Guggemos-Wiese: Räte wollen Wettbewerbsbedingungen erst näher definieren

Stadtrat vertagt Entscheidung

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Die ersten Arbeiten auf der Guggemos-Wiese fanden bereits statt. Bis Hubert Schmid hier allerdings bauen kann, wird es noch dauern.

Füssen – Eigentlich sollte der Stadtrat am Dienstag die Rahmenbedingungen für den Planungswettbewerb für die Guggemos-Wiese festlegen. Doch so weit kam es nicht: Peter Hartung (CSU) beantragte die Entscheidung zu vertagen.

Zu ungenau seien die Definitionen, die einige Stadträte zusammen mit dem Planer getroffen hatten. Hier müsse erst nachjustiert werden. Äußerst knapp ging sein Antrag durch: Zwölf Stadträte waren dafür, elf dagegen – was bei mindestens zwei Stadträten für Frustration sorgte. 

Die Guggemos-Wiese zwischen Glück- und Sonnenstraße sowie Von-Freyberg- und Kirchstraße ist eine „der letzten großen Freiflächen in der Nähe zum Stadtkerngebiet“, erklärte Professor Dr. Dr. Lothar Zettler vom Planungsbüro „Lars consult“. Deshalb sei sie „eine sehr wertvolle Fläche für die Innenentwicklung.“ 

Entscheidung korrigieren 

Genau deshalb appellierte Ilona Deckwerth (SPD) eine Entscheidung zu korrigieren. In der Julisitzung hatte sie beantragt, die Baufirma Hubert Schmid dazu zu verpflichten 25 Prozent der Wohnungen als Sozialwohnungen anzubieten. Das hatte der Stadtrat mit 12:6 Stimmen abgelehnt (der Kreisbote berichtete). Jetzt brachte sie noch einmal ihre Idee ein, reduzierte ihre Forderung aber auf 15 Prozent. „Natürlich soll das wirtschaftlich machbar sein“, erklärte Deckwerth. Aber: „eine solch große Chance sollten wir nicht verstreichen lassen. Wir sollten die mitnehmen, die sich die Mieten in Füssen nicht leisten können.“ 

Ihre Forderung konnte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) nicht verstehen. Schließlich habe das Gremium zu diesem Thema bereits einen Mehrheitsbeschluss gefasst, auf dessen Grundlage jetzt die nächsten Schritte zum Planungswettbewerb erarbeitet wurden. Und genau deshalb wurde auch der Soziale Wohnungsbau bei den Rahmenbedingungen nicht berücksichtigt, wie Zettler erklärte. Er empfahl im Sinne der Innenstadtverdichtung hier „das, was städtebaulich und funktional vertretbar ist, an Wohnungseinheiten unterzubringen.“ 

Auch die Wettbewerbsbegleitgruppe aus dem Stadtrat, mit der Zettler die Rahmenbedingungen erarbeitet hat, sei dieser Meinung. Daneben sollten die Wohnungen hochwertig, familiengerecht und barrierefrei sein. Um einen „guten Mix“ zu bekommen, sollten 50 Prozent Dreizimmerwohnungen und 25 Prozent Zwei- bis Vierzimmerwohnungen in den Gebäuden entstehen, so Zettler. Daneben sollte die Gesamtfläche der Geschosse 9000 Quadratmeter umfassen. 

Da dank der Gebäuden in der Nachbarschaft unterschiedliche Häuserformen möglich seien, wollte der Planer den Architekten keine konkreteren Vorgaben machen. Weitere Bedingungen sind eine energetisch optimierte Bauweise, kein ausgebautes Dachgeschoss und dass das oberste Geschoss als Staffelobergeschoss möglich sei. Doch damit waren einige Stadträte nicht zufrieden. So störte es Dr. Martin Metzger (UBL), dass kein ausgebautes Dachgeschoss erwünscht ist, das energetisch optimiert ist. „Diesen Punkt kann ich überhaupt nicht mittragen.“ 

Auch seine Kollegen sprachen sich mehrheitlich dafür aus, die Dachform aus den Vorgaben herauszunehmen und stattdessen eine energetisch optimierte Bauform zu fordern. Einstimmig segneten sie auch Hartungs Anregung ab, keine Zweitwohnsitze zuzulassen. 

Definitionen zu ungenau 

Insgesamt störte es den Christsozialen aber, dass die Rahmenbedingungen zu wage formuliert seien. Was unter anderem auch dran lag, dass die Begleitgruppe nicht genügend Zeit hatte sich vorzubereiten. Am Dienstag habe man gesagt bekommen, dass man am Donnerstag die Mitglieder für das Treffen am Freitag benennen sollte. Dort sei dann alles von Zettler vorgegeben worden, so Hartungs Vorwurf. Erst danach konnte er sich genauer informieren, auf was es bei solchen Rahmenbedingungen ankommt. 

So habe sich die CSU-Fraktion bei einem Architekten und einem Verwaltungsangestellten schlau gemacht, erklärte Dr. Christoph Böhm nach der Sitzung. Und die waren der Meinung, dass die Rahmenbedingungen noch nicht ausgereift seien. „Weil wir keine Experten sind, können wir das nicht in der Sitzung ausreifen“, so Böhm. 

Frust über Vertagung 

Den Vorwurf, alles vorgegeben zu haben, ließ Zettler nicht stehen. Bei dem Treffen habe er eine „absolut normale, effektive Vorgehensweise“ gewählt. Er habe eine Diskussionsgrundlage vorgelegt. Das Endergebnis sei das, „was durch Anregungen oder Nichtanregungen übrig geblieben ist“, sagte der Planer. Die Bedingungen für den Wettbewerb seien nur ein Rahmen für die Architekten, erklärte er. Erst beim Bebauungsplan schreibe der Bauausschuss tatsächlich fest, wie die Häuser am Ende ausschauen sollen. Trotzdem stimmten die Stadträte mit 12:11 Stimmen für Hartungs Antrag. Für eine Entscheidung müssten erst die städtebaulichen Rahmenbedingungen genau definiert, begründet und anschaulich dargestellt werden. 

Doch mit der Entscheidung tat sich Lothar Schaffrath (SPD) schwer. „Ich wollte gehen“, erklärte er nach dem Beschluss. Als Stadtrat wolle er Füssen weiterbringen. Doch stattdessen würden einfache Punkte wegdiskutiert. „Wir wollten nur die Rahmenbedingungen, keinen Bebauungsplan“, so Schaffrath. Dem stimmte sein Fraktionskollege Georg Waldmann zu. „Wir machen uns als Gremium lächerlich.“ Der Punkt stand auf der Tagesordnung. Das Publikum könne erwarten, dass dann auch eine Entscheidung falle.

Katharina Knoll

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