Finanzausschuss befürwortet Anschaffung der Geräte für 72.000 Euro

Füssener Mittelschule bekommt Luftreiniger

Bürgermeister Maximilian Eichstetter (rechts), die Leiterin des städtischen Kindergartens Zwergenburg, Elke Galm, und Hotelier und Stadtrat Simon Hartung, der die Lüftungsgeräte dem Kindergarten leiht.
+
Bürgermeister Maximilian Eichstetter (rechts), die Leiterin des städtischen Kindergartens Zwergenburg, Elke Galm, und Hotelier und Stadtrat Simon Hartung, der die Lüftungsgeräte dem Kindergarten leiht.

Füssen – Die Mittelschule soll schon bald 24 mobile Hochleistungsluftreiniger für ihre Klassenzimmer und Fachräume bekommen. Das entschied der Haupt- und Finanzausschuss in seiner Sitzung am Dienstag im Haus Hopfensee bei drei Gegenstimmen. Schon in zwei bis drei Wochen könnte die Lieferung der Geräte, mit der das Corona-Infektionsrisiko an der Schule gesenkt werden soll, erfolgen, kündigte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) an. Aber auch bei SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth ist die Genugtuung groß. Und die Mittelschule ist nicht die einzige Einrichtung, die sich über Luftfilteranlagen freuen kann.

Energisch hatte SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth zuletzt die Ausstattung der städtischen Schulen mit Luftfilteranlagen gefordert und einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag gestellt. Die Geräte filtern Feinpartikel durch Umluft-Wäsche aus der Luft und senken dadurch das Risiko, sich mit dem Corona-Virus anzustecken. Dementsprechend erfreut äußerte sich die Lehrerin am Dienstagabend über die Ankündigung Eichstetters, kurz vor der Sitzung ein passendes Angebot gefunden zu haben und 24 Geräte für die Mittelschule bestellen zu wollen. „Das ist eigentlich unser Antrag“, sagte sie. Im Vorfeld der Sitzung hatte sie sich gegenüber dem Kreisboten noch darüber geärgert, dass ihr Antrag nicht auf der Tagesordnung für die Sitzung auftauche. Denn das Ziel müsse sein, den Schulbetrieb dauerhaft trotz des Corona-Virus aufrecht zu erhalten. „Es gibt genügend Beispiele im Landkreis, bei denen ganze Schulen geschlossen werden mussten.“ Eichstetter erklärte dagegen auf Nachfrage des Kreisboten, dass er bereits seit mehreren Wochen an dem Thema Luftreinigungsanlagen für die Füssener Schulen und Kindergärten dran sei.

Dass die Suche nach einem geeigneten Angebot so lange gedauert habe, erläuterte er am Dienstagabend mit den Anforderungen an die Geräte. So müssten vor allem Leistung und Lautstärke sowie die Wartungsintervalle stimmen. Sind die Geräte zum Beispiel zu laut, sind sie ungeeignet für den Unterricht. Entschieden habe er sich nun für ein Angebot der Firma Trotec. Deren Geräte seien mit 45 Dezibel sehr leise. Darüber hinaus könne die Stadt die Geräte für jeweils 3000 Euro statt der üblichen 4500 Euro anschaffen. Vom Freistaat bezuschusst wird der Kauf allerdings nicht, da die betroffenen Klassenzimmer gelüftet werden können und somit von einer Förderung ausgeschlossen sind. Die erforderlichen 72.000 Euro werden im Nachtragshaushalt der Stadt bereit gestellt (der Kreisbote berichtete).

Lange Lieferzeiten

Die Lieferzeit beträgt laut Eichstetter nur zwei bis drei Wochen. Bei anderen Firmen seien sie teilweise erst im kommenden Jahr zu haben. „Diese Geräte sind momentan so verfügbar wie Toilettenpapier im April.“ Der Rathauschef betonte aber auch, dass die Geräte das vorgeschriebene regelmäßige Lüften der Klassenzimmer nicht ersetze. „Es braucht dennoch Frischluft!“ Ausgestattet werden sollen mit den Geräten 16 Klassenzimmer und acht Fachräume der Mittelschule. Die Turnhalle, Sanitärräume sowie vier Klassenzimmer und das Lehrerzimmer sind bereits mit einer modernen Anlage zum Austausch der Luft mit Frischluft ausgestattet.

