»Wir sollten hier keine Fehler machen«

Ausschuss lehnt mehrheitlich breite Gaube auf Südseite eines Gebäudes unterhalb des Klosters St. Mang ab

Gasse unterhalb des ehemaligen Benediktinerklosters St. Mang
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Das ehemalige Benediktinerkloster St. Mang steht als national wertvolles Kulturdenkmal auf der gleichen Stufe wie Schloss Neuschwanstein. Sensibel ist deshalb der Bereich direkt unterhalb des Klosters, wo jetzt eine Bauherrin Schleppgauben auf ihr Haus setzen möchte. Ihre Gestaltung löste nun eine hitzige Debatte im Füssener Bauausschuss aus.
  • Katharina Knoll
    VonKatharina Knoll
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Füssen – Für eine emotionale Debatte im Bauausschuss hat jetzt eine Schleppgaube gesorgt, die eine Bauherrin auf ihr Haus setzen möchte. Das Besondere daran: die Lage des Gebäudes. Denn das schmale Haus befindet sich an prominenter Stelle direkt unterhalb des ehemaligen Benediktinerklosters, das mittlerweile als national wertvolles Kulturdenkmal anerkannt wurde und damit den gleichen Status wie Schloss Neuschwanstein genießt (der Kreisbote berichtete). Deshalb müsse hier besonders auf die Optik geachtet werden, meinte nicht nur Stadtrat und Architekt Magnus Peresson (UBL).

Bereits in der Aprilsitzung hatte der Antrag für Diskussionen im Gremium gesorgt, da das Gebäude, das unter Ensembleschutz steht, in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Benediktinerkloster St. Mang liegt, das ein Einzeldenkmal ist. Deshalb stellte die Stadtverwaltung den Antrag zurück und suchte das Gespräch mit der Bauherrin. Weil die zwei beantragten Gauben nicht so schmal sind, wie an historischen Gebäuden üblich, hatte Stadtrat und Architekt Peresson damals als Alternative eine Wiederkehr für die Südseite vorgeschlagen. Denn diesen gibt es bereits in der Häuserreihe.

Nachdem die beauftragte Planerin einen entsprechenden Entwurf gezeichnet hatte, habe sich jedoch gezeigt, dass dieser keine Verbesserung darstellt, heißt es in den Sitzungsunterlagen. Deshalb habe die Antragstellerin die Stadtverwaltung darum gebeten, es bei den ursprünglichen Plänen zu belassen.

Da das Dachgeschoss bisher nur im mittleren Bereich ausreichend hoch sei, würde nur die zusammenhängende, etwas breitere Gaube dazu führen, dass der Raum besser genutzt werden kann, so ihre Begründung. Im Gegensatz zum ursprünglichen Antrag sollen jedoch die Seitenfenster an den Gauben wegfallen und alle Fenster – wie es die Baugestaltungssatzung fordert – Sprossen bekommen.

Das Landesamt für Denkmalpflege kann sich das an der Südseite vorstellen.

Christoph Weisenbach, CSU-Stadtrat

Diesen Vorschlag unterstütze Christoph Weisenbach (CSU). „Das Landesamt für Denkmalpflege kann sich das an der Südseite vorstellen“, sagte er. Verschiedene Planungsvarianten habe er mit Kreisbaumeister Jakob Lax besprochen, der sich wiederum mit Dr. Alexander Ditsche vom Landesamt für Denkmalpflege (LfD) abgestimmt habe. „Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege sagt klar: Das ist für sie in Ordnung.“

Auch das Landratsamt Ostallgäu als Genehmigungsbehörde hält diese Lösung für grundsätzlich genehmigungsfähig, wie den Sitzungsunterlagen zu entnehmen ist.

Gaube zu groß?

Für Peresson war die Gaube auf der Südseite trotzdem zu groß, weshalb er der Bauherrin als Alternativlösung – unentgeltlich, wie er betonte – einen Entwurf mit zwei kleinen Schleppgauben in der Flucht über den Fenstern im Obergeschoss gezeichnet hatte. Diese würden den Vorgaben der Baugestaltungssatzung, die eine zurückhaltende Gaubengröße fordert, besser erfüllen, so die Stadtverwaltung.

Das Problem an der Sache ist allerdings: Die Bauherrin lehnt den Vorschlag ab. Und die Alternativlösung rechtlich durchzudrücken, wird wohl schwierig werden, da unbestimmte Rechtsbegriffe wie „zurückhaltend“ einen großen Definitions-Spielraum lassen. Darauf wies auch noch einmal das Landratsamt hin.

Das Maximale herausholen

„Das Ensemble von St. Mang ist ein nationales Kulturdenkmal. Wir sollten hier keine Fehler machen“, appellierte jedoch Peresson. Solche Gauben, wie sie die Antragstellerin fordert, seien bisher nirgends in der Altstadt zu finden. „Unsere Aufgabe ist nicht, Bauherren zu befriedigen, sondern das Beste für die Stadt herauszuholen“, unterstrich er.

„Die Ansicht von Süden her finde ich unmöglich“, meinte auch Thomas Meiler (CSU). „Wir haben nicht so viele Stellen, die so ansprechend sind“, erklärte zudem Dr. Martin Metzger (BfF), weshalb er dafür sei „das Maximale herauszuholen.“

Deshalb sprach das Gremium sich am Ende mehrheitlich für Peressons Vorschlag auf der Südseite aus, während es für die breitere Gaube auf der Rückseite grünes Licht gab.

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