Entwurf für neues Nahversorgungszentrum in der Kemptener Straße fällt vorerst durch

Neuer »Norma«: Stadträte kritisieren Flächenverbrauch

Wiese in der Kemptener Straße in Füssen
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Auf der großen Freifläche südlich der Kemptener Straße wollen Regensburger Projektentwickler ein modernes Nahversorgungszentrum errichten.

Füssen – Weil SPD und Freie Wähler im Stadtrat den Flächenverbrauch für ein geplantes Nahversorgungszentrum mit einer Norma-Filiale sowie einem Bio- und Getränkemarkt in der Kemptener Straße als zu hoch erachten, hat das Stadtparlament eine Billigung der Vorentwurfsplanung auf Antrag der Freien Wähler (FW) zunächst zurückgestellt. Während die Projektentwickler mit ihren potenziellen Mietern nun nochmals über den Flächenbedarf verhandeln sollen, will sich der Stadtrat über die jüngste Novelle des bayerischen Landesplanungsgesetzes informierten. Diese sieht eine spürbare Reduzierung des Flächenverbrauchs im Freistaat vor.

Nach dem der Stadtrat Ende September die Aufstellung des Bebauungsplans W40 für das betreffende, rund 11.200 Quadratmeter große Areal in der Kemptener Straße zwischen dem ehemaligen VW-Autohaus Heuberger und dem THW beschlossen hatte, sollten die Ratsmitglieder am Dienstagabend im „Haus Hopfensee“ eigentlich den Vorentwurf der Planungen billigen und die Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Bauleitplanverfahren einleiten.

Die Küblböck Unternehmensgruppe aus Regensburg will, wie bereits im Kreisboten berichtet, dort einen modernen Nahversorgungsstandort entwickeln. Konkret geplant sind der Bau von zwei Gebäuden mit bepflanzten Flach- und Pultdachausführung im Süden und Westen des Grundstücks sowie ein Parkplatz mit rund 142 Parkplätzen für beide Gebäude, darunter vier Behinderten- und fünf Eltern-Stellplätze. „In den vorgesehenen Gebäuden sind jeweils zwei Ladeneinheiten, also gesamt vier Mieteinheiten geplant“, erklärte Alexander Hoffmann von der Küblböck Projektentwicklungs-GmbH den Ratsmitgliedern.

Demnach ist das südlich in Richtung Hang geplante Gebäude für einen neuen Norma-Discounter mit rund 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie einen Anbieter von Tiernahrung und ähnliches vorgesehen (650 Quadratmeter Verkaufsfläche). „Das westliche Gebäude ist für einen Bio-Lebensmittelmarkt mit ca. 650 Quadratmetern Verkaufsfläche und einen Getränkemarkt mit ca. 700 Quadratmetern Verkaufsfläche angedacht“, so Hoffmann weiter. Die Gesamtverkaufsfläche beträgt 3200 Quadratmeter.

Keine nachteiligen Auswirkungen auf den Handel in der Innenstadt

Damit sei das Vorhaben nach den Vorgaben des Landesplans verträglich, haben Hoffmann zufolge Untersuchungen der Erlanger Markt und Standort Beratungsgesellschaft mbH ergeben. Nachteilige Auswirkungen auf den Handel in der Innenstadt seien ebenfalls nicht abzusehen.

Auch die Regierung von Schwaben habe in einer ersten Stellungnahme ihre Zustimmung signalisiert. „Es sind keine Nachteile zu erwarten!“, betonte Hoffmann. Zumal keine sogenannten zentrenrelevanten Sortimente angeboten werden sollen, wie Martin Gehring von der Küblböck Projektentwicklungs-GmbH auf Nachfrage von CSU-Stadtrat Christoph Weisenbach erläuterte. Dieser hatte – auch mit Blick auf die Innenstadt – zu bedenken gegeben, dass zusammen mit dem neuen Edeka-Markt in der Hopfener Straße derzeit 5900 Quadratmeter Verkaufsfläche in der Genehmigungsphase seien.