Grünen-Stadtrat Wolfgang Bader äußerte allerdings Zweifel, ob die Mittelschule tatsächlich 24 Räume mit den Geräten ausstatte müsse. Er bat darum, diese Zahl bei der Schulleitung nochmals zu überprüfen. „So weit ich weiß, ist Querlüften immer noch effektiver“, sagte er. Eichstetter entgegnete, dass er die Zahl 24 am Montag persönlich abgeklärt habe. Die Schulleitung habe dabei angekündigt, bei weniger als 24 Lüftern diese nach Klassengröße verteilen zu wollen. Auch Baders Ex-Fraktionskollegin Deckwerth widersprach ihm. „Wir sehen die Infektionsrate. Mit Lüften allein ist es nicht getan!“

Kritik in eine ganz andere Richtung äußerte dagegen Christine Fröhlich von den Freien Wählern (FW). „Ich finde es befremdlich, dass die Staatsregierung die Förderung ankündigt, im Kleingedruckten aber steht, dass es nur Zimmer betrifft, die nicht gelüftet werden können“, erklärte sie. „Wo gibt's denn solche Räume?“ So sei die Ankündigung der Staatsregierung „einfach nur Populismus“. Widerspruch aus der CSU erhielt sie dafür nicht.

Die Mittelschule ist aber nicht die einzige städtische Einrichtung, die sich über Luftreiniger freuen kann. Seit Montag ist der Kindergarten „Zwergenburg“ in Hopfen bereits mit mobilen Lüftungsgeräten ausgestattet. Möglich machte das CSU-Stadtrat Simon Hartung vom gleichnamigen Seehotel, der auf Anfrage Eichstetters sich bereit erklärte, seine mobilen Geräte, die wegen des Teillockdowns nicht benötigt werden, zur Verfügung zu stellen.

Hohe Luftqualität

Mit einer Anlage zum Austausch der Luft bereits ausgestattet ist nach Angaben der Stadtverwaltung auch die Füssener Grundschule – mit Ausnahme des Lehrerzimmers. Eingebaut wurden die Anlagen demnach in den Jahren 2009 und 2010. Die Stadt ließ sich die Maßnahme damals über 100.000 Euro kosten.

Die verbauten Anlagen tauschen drei Mal in der Stunde die komplette im Raum befindliche Luft mit Frischluft aus. Dadurch entspreche die Luftqualität stets annähernd der Luft im Freien. Positiv auch: mit einer Wärmerückgewinnung von 85 Prozent sei die Anlage besonders klimafreundlich, mit einer Geräuschentwicklung von 44 Dezibel zudem sehr leise. Anfang November sei die Leistung der Anlagen von 70 auf 100 Prozent hochgefahren worden.

Eichstetter will eigenen Angaben zufolge weiter an dem Thema dran bleiben. Ein mögliches Problem ist bereits aus der Welt geschafft: denn unklar war zunächst, ob die Sicherungen der Mittelschule dem hohen zusätzlichen Strombedarf der mobilen Anlagen standhalten. Ein Techniker habe sich die Situation inzwischen angeschaut und bestätigt, dass die Geräte ohne Komplikationen angeschlossen werden können. Da derzeit sehr lange Lieferzeiten für die mobilen Umluft-Filter-Anlagen bestehen, hofft Eichstetter nun, dass weitere Hoteliers und Gastronomen helfen und der Stadt als Übergangslösung Filteranlagen für die Grund- und Mittelschule ausleihen.

Als weitere Maßnahme, um Schülern und Lehrern eine optimale Luftqualität gewährleisten zu können, hat der Rathauschef sogenannte CO2-Ampeln bestellt. Dabei handelt es sich um Messgeräte, die anzeigen, wann die Fenster in einem Raum geöffnet werden sollten.

mm

Wer die Anschaffung von Raumlüftern für städtische Einrichtungen unterstützen will, kann an die Stadt Geld spenden: Konto: DE20 7335 0000 0000 0000 18 bei der Sparkasse Allgäu.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

20 Prozent der Wohnungen sind Zweit- oder Ferienwohnungen
20 Prozent der Wohnungen sind Zweit- oder Ferienwohnungen
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu: Inzidenzwert in Kaufbeuren steigt deutlich über 50, im Landkreis auf über 30
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Kaufbeurer Inzidenz verdoppelt – Wert im Landkreis unverändert
Corona im Ostallgäu und Kaufbeuren: Kaufbeurer Inzidenz verdoppelt – Wert im Landkreis unverändert
Soziales und Bezirksumlage verursachen Mehrkosten – Ostallgäuer Kliniken defizitär – Neuverschuldung
Soziales und Bezirksumlage verursachen Mehrkosten – Ostallgäuer Kliniken defizitär – Neuverschuldung

Kommentare