Mehr Leistung bei gleicher Immission

Experte informiert Zweckverband Allgäuer Land über den 5G-Ausbau und die Mobilfunkabdeckung im Füssener Land

Mobilfunkmast vor blauem Himmel
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Wie es mit der Mobilfunkabdeckung im Füssener Land bestellt ist, darüber hat Experte Dr. Peter Nießen die Bürgermeister der Mitgliedskommunen des Zweckverbands Allgäuer Land vor dem Hintergrund des 5G-Ausbaus informiert.

Füssen/Landkreis – Wie es um den Ausbau der neuen Mobilfunkgeneration steht, der Netzabdeckung im Allgemeinen und der Strahlenbelastung in den jeweiligen Mitgliedsgemeinden, darüber hat Diplom-Physiker Dr. Peter Nießen die Mitgliedskommunen des Zweckverbands Allgäuer Land (ZVAL) jetzt informiert. Denn in der ersten Sitzung des ZVAL in der neuen Wahlperiode hatten es die Bürgermeister als sinnvoll erachtet, eine Strategie für den 5G-Ausbau zu haben (der Kreisbote berichtete).

Bereits 2008 hat der Zweckverband das unabhängige Fachinstitut für Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt Köln (EMF-Institut) damit beauftragt, ein Mobilfunkminimierungskonzept zu erstellen. In einem zweiten Schritt sollten dann baurechtliche Maßnahmen die Planung unterstützen, um eine strahlungsminimierte Mobilfunkversorgung zu erreichen.

Heutzutage geht es auch um die neue Mobilfunkgeneration. „5G wird so dargestellt, als wäre es dringend notwendig, um die Welt zu retten oder Deutschland über Wasser zu halten“, sagte Nießen. Doch das kann der Experte nicht so ganz nachvollziehen. Grundsätzliche sollte auch hier versucht werden, die Immission so niedrig wie möglich zu halten.

Beim 5G-Ausbau sei für den ZVAL am wichtigsten, dass es auch über die bisherigen Mobilfunkfrequenzbereiche genutzt werden kann. Maximilian Eichstetter (CSU), Füssener Bürgermeister und Vorsitzender des ZVAL, berichtete, dass die Telekom nach eigenen Angaben in der Region bereits viele Masten umgestellt hätte, da diese nur eine neue Software brauchen, um auf 5G umzurüsten. Das sei richtig, bestätigte der Experte. „Bei den modernen Masten muss nicht einmal ein Techniker kommen. Die Software wird aus der Ferne aufgespielt.“ Diese Umstellung funktioniere, wenn die Antenne im gleichen Frequenzbereich bleibe. Deshalb falle zum Teil gar nicht, ob sie bereits umgestellt wurde.

„Was ist dann für uns jetzt die Änderung mit der 5G Technologie“, wollte Pfrontens Bürgermeister Alfons Haf (Pfrontner Liste) wissen. Der Unterschied liege auf technischer Ebene, erklärte Nießen. Die Latenzzeiten, also der Zeitraum, den ein kleines Datenpaket vom Gerät zu einem Server im Internet und zurück benötigt, und Datenraten würden sich deutlich verbessern.

Die Immission bleibe gleich. „Das heißt, bei der biologischen Wirkung gibt es erst einmal keinen gravierenden Unterschied.“ Eichstetter wollte es genauer wissen: „Die Umstellung der Masten bringt keine zusätzlichen gesundheitlichen Bedenken?“ Nicht wenn diese im gleichen Frequenzbereich bleiben, erklärte der Experte. Was nicht bedeute, dass dieser nicht unschädlich sei. „Das womöglich nicht, aber zurück werden wir auch nicht mehr gehen“, machte Füssens Bürgermeister klar. Dennoch sei bedenklich, dass Kommunen keinen Einfluss auf die Sendeleistung der Masten habe, außer sie ist deren Vermieter. Mitspracherecht auf Sendeleistungen gebe es keines, ebenso wenig wie ihre Begrenzung.