Viel Verkehr

Die Zu- und Abfahrt auf das Gelände soll über die Kemptener Straße erfolgen. Um für mehr Sicherheit zu sorgen, soll auf Höhe des bestehenden Norma-Marktes eine Querungshilfe über die Kemptener Straße gebaut werden (der Kreisbote berichtete). Wie mit dem dort verlaufenden Radweg und den Radfahrern verfahren werden soll, müsse in den Detailplanungen ausgearbeitet und in einem städtebaulichen Vertrag festgehalten werden, erklärte Alexander Hoffmann auf Nachfrage von Dr. Martin Metzger (BfF). „Wir suchen den bestmöglichen Weg“, versicherte er. Gleiches gelte für die hohe Zahl an Schülern, die die Kemptener Straße dort passieren und an die Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) erinnerte.

Kritik an Flächenfraß

Bei den Räten der Freien Wählern und SPD stieß hingegen der vorgesehene Flächenverbrauch auf Kritik. „Warum plant man das immer noch so altbacken?“, wollte FW-Stadträtin Christine Fröhlich mit Blick auf die Größe der Parkfläche wissen. Dass es mittlerweile andere Lösungen gebe, zeige beispielsweise der geplante Edeka-Markt.

Auch Erich Nieberle und Ilona Deckwerth von der SPD äußerten erhebliche Zweifel am Flächenverbrauch. Deckwerth wies darauf hin, dass 40 Prozent des überplanten Areals für Parkplätze genutzt werden soll. Dabei habe der Landtag erst vor wenigen Tagen eine Novellierung des Landesplanungsgesetzes verabschiedet, die das Ziel habe, den Flächenverbrauch im Freistaat spürbar zu reduzieren, betonte sie.

Kunden parken am liebsten ebenerdig

Projektentwickler Hoffmann erwiderte, dass andere Formen des Parkens als ebenerdig vor den Gebäuden bei potenziellen Mietern nur schwer durchsetzbar seien. Studien hätten ergeben, dass die meisten Kunden am liebsten ebenerdig parken und nicht unterirdisch oder auf Stockwerken. „Die Mieter haben deshalb eine gewisse Scheu vor so etwas“, sagte er. Immerhin gehe es dabei auch um die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. „Mieter haben große Schwierigkeiten, andere Möglichkeiten zu akzeptieren.“

Darüber hinaus sei nicht geplant, die Parkflächen auch zu versiegeln. Er werde die Anregung mit in die weiteren Detailplanungen nehmen, kündigte er aber an. CSU-Stadtrat Weisenbach bestätigte die Aussagen Hoffmanns. „Es gibt viele Untersuchungen, die belegen, dass die Menschen nicht in Tiefgaragen fahren wollen“, berichtete er.

Keine Wohnungen im reinen Gewerbegebiet

Dem von SPD-Ratsmitglied Erich Nieberle ins Spiel gebrachte Bau von Wohnungen über den Märkten erteilten aber nicht nur die Regensburger Projektentwickler, sondern auch das Landratsamt eine Absage. Wie Bauamtsleiter Armin Angeringer erläuterte, betrachte die Kreisbehörde das Gebiet als reines Gewerbegebiet, womit Wohnungen dort nicht zulässig seien.

Bevor das Stadtparlament jedoch endgültig über den Vorentwurf entscheiden und die Beteiligung der Öffentlichkeit beschließen konnte, stoppte Dr. Anni Derday (FW) das Bauleitplanverfahren mit ihrem Antrag zur Geschäftsordnung jedoch vorerst.

Nun sollen die Projektentwickler zunächst noch einmal Gespräche mit ihren potenziellen Mietern führen, um eine Verkleinerung der vorgesehenen Fläche zu erreichen. Gleichzeitig soll sich der Stadtrat über die Novellierung des Landesplanungsgesetzes informieren, so die mehrheitliche Entscheidung des Gremiums. Zweiter Bürgermeister Christian Schneider (Füssen-Land) kritisierte das: „Mir tut es leid, dass wir das jetzt vertagen“, sagte er.

Über Alternativkonzept nachdenken

Martin Gehring von der Küblböck Projektentwicklungs-GmbH kündigte am Donnerstag auf Nachfrage unserer Zeitung an, in den kommenden Tagen und Wochen über ein Alternativ-Konzept nachdenken zu wollen. Denkbar sei etwa, dem Stadtrat das nächste Mal zwei Varianten des Projekts vorzustellen, sagte er.

mm

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