Wer am Samstagabend von Füssen nach München wollte, hatte Pech

Bahnreisende sitzen fest

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Nicht nur diese jungen Leute wissen wegen des Streiks nicht, wie sie in der Samstagnacht noch nach München kommen sollen.

Füssen – Die Bahnstrecke von München nach Füssen wurde bis Samstagnachmittag zunächst noch befahren. Am Abend fielen die Züge schließlich aus. Wer von einem Ausflug etwa zu den Königsschlössern in die Landeshauptstadt zurück reisen wollte, saß am Füssener Bahnhof fest.

Viele Bahnreisende warteten vergeblich auf den Zug, der normalerweise um 20.34 Uhr Füssen in Richtung München verlässt. Auf die Rückfahrt nach München mit der Bahn hatten viele Füssen-Besucher fest vertraut – zumal sie am selben Tag in einem Zugabteil pünktlich an ihrem Reiseziel angekommen waren. Doch dann sollte alles anders kommen.

 „Hier im Internet steht nicht, dass dieser Zug ausfällt. Also kommt er sicher noch“, meinte hoffnungsvoll ein Rucksacktourist mit Blick auf sein Handy. Da ist es schon 20.31 Uhr. In drei Minuten müsste es fahrplanmäßig losgehen. Es fehlen aber immer noch Lokführer und Lok. Ein Blick nach oben auf die Info-Schleife ist in diesem Moment wenig aufschlussreich. Dass der Streik läuft, wissen die meisten hier am Bahnsteig. Mit Engelsgeduld erwarten sie nähere Auskunft. Doch auch diese bleibt aus. 

Unter den hier wartenden Bahn-Kunden mit einem Bayern-Ticket ist ein junges Pärchen, das in München studiert. „Wir sind nach zwei Stunden Fahrt kurz vor 15 Uhr in Füssen angekommen“, erzählt der Münchner Student. „Wir haben den Tag bei den Königsschlössern verbracht“, erzählt er. „Es ist wohl keine so gute Idee gewesen, an einem Streiktag mit der Bahn zu verreisen.“ Ein anderer junger Mann mit Begleiterin meint: „Bei unserer Anreise am Vormittag mussten wir in Kaufbeuren umsteigen. Das lag am Streik und war für uns kein Problem. Aber jetzt haben wir eins.“ 

Die beiden Pärchen, die sich in dieser misslichen Lage kennen gelernt haben, beginnen zu beratschlagen, ob es sich lohnt, weiter zu warten, eine Fahrgemeinschaft zu bilden oder sich eine preiswerte Unterkunft zu suchen. Eine Mädchenclique wiederum wollte nur bis Leuterschach, „zu einer Party“, verrät eine von ohnen gut gelaunt. Die aufs Feiern eingestellten Füssener Mädels bleiben erstaunlich cool: „Keine Ahnung, was wir jetzt machen können. Uns fällt aber schon noch was Tolles ein.“ Der geplante Bahntrip von Füssen nach Leuterschach zur Party fällt jedenfalls definitiv aus. 

Schräg gegenüber vom Bahnhof haben viele Reisende an der Rezeption des Luitpoldpark-Hotels Hilfe erfahren. „Wir konnten Zimmer für neue Gäste anbieten. Hausgäste mussten ihre geplante Abreise verschieben und haben ihren Aufenthalt verlängert“, erklärte Judith Soltmanowski aus dem Hotel-Team auf Nachfrage unserer Zeitung. Am Samstagmittag war die Touristen-Info am Kaiser-Max-Platz bis 14 Uhr geöffnet und eine Anlaufstelle für Füssener Gäste aus aller Welt, die – wie junge Familien aus Argentinien und Brasilien – Streik bedingt festsaßen. 

Lisa Wörle – aus dem zusätzlich geforderten Team von Füssen Tourismus und Marketing(FTM) – erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir konnten hier einige Male dabei helfen, dass sich Fahrgemeinschaften mit dem Ziel München gebildet haben.“ Ein Kleinbus mit acht Personen sei gestartet. „Andere Bahn-Kunden, die unbedingt am Samstag weiter mussten, haben sich ein Taxi geteilt.“

Chris Friedrich

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