Entdecken und Zusammenwachsen

Azubis der Stadt lernen Wissenswertes über Füssen und Umgebung

Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU, rechts) legte gemeinsam mit den Azubis der Stadt Füssen drei Grünstreifen an.
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Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU, rechts) legte gemeinsam mit den Azubis der Stadt Füssen drei Grünstreifen an.

Füssen – Fünf aufregende Tage haben die Auszubildenden (Azubis) der Stadtverwaltung jetzt erlebt. Bei der Azubi-Woche der Stadt Füssen besichtigten die jungen Mitarbeiter die Kläranlage des Abwasserzweckverbands (AZV), erfuhren bei einer Wanderung zum Galgenbichl Interessantes zum Thema „Wiese x 16“ und erhielten bei einem Ausflug auf die Füssener Hütte einen Einblick in die Arbeit des Gebietsverwalters der Füssener Liegenschaften in Tirol. Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) nahm sich reichlich Zeit mit den Azubis und beteiligte sich bei den Unternehmungen. 

„Unsere Auszubilden sind mir sehr wichtig, denn Sie sind unsere Zukunft und späteren Nachwuchskräfte“, sagte der Rathauschef. Die Azubi-Woche solle dazu beitragen, dass die jungen Menschen sich mit der Stadt Füssen identifizieren lernen, stolz auf ihr Arbeitsgebiet werden können und Einblick in die vielfältigen Themengebiete der Verwaltung erhalten. Zudem stärke sie die Gemeinschaft und den Teamgedanken, erklärte Eichstetter.

Den Auftakt machte die Besichtigung der Kläranlage des Abwasserzweckverbandes. Betriebsleiter Rudolf Fichtl erklärte den Azubis die komplette Anlage vom Zulauf bis zum Nachklärbecken. Die Klärung von Wasser beinhaltet eine mechanische und eine biologische Reinigung. Zuerst durchläuft das Wasser einen Rechen, der das Rechengut absondert. Im Sand- und Fettfang wird anschließend der Sand und das Fett herausgefiltert. Nachdem der Schlamm vom Wasser getrennt wurde, wird das Wasser in einem Belebungsbecken durch Bakterien gesäubert. Die Auszubildenden zeigten sich sehr beeindruckt von der Anlage: „Ich finde es spannend, welcher Aufwand betrieben wird, um das hereinkommende dreckige Wasser aufzubereiten“, sagte die Auszubildende Alexandra Wolf.

Beim Workshop zum Thema „Wiese x 16“ hieß es für die jungen Nachwuchskräfte, die Wanderschuhe zu schnüren. Unter der Leitung von Thomas Hennemann, Gebietsbetreuer des Alpenrandes beim Landratsamt, wanderten die Azubis vom Rathaus zum Galgenbichl. Der Gruppe schlossen sich Bürgermeister Eichstetter und die beiden CSU-Stadträte Nicole Eikmeier und Thomas Meiler (CSU) an. Bei der Wanderung erklärte Hennemann unter anderem, was Biodiversität ist und warum diese so wichtig für die Natur ist: Biodiversität bedeutet, dass ein Gebiet eine Vielfalt an Lebensräumen, Arten und Genetik aufweist. Dies treffe auf den Galgenbichl zu, weshalb das Gebiet ein „Juwel der Stadt Füssen“ sei. Die Bedeutung solcher Gebiete könne laut Hennemann nicht überschätzt werden. Denn Vielfalt ermögliche es, dass sich die Natur auf Änderungen wie etwa den Klimawandel anpassen könne. In einer Gruppenarbeit verdeutlichte Hennemann, wie viel höher die Vielfalt in einem Mischwald im Vergleich zu einer Monokultur ist.

Ökonomisch und der Umwelt zu Liebe

Sarah Sagemann von der Projektleitung „Wiese x 16“ am Landratsamt berichtete von dem Projekt. Das Vorhaben des Landkreises hat demnach zum Ziel, Arten zu schützen, indem städtische Grünflächen erhalten und neue angelegt werden. Auch Umweltbildung sei ein wichtiger Bestandteil des Projekts.

Füssen beteiligt sich bei dem Projekt und integriert stetig Grünflächen – in Weißensee zum Beispiel sollen weitere 2000 Quadratmeter hinzukommen. Eichstetter steht nach eigener Aussage zu einhundert Prozent hinter dem Projekt – aus Umweltschutzgründen, aber auch, weil es sich langfristig finanziell rechnet: „Wiesen, die man aus Umweltschutzgründen verwildern lässt, muss man auch weniger bewirtschaften.“

Andreas Weiß von der Stadtgärtnerei pflichtete dem Rathauschef bei. Natürlich seien die Maßnahmen für das Projekt in der Anfangszeit zeitaufwendig. Er rechne aber damit, dass sich die Maßnahmen durch Einsparungen bei der Arbeitszeit nach drei Jahren amortisiert haben.

Nach dem theoretischen Teil griffen Eichstetter und die Azubis dann zu Schaufel und Rechen. Im Ziegelbergweg richteten sie mit Hilfe von Mitarbeitern der Stadtgärtnerei drei Grünstreifen her. Sie schaufelten Erde, verteilten diese mit Rechen, errechneten die notwendige Menge an Saatgut, brachten die Samen aus und planierten die Flächen mit einer Walze. Auszubildende Vanessa Ackermann sagte, dass der Workshop für sie „sehr interessant war, da die Bedeutung von Biodiversität durch Hennemann sehr gut erklärt wurde“.

Neben Grüßen von Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) für die Azubis meldete sich auch eine Anwohnerin zu Wort, die zufällig vorbeikam: „Die Artenvielfalt sollte erhalten bleiben, wir dürfen nicht alles zubetonieren“, sagte Christine Görne und fuhr fort: „Ich finde das schön, auch Klee hat einen optischen Wert.“

Füssener Besitz in Österreich

Die Wanderschuhe waren vermutlich noch nicht mal trocken, da ging es schon weiter: gemeinsam mit Eichstetter, Hauptamtsleiter Peter Hartl und Vertretern des Personalrates wanderten die Azubis bei schönstem Spätsommerwetter bis auf die Füssener Hütte. Nach einer leckeren Brotzeit erklärte der Verwalter des Füssener Grundbesitzes in Tirol, Thomas Wechner, den jungen Menschen seine Arbeit. Bekanntlich besitzt die Stadt Füssen seit 40 Jahren 500 Hektar in Österreich. Unter anderem das Grundstück, auf dem sich die Füssener Hütte befindet. Wechner erklärte der Gruppe, dass seine Aufgaben vielseitig sind. Sie reichen von der Verwaltung der Hütte bis hin zur Verhinderung von Waldschäden auf den Tiroler Liegenschaften der Stadt.

Auszubildende Julia Steger zeigte sich erfreut, dass die Stadt Füssen die Azubi-Woche angeboten hat: „Es war sehr interessant zu sehen, was alles zu den Aufgaben der Stadt Füssen gehört. Vor allem hat es mich aber gefreut, in einem ungezwungenen Rahmen meine Azubi-Kollegen besser kennen zu lernen – vor allem diejenigen, die bei Füssen Tourismus und Marketing angestellt sind, da wir mit diesen nur bei solchen Gelegenheiten in Kontakt kommen.“ Eichstetter dürfte das gefallen. Sein Ziel der Azubi-Woche ist erreicht: Entdecken und Zusammenwachsen.

kb

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