Zwischen Schnelltests und Einzelbetreuung

Corona-Ausbruch im Seniorenheim: BRK-Kreisgeschäftsführer schildert die Situation in St. Michael

Rettungswagen stehen vor dem Seniorenheim St. Michael in Füssen
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Kurz vor dem Impfstart in Deutschland, ist das Corona-Virus im Seniorenheim St. Michael in Füssen ausgebrochen.

Füssen – Kurz vor dem Start der Corona-Impfungen in Deutschland ist das Virus im Seniorenheim St. Michael ausgebrochen (der Kreisbote berichtete). Ende vergangene Woche waren 23 Bewohner mit dem Virus infiziert, wie Thomas Hofmann, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuz im Verband Ostallgäu, auf Nachfrage des Kreisbote informiert. Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert er die derzeitige Situation. „Wir sind sehr betrübt, dass auch unser Haus St. Michael betroffen ist“, so Hofmann. Zumal das Haus bisher gut durch das „Corona-Jahr“ gekommen sei.  

Wie es zu dem Ausbruch kam, ist unklar. „Wann sich jemand genau infiziert hat, lässt sich kaum feststellen. Allerdings traten die ersten positiven Testergebnisse bereits vor dem Impfstart auf“, so Hofmann. „Zunächst war ein Mitarbeiter in einem Schnelltest auffällig. Ob das allerdings die Ursache ist, können wir nicht feststellen. Zu der Zeit waren auch Besuche möglich und die Bewohner konnten das Haus verlassen.“

Das Seniorenheim im Füssener Westen hat 95 Pflegeplätze, wobei derzeit ein Aufnahmestopp herrscht. Ende vergangener Woche wurden 23 Bewohner positiv auf Covid-19 getestet. Da die Bewohner allerdings regelmäßig getestet werden, kann sich die Zahl der Infizierten schnell ändern.

Impfungen sind abgeschlossen

Mittlerweile seien alle Bewohner des Seniorenheims, die sich für eine Impfung entschieden haben, geimpft. „Positiv getestete Personen werden zunächst nicht geimpft, allen anderen wird eine Impfung angeboten“, erklärt der BRK-Kreisgeschäftsführer das vorgeschriebene Vorgehen. „Jeder Bewohner kann sich dazu frei entscheiden. Man muss aber dazu feststellen, dass der Impfschutz über einen längeren Zeitraum aufgebaut wird und nicht praktisch sofort mit der Erstimpfung vollständig eintritt.“

Für die Senioren, die sich mit dem Virus infiziert haben, hat das BRK einen Isolationsbereich hergerichtet. Diesen dürfen die Erkrankten nicht verlassen. Außerdem werden sie von separatem Personal versorgt. „Damit soll der Kontakt zwischen infizierten und nicht infizierten Bewohnern unterbleiben“, sagt Hofmann. „Auch die gesamte Pflege und Betreuung ist entsprechend zweigeteilt. Bei allen Mitarbeiter finden täglich zu Dienstbeginn Schnelltests statt, so dass auffällige Personen das Haus nicht betreten.“

Einzelbetreuung auf den Zimmern

Doch auch die gesunden Bewohner müssen mit Einschränkungen klar kommen, da sie als Kontaktpersonen gelten. Deshalb steht das gesamte Haus aktuell unter Quarantäne. „Gruppenangebote und Treffen mussten eingestellt werden, stattdessen findet nun täglich Einzelbetreuung auf den Zimmern der Bewohner statt“, sagt der Kreisgeschäftsführer. In dem Zug halten die Senioren mit Hilfe der Betreuer auch Kontakt zu ihren Angehörigen, beispielsweise durch Telefonate oder das Überbringen von Wünschen. „Wir erfahren bei den Angehörigen große Unterstützung und die kleinen Aufmerksamkeiten bereiten den Bewohnern Freude in Zeiten der Einschränkungen.“

Doch nicht nur Senioren, sondern auch einige Mitarbeiter des Heims haben sich mit dem Virus infiziert. Kommt es deshalb zu Betreuungsengpässen? Das verneint der BRK-Kreisgeschäftsführer. „Da zur Zeit keine Urlaubszeit ist, können wir trotz Quarantänemaßnahmen auf einen relativ großen Mitarbeiterstamm zurückgreifen“, sagt Hofmann.

Versorgung ist gewährleistet

„Zusätzlich werden die Mitarbeiter auch durch Kräfte aus anderen unserer Einrichtungen unterstützt. Ebenso haben wir zusätzliche externe Kräfte hinzugezogen, so dass die Versorgung der Bewohner gewährleistet ist.“ Daneben seien die Pflegekräfte bereit, zusätzliche Dienste zu übernehmen und für ihre Kollegen einzuspringen. „Alle Beteiligten arbeiten hoch engagiert und unterstützen sich gegenseitig wie auch die Bewohner, so dass auch in dieser Zeit die Pflege und Betreuung gewährleistet werden kann.“

Das BRK hat während des Krisenjahres einen Notfallplan für solche Situationen entwickelt. Das Seniorenheim St. Michael habe laut Hofmann einen ausreichenden Vorrat an Desinfektionsmitteln und Schutzausrüstung. Neben regelmäßigen Schnelltests, werden Kontakte soweit es geht reduziert oder finden unter entsprechenden Schutzvorkehrungen statt.

Demente Bewohner tun sich mit der Situation schwer

Außerdem wurden die Mitarbeiter in verschiedenen Fortbildungen für solche Situationen geschult. „Wir sind in Kontakt mit dem Gesundheitsamt und stimmen alle Maßnahmen ab“, so Hofmann. Dennoch bleibe es nicht aus, dass das BRK immer wieder Abläufe umorganisieren oder kurzfristig reagieren muss. „Eine gewisse Schwierigkeit stellen die dementen Bewohner dar, die sich naturgemäß schwer tun, die Situation zu verstehen und die Kontakte einzuschränken“, erklärt der Kreisgeschäftsführer.

Aber: „Wir alle tun unser Bestes, um mit großem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Unterstützung der Angehörigen auch in dieser herausfordernden Situation unsere Bewohner gut zu versorgen.“

Katharina Knoll

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