Mit knapper Mehrheit dafür

Geplanter Parkplatz im Hopfen sorgt für Diskussionsbedarf im Umweltausschuss

Autos parken außerhalb gekennzeichneter Parkplätze an der Uferstraße in Hopfen am See.
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Wenn das Wetter mitspielt, ist das Parkchaos in Hopfen vorprogrammiert. So wie hier am vorvergangenen Wochenende.
  • VonAlexander Berndt
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  • Matthias Matz
    Matthias Matz
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Füssen – Einen neuen Radweg in Hopfen wollen zwar alle, einen provisorischen Parkplatz am östlichen Ortseingang im Landschaftsschutzgebiet (LSG) dagegen nicht. Das ist das Ergebnis der jüngsten Sitzung des Umweltbeirats. Diese hatte die Verwaltung kurzfristig für den vergangenen Mittwochabend einberufen, nachdem der BUND Naturschutz, wie bereits berichtet, Widerstand gegen die Pläne angekündigt hatte. Dessen Vertreter stehen den Plänen aber weiterhin kritisch gegenüber.

Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) nutzte die Gelegenheit, um nochmals eindringlich die Hintergründe der Pläne zu erläutern. Demnach mache es der geplante Bau eines Radweges entlang der Uferstraße am Hopfensee – mit dem eine Lücke zwischen Hopfen und Hopferau im Radwegenetz geschlossen werden soll – erforderlich, die in Hopfen vorhandenen Autoparkplätze etwa um die Hälfte zu reduzieren. So ist vorgesehen, die zwischen der Fußgängerpromenade und Uferstraße gelegenen Parkmöglichkeiten für Pkw um 90 Grad zu drehen und damit von Quer- zu Längsparkplätzen umzufunktionieren.

Kompensiert werden soll das durch eben jenen provisorischen Parkplatz östlich von Hopfen. Die dafür vorgesehene etwa 4000 Quadratmeter große Fläche liegt allerdings im Landschaftsschutzgebiet (LSG). Wie Bauamtsleiter Armin Angeringer einwarf, sei die Stadt verpflichtet, den dortigen Gastronomen die wegfallenden Parkplätze woanders zu ersetzen. Ansonsten drohe den Betrieben sogar der Entzug der Betriebserlaubnis, so der Bauamtsleiter.

BUND Naturschutz Füssen und ASF-Frauen lehnen Vorhaben ab

Gegen den geplanten Standort im LSG regt sich seitens Umweltschützern vom BUND Naturschutz Füssen und den ASF-Frauen aber erheblicher Widerstand. Sie lehnen das Vorhaben rundweg ab. Die Errichtung des Parkplatzes an dieser umstrittenen Stelle ist jedoch nach Meinung Eichstetters alternativlos bei der Realisierung des Radweg-Projekts.

Der Radweg müsse gebaut werden, betonte der Rathauschef. Schließlich ereigneten sich an der Uferstraße in Hopfen aufgrund der dortigen äußerst angespannten Verkehrssituation mit einer massiven Frequenz an Pkw immer wieder „zum Teil schwere Unfälle“. Welches Chaos drohe, habe sich erst am Muttertags-Wochenende gezeigt. Über 80 verbotswidrig im LSG abgestellte Autos seien vom Kommunalen Ordnungsdienst registriert worden.

„Absolutes Muss“

Auch der Vorsitzende des Umweltbeirats, Andreas Eggensberger (CSU), nannte den Radweg „ein absolutes Muss“ und betonte: „Wir wollen weniger Tagestouristen in Hopfen haben!“ Bei einer von ihm gegen Ende der Sitzung vorgeschlagenen Abstimmung unter den Beiratsteilnehmern zur Darstellung eines „informellen Stimmungsbildes“ votierten denn auch unter anderem Michael Käs vom Bund Naturschutz und Hubert Endhardt von den Grünen für den Radweg.

