Füssen hat nun Grundlage für Zweitwohnungssteuer - Haus und Grundbesitzer Verein hält ihn für wenig hilfreich

Füssener Räte verabschieden Mietspiegel

Symbolbild Mietspiegel
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Seit Ende Juli wurden in Füssen fast 3200 Fragebögen an Mieter und Vermieter verschickt, um einen qualifizierten Mietspiegel für die Lechstadt zu erstellen.

Füssen – Den qualifizierten Mietspiegel, den die Stadt Füssen vor einigen Monaten in Auftrag gegeben hatte, hat der Stadtrat jetzt abgesegnet. „Wir brauchen ihn insbesondere für die Zweitwohnungssteuer“, erklärte Kämmerer Marcus Eckert. Deshalb hat sich die Stadt mit ihren Umlandgemeinden für die entsprechende Erstellung zusammengetan. Ende Juli wurden dafür knapp 7700 Fragebögen an Mieter und Vermieter verschickt. Die Ergebnisse dieser Befragung stellte Eckert jetzt dem Stadtrat vor. 

Die Erhebung der Zweitwohnungssteuer ist nach aktueller Rechtslage nur noch auf der Grundlage der Nettokaltmiete möglich. Soll eine Wohnung entsprechend besteuert werden, muss eine ortsübliche Miete geschätzt werden. Um eine rechtssichere, ortsübliche Vergleichsmiete ermitteln zu können, braucht die Stadt daher einen Mietspiegel. Da sie nicht allein vor diesem Problem steht, hat sie sich für die Erstellung mit Lechbruck, Nesselwang, Pfronten, Schwangau sowie den Verwaltungsgemeinschaften Seeg und Roßhaupten zusammengetan.

Deshalb habe die Stadt den Mietspiegel auch sehr preiswert bekommen, so der Kämmerer. Für die Erhebung wurden allein in Füssen fast 3200 Fragebögen verschickt. Da die Teilnahme bundesweit zum ersten Mal verpflichtend war, sei der Rücklauf sehr positiv gewesen. 74 Prozent der Fragebögen trudelten wieder bei der Füssener Stadtverwaltung ein. Von den 4691 Datensätzen waren am Ende 2185 verwertbar. Das ALP Institut für Wohnen und Stadtentwicklung hat daraus einen qualifizierten Mietspiegel für Füssen erarbeitet und dabei zwischen Baujahr und Größe der Wohnungen differenziert.

Das Ergebnis: Die Durchschnittsmiete in Füssen beträgt demnach 7,28 Euro pro Quadratmeter. Die günstigsten Wohnungen liegen dabei in der Größenklasse bis 60 Quadratmeter und einem Baujahr vor 1948. Ihre Miete fängt bei 4,40 Euro pro Quadratmeter an. Erwartungsgemäß am teuersten sind mittelgroße Wohnungen, zwischen 60 und 90 Quadratmeter, mit einem Baujahr ab 2010 bis 2020. Hierfür müssen die Füssener bis zu 10,24 Euro pro Quadratmeter ausgeben.

Hat eine Wohnung beispielsweise kein Badezimmer, keine Toilette oder Heizung, sinkt sie im Wert und sollte im unteren Bereich der Spanne eingeordnet werden. Eine komplette Einbauküche, einen Aufzug oder einen Wintergarten sorgen dagegen für eine Wertsteigerung. „Wird eine Wohnung saniert, rutscht sie aus einer alten in eine neue Klasse hoch“, erklärte der Kämmerer. Bei Neuvermietungen gilt der Mietspiegel jedoch nur eingeschränkt, bei Erstbezug im Neubau gar nicht.

Kritik von Hausbesitzer Verein

Die Ergebnisse wollte das Institut den Kommunen, dem Haus- und Grundbesitzerverein Füssen, den Mietervereinen Kempten und Kaufbeuren sowie mehreren Hausverwaltern Anfang November vorstellen. Doch die beiden Mietervereine sowie der Haus- und Grundbesitzerverein konnten den Termin nicht wahrnehmen.

In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte jedoch Annegret Viebig-Sandler, Vorsitzende des Haus- und Grundbesitzer Vereins Füssen, dass ihr Verein den Mietspiegel nicht für besonders hilfreich halte, weil er weitere relevante Bewertungskriterien wie die Lage der Wohnung völlig außer Acht lasse. Demnach sei er keine wirkliche Orientierungshilfe für Vermieter und Mieter. Diese Aussage nahmen die Räte zur Kenntnis. „Es wäre gut gewesen, wenn sich auch die beiden Mietvereine geäußert hätten“, meinte Eckert.

Ohne Diskussion segneten die Räte den Mietspiegel-Entwurf ab. Eine entsprechende Mietspiegelbroschüre, die derzeit noch erarbeitet wird, soll demnächst kostenfrei im Internet veröffentlicht werden.

kk

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