Ausschuss stimmt Bauvoranfrage für die Reichenstraße zu

Hotelbetrieb darf erweitern - Stadtcafé soll erhalten bleiben

Haus in der Reichenstraße in Füssen mit Stadtcafé.
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Auch nachdem der Eigentümer des Hauses in der Reichenstraße gewechselt hat, soll das Stadtcafé erhalten bleiben.

Füssen – Grünes Licht für neue Hotelzimmer in der Reichenstraße 3 bis 5 hat am Dienstag der Bauschuss gegeben. Die Räte begrüßten zwar mehrheitlich die Bauvoranfrage. Doch genau wie der Tourismus- und Marketingausschuss der Stadt sahen sie das ganze Projekt im Hinblick auf die Stadtentwicklung kritisch. Der Grund: Durch die Erweiterung eines bestehenden Hotelbetriebs wird sich der touristische Verkehr in der Altstadt erhöhen. Und das wollen die Räte eigentlich vermeiden.

Nachdem die Stadt Füssen ihr Vorkaufsrecht für das Gebäude, in dem sich im Erdgeschoss das Stadtcafé befindet, nicht genutzt hatte, erwarb der Antragsteller das Gebäude, um ein Nebenhaus zum Hotel Füssen zu schaffen. Die Pläne dafür haben die neuen Eigentümer bereits dem Stadtrat vorgestellt, berichtete Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). Sie möchten die Räume, die einmal Wohnungen sowie gewerbliche Nebenräume waren, zu neun Hotelzimmer sowie vier Appartements umbauen. Da das Gebäude im Mischgebiet liegt, sei das rechtlich auch möglich. So sollen zwischen 29 und maximal 48 neue Betten entstehen.

Außerdem möchten sie den Brandschutz auf den neuesten Stand bringen, den Innenhofbereich abbrechen und ein Treppenhaus mit Aufzug errichten. „Der Brandschutz wird eine extreme Herausforderung“, so Eichstetter. Dieser werde weit teurer, als das bei einer üblichen Sanierung der Fall ist. Daneben soll das Café im Erd- und Obergeschoss erhalten bleiben. „Das Stadtcafé bleibt das Stadtcafé“, freute sich der Bürgermeister.

Mit dem Antrag auf Vorbescheid möchten die Antragsteller nun klären, welche Arbeiten aus Sicht des Denkmalschutzes möglich sind und welche Anforderungen es stellt.

Knapp 800 Betten in der Altstadt

Differenziert sieht der Marketing- und Tourismusausschuss das Projekt, wie Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier erklärte. Positiv sei, dass ein Bestandsbetrieb mit zeitgemäßer Qualität seinen Betrieb erweitert und dadurch konkurrenzfähig bleibt. Begrüßenswert sei auch, dass dieses denkmalgeschützte Gebäude saniert werde und das Stadtcafé, das wichtig für die Stadt sei, erhalten bleibe. Aber: „Ein rein quantitatives Wachstum macht uns wirklich nicht glücklich“, so Fredlmeier. Durch den Antrag erhöhe sich die Zahl der Betten in der Altstadt auf knapp 800. Das führe gerade in der Nebensaison zu einem hohen Preisdruck. Deshalb regte der Ausschuss an, den Betrieb auf ein Viersterneniveau zu bringen. So würden die negativen Effekte verringert.

