ist der »dm« nun endgültig vom Tisch?

Bauausschuss befürwortet Aldi-Erweiterung – Discounter will auf geplante Drogerie verzichten

Aldi Süd-Filiale in Füssen
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Der jahrelange Streit zwischen der Stadt Füssen und dem Discounter Aldi wegen eines geplanten dm-Drogeriemarkts scheint nun ein Ende gefunden zu haben.

Füssen – Nach Jahren des Streits um einen dm-Drogerie-Markt scheinen sich die Stadt Füssen und der Discounter Aldi nun geeinigt zu haben. Wenn die Stadt Füssen einer Erweiterung des Discounters zustimme, dann werde Aldi auf den Drogeriemarkt verzichten. Dieses Angebot habe der Discounter jetzt der Stadtverwaltung gemacht, informierte am Dienstag Bürgermeister Maximilian Eichchstetter (CSU) in der Sitzung des Bauausschusses im Schützenhaus Roßmoos. 

Die Aldi-Verantwortlichen hätten der Stadtverwaltung zugesichert, dass sie ihre Pläne, einen dm-Drogeriemarkt neben der Aldi-Filiale in der Abt-Hafner-Straße aufgeben und von einem weiteren Klageverfahren absehen werden, sobald die Genehmigungsbehörde, das Landratsamt Ostallgäu, die Erweiterung des Discounters bewilligt. Konkret geht es dabei um eine Erhöhung der Verkaufsfläche von 976 auf 1178 Quadratmeter.

„Sie werden nicht mehr Produkte anbieten“, so Eichstetter. „Die Gänge werden größer gestaltet.“ Außerdem soll der Backshop erweitert werden. Dafür möchte der Discounter ein Lager auflösen. An der Gebäudekubatur soll sich demnach nichts ändern (der Kreisbote berichtete).

„Das eine hat mit dem anderen rein baurechtlich nichts zu tun“, wandte der Rathauschef zu dem Deal ein. Die Stadtverwaltung dürfte von ihrer Seite eine solche Forderung gar nicht stellten. Dieses „Friedensangebot“ kommt vom Discounter selbst. Von Seiten der Stadt sei hier nur ein Vetrauensvorschuss nötig. Aber: Wenn die Stadträte dem zustimmen, Aldi sich aber nicht an die Absprache halten und doch seinen dm bauen wollen würde, müsste er die Quadratmeter von seiner Filiale „wegschneiden“. Und die Stadt könnte dann immer noch „nein“ sagen, informierte der Rathauschef.

Bereits Ende November hatte der Stadtrat dieser geplanten Attraktivitätssteigerung und Vergrößerung grundsätzlich zugestimmt (der Kreisbote berichtete). Damals lag bereits eine Auswirkungsanalyse eines Gutachters vor, die die Verträglichkeit nachgewiesen hatte. Dafür muss der Bebauungsplan nun aber geändert werden, informierte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Denn solch große Handelsbetriebe seien nicht in Gewerbegebieten, sondern neben Kerngebieten nur in für sie ausgewiesenen Sondergebieten zulassungsfähig.

„Deutlicher Sieg“

„Das ist ein deutlicher Sieg für uns“, freute sich Dr. Martin Metzger. „Unser ganzes Mitspracherecht sollte abgebügelt werden“, blickte der BfF-Stadtrat auf den jahrelangen Streit um die Drogerie zurück. „Es ging nicht um den Sinn des Drogeriemarkts, sondern um die Art und Weise (des Vorgehens – Anmerk. d. Red.).“

Bedenken wegen der Erweiterung hatten jedoch Christoph Weisenbach und Dr. Christoph Böhm (beide CSU). Weisenbach blickte auf die vielen Anträge des Discounters in den vergangenen Jahren zurück. „Die Lagerfläche wird um 250 Quadratmeter kleiner, die Verkaufsfläche steigt. Wir sollten klar zum Ausdruck bringen, dass er nicht in fünf Jahren mit dem Argument kommen kann: ,das Lager ist zu klein, wir wollen erweitern.‘ Da müssen wir Obacht geben.“

Bauherren gewerblicher Gebäude würden jedoch alle paar Jahre Bauanträge stellen, weil sich die Konzernvorgaben ändern, wandte Bauamtsleiter Armin Angeringer ein. Und die Strategie der meisten Konzerne sei derzeit: „Jeder Zentimeter Lagerraum ist verschwendet“, informierte der Rathauschef. Das bedeute jedoch, dass das Lager auf die Straße, sprich in Lkws, verlagert werde, um „just in time“ die Filialen beliefern zu können.

Sorgen, dass hier zentrenrelevante Produkte angeboten werden könnten, hatte Böhm. Doch Eichstetter verwies darauf, dass der Discounter seine Füssener Filiale mit breiteren Gängen nur attraktiver für die Kunden machen möchte. „Die Planungen sind schon fertig. Wir können davon ausgehen, dass das so umgesetzt wird.“

Am Ende stimmte der Ausschuss mehrheitlich dem Bauvorhaben zu und leitete gleichzeitig die Änderung des Bebauungsplans N10 – Moosangerweg Ost ein. Die Stadtverwaltung soll in dem Zug prüfen, ob das Verfahren durch eine vorhabenbezogene Änderung mit städtebaulichem Vertrag abgewickelt werden kann.

kk

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