»Das ist eine sehr heikle Geschichte«

Ausschuss lehnt einstimmig Terrassenerweiterung am Seehaus in Hopfen ab

Seehaus in Hopfen
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Das Seehaus in Hopfen ist deutlich größer als das Strandbad-Gebäude, das früher an dieser Stelle stand. Wie massiv der Neubau sein darf, darüber schieden sich während der Genehmigungsphase die Geister. Nun will der Bauherr seine Terrasse erweitern.
  • Katharina Knoll
    vonKatharina Knoll
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Füssen – Es war eines der umstrittensten Bauprojekte der vergangenen Jahre: Das Strandbad in Hopfen. Rund zwei Jahre nach der Baugenehmigung für den Neubau, will der Bauherr jetzt seine Terrasse erweitern. Doch damit stieß er bei den Mitgliedern des Bauausschusses auf Granit – sie lehnten den Antrag einstimmig ab.

Als vor einigen Jahren die Pläne für einen Neubau am Strandbad in Hopfen auf dem Tisch gelegt wurden, wurde Protest laut. Zu groß sei das Gebäude, monierten die Gegner des Projekts. Verhandlungen mit Investor Fritz Schweiger führten zu keinem Kompromiss, mit dem beide Seiten leben konnten. Das Gebäude müsse so groß sein, um wirtschaftlich arbeiten zu können, begründete der Investor die finale Planung. Die Projektgegner starteten daraufhin zwei Bürgerbegehren, die jedoch beide scheiterten.

Rund zwei Jahre nach der Baugenehmigung möchte der Bauherr seine Terrasse jetzt doch ein Stück größer machen. Er will seine 160 Quadratmeter große Terrasse auf der Westseite um ca. 38 Quadratmeter erweitern. „Die Terrasse liegt außerhalb der Baugrenze“, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer – und weicht damit von den Angaben der Satzung ab. Die Stadtverwaltung habe sich deswegen bei der Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt Ostallgäu, erkundigt. Und das sagt: Die Erweiterung stelle einen Eingriff in die Grundzüge der Planung dar. Sie sei nur über eine Änderung des Bebauungsplans möglich.

Da werde ich auf jeden Fall dagegen stimmen.

Jürgen Doser, FWF-Stadtrat

„Die Größe fand ich nicht so problematisch“, kommentierte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) den Antrag. Aber: „Es gibt eine sensible Vorgeschichte.“ Das bestätigte Jürgen Doser (FWF) sogleich: „Da werde ich auf jeden Fall dagegen stimmen“, kündigte er an. Denn als langjähriger Stadtrat war er bei den Planungen des Neubaus dabei. Beim Ringen um die Baufläche habe der Stadtrat das Projekt „maßvoll und wohlwollend begleitet“, blickte er zurück. Schließlich sollte der Betreiber wirtschaftlich arbeiten können. Seinerzeit sei man immer aufs Maximum gegangen. „Dass man jetzt nochmal erweitert, kann ich nicht nachvollziehen.“

Dem schloss sich Bernhard Eggensberger (Füssen-Land) an: „Das ist eine sehr heikle Geschichte.“ Manch Hopfener sei gar der Meinung, dass die Stadt dem Investor damals zu viele Zugeständnisse gemacht habe. „Das ist ein Riesenfehler, wenn wir das genehmigen“, lautete deshalb sein Fazit.

Kritische Stadträte

Als Gastronom könne er das Anliegen des Antragstellers zwar nachvollziehen, meinte Andreas Eggensberger (CSU), er befürchtete aber, dass der Badeplatz dann noch schlechter genutzt werden könne als das jetzt schon der Fall sei. Schließlich dürfe er wegen der angrenzenden Seerosen, die geschützt seien, nicht verschoben werden.

„Die Terrasse durfte nicht so nah ans Wasser hin wegen der Seerosen“, ergänzte Dr. Christoph Böhm (CSU). „Das wird immer weiter aufgeweicht“, monierte er. Irgendwann müsse man schließlich unter der Terrasse ins Wasser steigen. „Das stößt mir sauer auf.“

„Prinzipiell müssten wir den Steg abbauen, weil man ihn nicht nutzen darf“, erwiderte Bürgermeister Eichstetter (CSU). Dieser gehört der Stadt Füssen. Um ihn betreiben zu dürfen, braucht die Stadt aber einen Bademeister, wies der Rathauschef auf die rechtlichen Vorgaben hin.

Darum müsse sich aber der Betreiber kümmern, erwiderte Bernhard Eggensberger. Schließlich sei das Projekt seinerzeit nur unter der Prämisse genehmigt worden, dass das Strandbad auch bestehen bleibt. Und dieser sucht aktuell tatsächlich nach einer solchen Fachkraft, wie auf der Internetseite des Seehauses zu erfahren ist.

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