Die Einrichtung eines Ersatzparkplatzes im LSG im Osten von Hopfen lehnten jedoch nicht nur die beiden ab, nachdem Käs Eichstetter gebeten hatte, darauf zu verzichten und Over-Tourism zu verhindern: mit 8:7 fiel die Abstimmung nur denkbar knapp für den Parkplatz aus. Allerdings ist sie ohnehin nicht bindend. Letztendlich entscheidet über den Bau des Parkplatzes der Stadtrat.

Vielleicht fehlt der Stadt ja der Mut zu sagen, wir nehmen Parkplätze weg und bieten keine neuen mehr an.

Hubert Endhardt, die Grünen

Derweil plädierte Endhardt für die Einführung eines Shuttle-Verkehrs von Füssen nach Hopfen, wobei er die Frage in den Raum stellte: „Vielleicht fehlt der Stadt ja der Mut zu sagen, wir nehmen Parkplätze weg und bieten keine neuen mehr an?“

Unterdessen hat sich auch die ÖDP im Ostallgäu gegen das Vorhaben ausgesprochen. „Die ÖDP steht Planungen in sensiblen und schützenswerten Bereichen grundsätzlich skeptisch gegenüber und fragt sich, ob in diesem Fall auch ausreichend Alternativen zu einem so massiven Eingriff geprüft wurden“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des ÖDP-Kreisverbandes.

Eine Lösung des Parkplatzproblems könnte demnach ein Buspendelverkehr zum Parkplatz Achmühle/Festspielhaus und Bahnhof Weizern sein. Alternativ könnte ein Ringverkehr eingerichtet werden, der verschiedene Parkplätze in Füssen verbindet und bei dem das Parkticket als Fahrschein gilt. Dadurch könnten bereits versiegelte Flächen besser genutzt und die Eingriffe in den sensiblen Niedermoortorf vermieden werden, schreibt der stellvertretende ÖDP-Kreisvorsitzende Frank Heineke.

„Klimaliste“ für Radweg

Gegenwind kommt auch von der „Klimaliste Füssen” um die ehemalige Ostallgäuer Juso-Vorsitzende Michelle Derbach. Grundsätzlich sei man zwar gegen das Projekt, teilte diese mit. Dennoch sollten zunächst die Hopfener einbezogen und befragt werden. Lehnen die Bürger den Parkplatz ab, sollten lediglich einige wenige Parkplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen werden, damit diese nicht unter den Bauarbeiten für den geplanten Radweg leiden müssen.

Falle die Entscheidung für den Bau des Parkplatzes, dürfe dieser allerdings nicht asphaltiert werden, fordert die „Klimaliste“ weiter. Das Asphaltieren der Fläche führe zur Versiegelung des Bodens, was eine Veränderung der Bodenstruktur zur Folge habe. Das führe zum Verlust natürlicher Bodenfunktionen mit Auswirkungen auf den Wasserhaushalt oder das Kleinklima, sodass unter anderem das Risiko für Überflutungen und Überhitzung im Sommer steigt. „Über eine ansprechende Begrünung des Parkplatzes sollte zwingend nachgedacht werden“, so Pierre Rudolph, stellvertretender Vorsitzender der „Klimaliste“.

Befürwortet wird dagegen von der „Klimaliste“ der Radweg. „Je mehr Radwege, umso besser für die Umwelt und umso schneller kann das Ziel Klimaneutralität bis 2030 für die Stadt Füssen und Umgebung erreicht werden“, erklärt Vorsitzende Michelle Derbach. „Um den Touristenstrom nach Hopfen zu bewältigen, fordern wir den verstärkten Einsatz von E-Taxis, E-Bikes und eines E-Citybusses mit entsprechend sinnvoller Taktung.“ Diese könnten durch Sponsoring von Unternehmen und durch eine Landesförderung finanziert werden. So bleibe der Tourismus nicht auf de Strecke und Arbeitsplätze könnten durch diese Maßnahmen gesichert werden.

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