Wohnungsnot: Fachleute und Politiker fordern eine Quote für bezahlbaren Wohnraum

Quote als Allheilmittel?

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Auf der Guggemoswiese will die Firma Hubert Schmid neue Wohngebäude bauen. Sozialen Wohnungsbau soll es dort trotz vielfältiger Forderungen unter anderem vonseiten der Füssener SPD aber nicht geben.

Füssen – Bezahlbarer Wohnraum ist bekanntermaßen in Füssen kaum vorhanden. Eine Quote für „bezahlbaren Wohnraum“ für die Stadt Füssen forderte deshalb Sergej Hollmann vom Netzwerk „Arbeitskreis für bezahlbaren Wohnraum“ vergangene Woche beim SPD-Stammtisch.

Hintergrund der Veranstaltung ist die geplante Bebauung der Guggemoswiese durch die Firma Hubert Schmid. Es sei wichtig, „mit Schmid ins Gespräch zu kommen“, so der Tenor des Abends.

„Der Bedarf ergibt sich aus dem Anteil geringer Einkommen. Als Sofortmaßnahme sollten bei neuen Bauvorhaben ab zehn Einheiten eine gewisse Prozentzahl der neuen Wohnungen in Sozialbindung kommen“, erklärt Hollmann mit Blick auf das Projekt Guggemoswiese.

Dieses wirft, wie bereits mehrfach berichtet, einen ganzen Fragenkatalog auf. Der SPD-Stammtisch war daher gut besucht und stellte unter der Leitung des neuen SPD-Stadtrats Georg Waldmann zahlreiche Aspekte zur geplanten Wohnbebauung zur Diskussion – bis hin zu Fragen der Stadtentwicklung, die sich nicht nur mit Blick auf das Filet-Grundstück zwischen Sonnen- und Glückstraße ergeben. Besitzer ist die Baufirma Hubert Schmid aus Marktoberdorf.

Enorme Defizite

Sigrid Hahn und Sergej Hollmann vom Netzwerk „Arbeitskreis für bezahlbaren Wohnraum“ wiesen eindrücklich auf enorme Defizite hin. In Füssen sei „günstiger Wohnraum nur selten vorhanden“, unterstrich Hollmann. „Die Bewerberzahlen für solche Wohnungen belaufen sich auf 30 Bewerber und mehr je Wohnung.“ Mitbewerber um diese Wohnungen seien auch Personen „ohne Vermittlungshemmnisse“ wie beispielsweise Arbeitslosigkeit, Behinderung oder psychische Erkrankungen. Alle Mitglieder des Netzwerkes Füssen würden in ihrer täglichen Praxis feststellen, dass es „viel zu wenige preisgünstige Wohnungen in Füssen gibt“, ergänzte Hahn.

Bereits für Paare und Familien aus dem Mittelstand sei der Markt problematisch, so Stadtrat Waldmann mit Hinweis auf eigene Erfahrungen bei der Wohnungssuche. Dies bestätigte auch Michele Graßal, der am Abend teilnahm, „weil wir als Anwohner der Guggemos-Wiese Wünsche haben.“ Im Plan solle die architektonisch regionale Bauweise einfließen. Wichtig sei vor allem, dass es bei einer „demographisch bunt gemischten Ecke für die Bewohner“ bleibe, wenn die Schmid-Neubauten fertig gestellt sind.

Deckwerth für Quote

Sergej Hollmann warnte dagegen vor „Ghettoisierung“ und kritisierte Wohnviertel „nur für vermögende Personen, wie sie in Füssen zuletzt entstanden sind“. Um ein Miteinander – auch von Generationen zu ermöglichen – sieht die Füssener SPD mit ihrer Vorsitzenden Ilona Deckwerth ebenso wie Freie Wähler-Chefin Fröhlich die Chance in einer Maßnahme, die beispielsweise schon in München Erfolge zeigt. Hier sei Handeln notwendig geworden, weil es in Deutschland den „sozialen Wohnungsbau“ aus den Jahren nach 1945 nicht mehr gibt, erklärte Hahn.

In Hinblick für das besondere Bauvorhaben Guggemoswiese sollte deshalb – so der Konsens – für bezahlbaren Wohnraum vom Stadtrat eine Quote festgelegt werden. Neu-Stadtrat Peter Hartung (CSU) begründete in der Versammlung, warum er den Antrag gestellt hatte, die „Guggemoswiese“ bei der letzten Sitzung des Stadtrates als Tagesordnungspunkt zu streichen (der Kreisbote berichtete). Ihm sei aufgefallen, dass „zu viele Fragen offen sind“. Jetzt sei die Verwaltung gefragt, genaue Richtlinien für die Planung vorzulegen. „Beim bereits beschlossenen Wettbewerb der Architekten zur Guggemoswiese geht es nur um eine Visualisierung der Möglichkeiten“, stellte Hartung klar.

Keine Architekten anwesend

Bedauert wurde im Plenum, dass die vom Veranstalter angekündigten Architekten nicht anwesend waren. CSU-Mitglied Christoph Weisenbach vom gleichnamigen Immobilienbüro erklärte aber: „Wir arbeiten schon an einem Konzept, um die Wohnsituation in Füssen auch langfristig zu verbessern.“ Fest steht, wie unsere Zeitung auf Nachfrage bei Pfarrer Joachim Spengler erfuhr, dass in der Kirchstraße und beim „Haus der Begegnung“ der evangelisch-lutherischen Gemeinde alles beim Alten bleibe. „Dieses Grundstück wird nicht veräußert, das Haus in Nachbarschaf t unserer Christuskirche und der Guggemoswiese bleibt stehen.“

Chris Friedrich

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