das was kostet“, meinte Eichstetter abschließend.

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