Weitere Standorte an der Autobahn

Dr. Nießen analysierte die derzeitige Mobilfunkversorgung mit 5G in den Mitgliedskommunen und was aus dem Konzept von 2008 geworden ist. „An der Autobahn wird man noch weitere Standorte brauchen“, nahm er dabei vorweg. Der empfohlene Mast an der A7 zwischen Pfronten und Rückholz bleibe als Vorschlag bestehen. Der an der Hochspannungsleitung bei Füssen mache für den Standort einen Großteil der Funkversorgung aus. Für die Stadt sei die 5G-Versorgung in zwei Gebiete zu unterscheiden. Den Innenstadtbereich, wo sich die „Basisstationen etwas knubbeln“, und den Außenstadtbereich. Die Immission sei „einigermaßen erträglich“. Der Vorschlag, die drei im Konzept vorgeschlagenen Standorte für das schnelle Netz zu nutzen, habe aber schlechte Chancen. Mobilfunkbetreiber müssten dann einen Mast ab und woanders wieder aufbauen. Eine Antenne müsste südlich des Füssener Westens und in erhöhter Lage stehen, wo sie auch für die 5G-Versorgung genutzt werden könnte. Denn der bestehende Mast östlich davon könne „nicht alles abdecken“. In Nesselwang habe der Standort im Zentrum eine hohe Emission. In dem Konzept schlägt er deshalb vor, den Masten in den Außenbereich zu verlegen. Rückholz verzeichne noch immer Funklöcher. Ein Standortvorschlag wurde realisiert, wodurch ein weiterer hinfällig wurde. Wäre dieser Mast jedoch höher gebaut geworden, hätte Rückholz eine deutlich bessere Versorgung, monierte der Physiker. Für die dritte im Konzept vorgeschlagene Antenne habe laut Rückholz´ Bürgermeister Franz Erl (keine Parteizugehörigkeit) die Telekom einen Antrag gestellt, den der Gemeinderat auch befürwortet hat.

Außen- statt Innenbereich

In Seeg bleibe die Idee bestehen, „sich vom innerörtlichen Standort zu verabschieden“. Dieser sei nicht für eine zukünftige 5G-Nutzung zu empfehlen, sagte Nießen. Die Emission sei weiter gestiegen, nachdem dieser mit weiteren Funkdiensten aufgerüstet wurde. Seegs Bürgermeister Markus Berktold (CSU) sagte, die Gemeinde habe sich bereits um die beiden, bislang nicht errichteten Masten aus dem Konzept des EMF-Instituts bemüht. Einer davon soll am Hochspannungsmasten bei Seeg-Seeweiler einen Platz finden. „Würden wir diese realisieren, wäre dann jener im Ort überflüssig werden?“, wollte er vom Fachmann wissen, ebenso, ob diese die Abdeckung verbessern und eine Strahlenbelastung senken würden. Nießens Antwort kam direkt und knapp: „Ja!“

„Da ist alles gut gegangen, kann man in Roßhaupten sage“, meinte er anschließend. Die Mobilfunkversorgung habe sich – auch aus Sicht des Immissionsschutzes – sehr positiv entwickelt. In der Nachbargemeinde Rieden allerdings gebe es kaum eine Veränderung. Die Station am Wasserbehälter erzeuge höhere Emissionen. Nießen empfahl dort die Umnutzung auf andere, vorhandene Netze. Zum Immissionsschutz und der Versorgung mit 5G.

Schwierige Versorgung in Schwangau

In Schwangau regte er den Standort am Horner Bichl für das moderne Netz an. Eine Versorgung sei damit aber „auf dem gesamten riesigen Gemeindegebiet schwierig“. Die Bergregion mache ein flächendeckendes Netz dort nahezu unmöglich. Die Veränderung innerorts, von Sektor- auf Rundstrahlantennen habe mehr Spielraum für die Netzabdeckung ermöglicht. Weiterhin schlägt der Physiker vor, einen Mast an der Liftstütze des Reithlifts zu etablieren, da dieser Standort topographisch wesentlich höher liegt als das Versorgungsgebiet.

Hopferau sei ähnlich wie noch 2008 versorgt. Jedoch ist aus der Rundstrahl- eine Sektorantenne geworden, die für 5G geeignet sei. Rudi Achatz (Freie Wähler) wollte als Rathauschef der Kommune wissen, wie es um die Strahlung bei dieser stehe. „Die Emission ist aktuell noch nicht geprüft. Das müsste noch gemacht werden“, antwortete Nießen. Ein neuer Standort, vornehmlich für die Versorgung der Autobahn, sei hinzugekommen. Dieser spiele auch für die Nachbargemeinde Eisenberg eine Rolle. Dort habe sich nichts wesentliches geändert und die bestehenden Standorte seien für 5G nicht geeignet. Die Burgruine oder ein Alternativstandort in der Nähe schlägt er weiterhin dafür vor.

Gedanken sollten sich weiterhin alle darüber machen, wo neue Masten hinkommen könnten – für den Fall, dass Angebote kommen, empfahl Bürgermeister Eichstetter. „Füssen spricht da aus Erfahrung. Lieber sagen wir von unserer Seite aus, wo ein Standort verträglich ist.“ Außerdem, fügte der Experte hinzu, seien die Funkanbieter verpflichtet, Standortvorschläge zu prüfen.

sh

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