Freie Wähler unzufrieden

Neuer Wohnraum entsteht in Füssen – wie hier auf dem ehemaligen Hallenbadgelände. Doch ist er auch günstig genug? Die Freien Wähler meinen nein. Foto: Knoll

Die Freien Wähler sind empört: Auf ihren Antrag hin diskutierte jüngst der Stadtrat über Möglichkeiten, in Füssen günstigen Wohnraum zu schaffen. Dabei mussten sie sich laut 3. Bürgermeister Andreas Ullrich „von der SPD fragen lassen, ob dies überhaupt nötig sei“ und zudem, dass man erst den Bedarf ermitteln müsse. Den Bedarf sehen die Freien Wähler offenbar klar, und loben die angeregte Diskussion im Gremium.

Unter sozialem Wohnraum sind Eigenheime aber vor allem Mietwohnungen zu Tarifen zu verstehen, die sich auch der „einfache Mann“ leisten kann, heißt es in einer Mitteilung der Fraktion. Insgesamt war es eine interessante Diskussion im Füssener Stadtrat, die sich über rund eine Stunde hinzog. Das Hauptargument gegen den FW-Antrag war, dass die freie Marktwirtschaft automatisch einen stimmigen Mix aus hochwertigem und sozialem Wohnraum herstelle, erinnern sich die FW-Stadträte. Dass diese Rechnung nicht aufgehe, zeigen die größeren Wohnbauprojekte, die in jüngster Zeit umgesetzt wurden: ob Baugebiet Pitzfeld, das Mehrfamilienwohnhaus an der Hopfener Uferstraße, die beiden Wohnhäuser in Bad Faulenbach, Wohnen im Park beim ehemaligen Hallenbad oder die neue Seniorenresidenz am Bahnhof – das alles sei kein Wohnraum für den „schmalen Geldbeutel“. Auch das in gleicher Sitzung beschlossene Wohngebiet im Weidach ziele klar auf Besserverdiener ab. Somit verschiebe sich der Anteil an verfügbarem Wohnraum zunehmend in den Bereich der „Gutbetuchten“, der „Rest“ müsse in umliegende Gemeinden ausweichen, beklagen die Freien Wähler. Das könne nicht so bleiben. Das letzte große Projekt bei dem günstige Wohnungen gebaut wurden sei der Venetianerwinkel gewesen, aber das liegt auch schon wieder mehr als zehn Jahre zurück. Somit liege der Schluss nahe, dass der soziale Wohnungsbau nicht die erste Wahl für die freie Marktwirtschaft darstellt. Daher kamen die Freien Wähler zu dem Schluss, dass die Schaffung bezahlbaren Wohnraums gesetzlich festgeschrieben werden muss. Die Freien Wähler wollen hier weiterhin München als Vorbild nehmen, wo seit 1994 eine Bausatzung in Kraft sei, die für Neubauprojekte ein Anteil von 30 Prozent für sozialen Wohnraum festsetzt. „Das muss auch in Füssen möglich sein!“ heißt es in der Mitteilung. Lobend erwähnen die Freien Wähler den Stadtratsbeschluss, das man über das Thema in einer Sondersitzung nochmals beraten will.

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