»2G muss reichen!«

Bergbahnunternehmer kritisieren Corona-Regelungen für den Skisport

Gipfelstation der Tegelbergbahn in Schwangau.
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Wer diesen Winter mit der Tegelbergbahn fahren möchte, muss nicht nur genesen und geimpft sein, sondern auch einen negativen Corona-Test vorweisen können.
  • VonJosef Gutsmiedl
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  • Katharina Knoll
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Einen Lockdown durch die Hintertür befürchtet die Seilbahn-Branche angesichts der verschärften Infektionsschutz-Maßnahmen und fordert 2G-Regeln für den Skisport

Die 15. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung dränge die bayerischen Seilbahnunternehmen an den Rand des „wirtschaftlichen Abgrunds!“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes Deutscher Seilbahnen VDS. Hintergrund ist die Anordnung der 2Gplus-Regelung für Seilbahnen. Die personellen Voraussetzungen und der logistische Aufwand einer Testung der Gäste sei für die Unternehmen, von denen viele kleinere Familienbetriebe sind, nicht zu stemmen. Außerdem stünden die Testkapazitäten gar nicht zur Verfügung. „Ein wirtschaftlicher Betrieb ist damit nicht mehr möglich”, bringt es der VDS auf den Punkt.

„Bei uns herrscht völliges Unverständnis“, so Matthias Stauch, der Präsident des VDS, „warum für den Sport im Freien strengere Regeln gelten sollen als für den Aufenthalt in Innenräumen.“ Das kann auch Jörn Homburg, Marketing-Chef der Oberstdorf Kleinwalsertal Bergbahnen, nicht nachvollziehen. Er hofft wie seine Seilbahn-Kollegen im bayerischen Alpenraum auf eine praxistaugliche Lösung. „Vielleicht erreichen wir ja noch was...”

Es wäre zu wünschen, dass es eine alpenweite Regelung gibt, die für uns alle gilt“

Frank Seyfried, Chef der Tegelberg-, Breitenberg- und Buchenbergbahn

„Uns wird es nicht leicht gemacht als Seilbahnen”, unterstreicht Frank Seyfried, Chef der Tegelberg-, Breitenberg- und Buchenbergbahn. „Das ist ein immenser Aufwand, das alles zu kontrollieren. Das macht es schwer für uns.” Daneben wisse keiner, wie groß die Bereitschaft der Gäste sein werde, sich extra für eine Seilbahnfahrt testen zu lassen – zumal sie nur fünf Kilometer weiter im Tannheimer Tal darauf verzichten können. Denn in Österreich gilt für Seilbahnen die 2G-Regelung. Da sei die Entscheidung, wohin man fahre, relativ leicht, befürchtet Seyfried. „Das macht das alles noch unverständlicher. Es wäre zu wünschen, dass es eine alpenweite Regelung gibt, die für uns alle gilt”, so der Geschäftsführer der Tegelbergbahn. Gleichzeitig betont er: „Wir wollen die Krankenhäuser nicht zusätzlich belasten.”

Geringes Risiko

Laut VDS belege eine Studie des Schweizer Forschungsinstituts EMPA/ETH, dass das Infektionsrisiko bei einer Seilbahnfahrt aufgrund des häufigen Luftaustauschs und der kurzen Fahrdauer um ein Vielfaches geringer ist als bei anderen Verkehrsmitteln oder einem Büroaufenthalt. Laut der Studie ist das Risiko, sich während einer 12-minütigen Fahrt in einer Gondel mit offenen Fenstern anzustecken, 100 mal kleiner als bei einem achtstündigen Arbeitstag in einem wenig belüfteten Zweierbüro und sogar tausendmal kleiner als bei einem Abendessen mit acht Personen auf 30 Quadratmetern, die sich bei geschlossenen Fenstern laut unterhalten.

Während die Gastronomie mit 2G-Regeln arbeite, bremse man die Bergbahnbetriebe mit der 2Gplus regelrecht aus, beklagt Jörn Homburg und hofft auf eine baldige Rückstufung. „Konzertsäle mit Freilufteinrichtungen wie Lifte und Bergbahnen zu vergleichen, geht an der Realität vorbei.” Die Schweiz habe in der vergangenen Saison hinreichend bewiesen, dass es ohne 2Gplus durchaus einen sicheren Betrieb geben könne. Bereits für die Saison 2020/2021 habe man ein spezielles Konzept entwickelt, das allerdings durch den Lockdown und das Betriebsverbot nicht zum Tragen kam.

„Das ist ein Lockdown durch die Hintertür“, so Peter Lorenz, Stellvertretender Vorstand des VDS. „Aus unserer Sicht sind diese Maßnahmen absolut unverhältnismäßig. Wir fordern von der Politik, Skibetrieb unter 2G-Bedingungen zu ermöglichen und uns damit den österreichischen Nachbarn gleichzustellen. Sonst wäre das wirtschaftlicher und ökologischer Unsinn.“

Entscheidend bei der Pandemiebekämpfung sei an erster Stelle die Impfquote, hier sollten Anreize geschaffen werden und eine 2G-Regelung für den Wintersport könnte ein starker Anreiz sein, meint der VDS. „Wintersport kann als Motivations-Booster für die Impfung genutzt werden“, ist Matthias Stauch überzeugt. „Eine 2Gplus-Regelung bestraft dagegen alle Geimpften.“

Angst vorm Lockdown

Ein bedrohlicher Schatten des absoluten Super-Gaus, nämlich eine Absage der Wintersaison durch einen Lockdown, zeichnet sich nach Sicht der Branche bereits ab: In einigen Landkreisen wurde in Bayern bereits jetzt wieder ein Lockdown bis 15. Dezember verfügt und es sei nicht auszuschließen, dass es danach trotz gegenteiliger Aussagen der Politik so weitergehen könnte. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass nicht mit Verlässlichkeit zu rechnen sei. „Hier wurde der Branche mit häppchenweisen Lockdowns schließlich fast die komplette Wintersaison gestrichen.”

Sorge bereitet den Unternehmen auch die Aussicht auf einen erneuten „wilden Zulauf“ in den Skigebieten, wie er vergangene Saison zu beobachten war. Trotz geschlossener Infrastruktur und Pisten wurden viele Regionen regelrecht überrannt, ohne Rücksicht auf den Infektions- oder auch den Naturschutz. Hier sei die Lenkungsfunktion und der kontrollierte Ablauf durch geöffnete Seilbahnen und Schlepplifte unbedingt nötig.

Der Präsident kritisiert, dass im Sommer der Wahlkampf offenbar wichtiger gewesen sei als die Pandemie: „Wir müssen erneut die Versäumnisse der Politik ausbaden und als Bauernopfer herhalten,“ so Stauch.

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