Corona-Pandemie und Wetter lässt Zahl der Arbeitslosen steigen

Arbeitslosenquote im Raum Füssen steigt im Januar auf 4,3 Prozent

Schild, das in Richtung Arbeitsamt weist.
+
Zwar steigt im Januar aufgrund der Witterung regelmäßig die Arbeitslosenquote. Aufgrund der Corona-Pandemie ist sie heuer aber besonders hoch.

Füssen/Allgäu - Die Corona-Pandemie macht dem Allgäuer Arbeitsmarkt weiterhin schwer zu schaffen. Allen voran die Tourismusregionen rund um Füssen und Sonthofen. Das zeigen die aktuellen Januarzahlen der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Zum Jahresauftakt erhöhte sich die Arbeitslosigkeit im bayerischen Teil des Allgäus merklich. Die Kombination von Viruspandemie und Witterung ließ die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen ansteigen. So beläuft sich die Arbeitslosenquote für das gesamte Allgäu derzeit auf 3,6 Prozent, 0,8 Prozentpunkte höher als im Januar 2020. Weit über diesem Wert liegen allerdings die Tourismusregionen rund um Füssen und Sonthofen mit einer jeweiligen Arbeitslosenquote im Januar von 4,3 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte der Wirtschaftsbereich Füssen noch eine Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent verzeichnet.

Der höchste Sprung nach oben ergab sich laut der Agentur für Arbeit allerdings für das südliche Oberallgäu mit einem Plus von 1,6 Prozentpunkten. In beiden Regionen ist das Tourismusgewerbe stark präsent. Bei weiter andauernden Einschränkungen im Zuge der Corona-Krise sind trotz guter Schneeverhältnisse keine Übernachtungen oder Skitouristenbesuche möglich. Ausbleibende Gäste führten in der Folge zu einer steigenden Arbeitslosigkeit, gerade bei Frauen, so die Agentur.

Weniger Arbeitslose im verarbeitenden Gewerbe

Im Jahresvergleich erhöhte sich die Arbeitslosigkeit im bayerischen Teil des Allgäus um 0,8 Prozentpunkte, die Arbeitslosenquote erreichte im Januar den Wert von 3,6 Prozent. Im selben Umfang erhöhte sich die aktuelle Arbeitslosenquote in der Region Kempten und im Landkreis Lindau.

Mit einem Zuwachs um 0,5 Prozentpunkte erreichten die Regionen Mindelheim, Memmingen und Marktoberdorf ein günstigeres Ergebnis als der gesamte Bezirk. Diese Wirtschaftsräume sind mehr von Betrieben des verarbeitenden Gewerbes geprägt, die weniger stark vom Zuwachs bei der Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Die Region Kaufbeuren verzeichnete ebenfalls eine niedrigere Zunahme bei der Arbeitslosigkeit. Das Plus im Jahresvergleich lag hier bei 0,6 Prozentpunkten. Die niedrigste Arbeitslosenquote meldete der Wirtschaftsraum Marktoberdorf mit genau drei Prozent.

Schnee und tiefe Temperaturen belasten Arbeitsmarkt

Im Januar waren im bayerischen Teil des Allgäus annähernd 13.900 Frauen und Männer bei den Vermittlern der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern arbeitslos gemeldet. Das waren gut 1500 arbeitslose Menschen mehr als im Dezember.

„Im Januar erlebt der Arbeitsmarkt bereits seit vielen Jahren die jährlich stärkste Belastung. Schnee und tiefe Temperaturen verhindern die Fortsetzung vieler Arbeiten im Freien. Und zum Jahreswechsel wird eine Reihe von Kräften aufgrund des Quartalsendes entlassen,“ sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. „In diesem Jahr haben die verlängerten Beschränkungen zu weiteren Entlassungen geführt. Dennoch halten erfreulicherweise sehr viele Unternehmen weiter an ihren Mitarbeitern fest. Als Agentur für Arbeit unterstützen wir Betriebe und Beschäftigte weiterhin in starkem Umfang durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld.“

Nach dem Höhepunkt im Frühjahr ging die Zahl der Anzeigen auf Kurzarbeitergeld bereits ab Mai wieder zurück. Diese Entwicklung signalisierte , dass sich der Arbeitsmarkt ab diesem Zeitpunkt stabilisierte, so die Agentur. Im September wurde mit 50 neuen Anzeigen und maximal 490 betroffenen Mitarbeitern der niedrigste Wert seit Ausbruch der Pandemie in 2020 erreicht. Ab Oktober erhöhte sich die Zahl der eingehenden Anzeigen im Zuge der pandemiebedingten Einschränkungen erneut.

Bei konjunktureller Eintrübung gehen die Anzeigen jedoch früh ein und weisen einen erhöhten Umfang auf. Nur ein Teil der Anzeigen wird laut Agentur tatsächlich auch realisiert.

Wieder mehr Unternehmen in Kurzarbeit

Der Vergleich zwischen angezeigter Kurzarbeit und tatsächlicher Realisation zeigt, dass nach dem Höhepunkt in den Monaten April und Mai die Zahl der von Kurzarbeit betroffenen Betriebe und Beschäftigten deutlich zurückging. In den Monaten August und September waren jeweils knapp 20.000 Mitarbeitende von Kurzarbeit betroffen.

Doch das hat sich in jüngster Zeit wieder geändert: Aus den gestiegenen Anzeigedaten ist nach Angaben der Agentur bereits jetzt erkennbar, dass die tatsächlich realisierte Kurzarbeit in den Monaten November bis Januar wieder merklich zugenommen hat.

Aus den Anzeigeunterlagen ist erkennbar, dass in den Monaten Oktober bis Dezember 2020 die Mitarbeiter im verarbeitenden Gewerbe und im Einzelhandel, insbesondere aber im Gastgewerbe wohl am stärksten von Kurzarbeit betroffen sind.

Ausblick auf die Zukunft

Wie sich der Arbeitsmarkt in den kommenden Wochen entwickelt, hängt stark vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab, blickt die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen in die Zukunft. Einzelhandel, Tourismus und das Dienstleistungsgewerbe erwarten dringend Erleichterungen bei den Corona-Einschränkungen. In der derzeitigen Lage bildet Kurzarbeit einen Rettungsanker für zahllose Beschäftigte. Der Arbeitsmarkt wird nach Einschätzung der Agentur für Arbeit in den kommenden Wochen wohl nur allmählich zu alter Stärke zurückfinden. Die Übergangsphase sollten Betriebe und Beschäftigte zur beruflichen Qualifizierung sinnvoll nutzen, um rechtzeitig auf strukturelle Anpassungen gerüstet zu sein, empfiehlt die Agentur.

kb

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Kaufbeuren jetzt mit der niedrigsten Inzidenz im Allgäu - Wert im Landkreis steigt
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Kaufbeuren jetzt mit der niedrigsten Inzidenz im Allgäu - Wert im Landkreis steigt
Füssen: Skaten trotz Corona
Füssen: Skaten trotz Corona
Tegelbergbahn versteigert alte Gondeln – 28.000 Euro gehen an soziale Zwecke
Tegelbergbahn versteigert alte Gondeln – 28.000 Euro gehen an soziale Zwecke

Kommentare