Mehr Verkehr in der Altstadt

Auf der anderen Seite führt das Projekt dazu, dass noch mehr Fahrzeuge in die Altstadt und die Ritterstraße fahren, und weiterer Wohnraum, der in Füssen eh schon knapp ist, wegfällt. Außerdem werde eine Altstadt, die immer mehr durch Unterkunftsbetriebe, Gastronomie und Einzelhandel, der überwiegend von touristischem Sortiment geprägt ist, für Einheimische und Besucher unattraktiver. „Die Altstadt entwickelt sich langsam von einem Lebensraum in einen touristischen Aufenthaltsraum“, warnte Fredlmeier. „Die Nutzungsvielfalt müssen wir schützen.“ Deshalb empfiehlt der Marketing- und Tourismusausschuss das geplante Beherbergungskonzept zu beachten und seine relevanten Punkte in die Stadtentwicklung und die Instrumente des Baurechts zu übertragen. Denn diese Punkte fehlen derzeit dort – und sind damit auch kein ausreichender Grund ein Projekt abzulehnen. Vor diesem Hintergrund und wegen fehlender Alternativen erteilte der Marketing- und Tourismusausschuss sein „Ja“ zu diesem Projekt nur unter Vorbehalt.

„Diese Anmerkungen sind alle wirklich wichtig“, sagte Eichstetter. Das Problem Verkehr in der Altstadt gehe die Stadt mit den automatischen Polleranlagen an. Wohnungen gebe es in dem Gebäude dagegen nicht mehr. Der Sanierungsbedarf sei so massiv, dass das Haus gar nicht mehr bewohnbar sei.

Gleicher Meinung wie Tourismus- und Marketingausschuss

Vielen Stadträten sprach Fredlmeier mit dieser Stellungnahme aus der Seele. „Das Dilemma, was Sie beschreiben, ist auch unser Dilemma“, sagte Dr. Martin Metzger (BfF). Oft könnten die Räte nur über die Zahl der Stellplätze ein Projekt baurechtlich ablehnen.

Auch bei diesem Projekt seien die Parkplätze noch nicht ganz geklärt, informierte Bauamtsleiter Armin Angeringer. „Eine Ablöse ist ausgeschlossen. Einfach bezahlen geht da nicht“, ergänzte Eichstetter. Laut den aktuellen Plänen sollen im Hinterhof sieben Stellplätze auf dem Nachbargrundstück nachgewiesen werden. Doch einige Parkplätze dort hätten gar nicht die nötige Ausfahrtstiefe, informierte der Bauamtsleiter. Außerdem befinden sich hier drei Stellplätze, die nachträglich hinzugekommen sind. Diese hätten die Räte aber nie befürwortet. Zurückgebaut wurden sie ebenfalls nicht. „Städtebaulich ist diese Veränderung nach wie vor nicht zu begrüßen, zumal sie den ursprünglich festgesetzten Sanierungszielen widerspricht“, heißt es dazu in den Unterlagen.

Darüber ärgerte sich Metzger. „Die drei Parkplätze links vom Eingang sind Grünfläche gewesen. Ich kann mich mit diesem Vorgehen nicht arrangieren.“ Er fügte hinzu: „Wir müssen klar signalisieren, dass wir mit diesem hin- und hergeschiebe überhaupt nicht einverstanden sind.“ Deshalb sollte die Stadt das maximal reglementieren und an eine möglichst hohe Qualität in der touristischen Ausrichtung knüpfen.

Entwicklung verschlafen

Auch Magnus Peresson (UBL) ärgerten sich darüber, dass aus dem einstigen Park mittlerweile ein Parkplatz geworden ist. Hier habe die Stadt in den vergangenen zwölf Jahren eine Reihe von Fehlern gemacht.

„Es ist zu einfach zu sagen: ,Wir haben keine Handhabe‘“, meinte zudem Jürgen Doser (FWF). Denn der Stadt fehle ein konkretes Ziel, in welche Richtung sich die Altstadt entwickeln soll. „Wir haben die Entwicklung der Altstadt seit Jahrzehnten verschlafen“, monierte er. Da gab ihm Metzger recht. „Wir müssen was machen, bevor wir den Fehlern immer hinterherrennen.“

Und genau an diesem Punkt sei die Stadtverwaltung dran, meinte Eichstetter. Nur müsse sie dafür auch das baurechtliche Werkzeug schaffen.

Mit drei Gegenstimmen von Anna-Verena Jahn (Grüne), Thomas Meiler (CSU) und Dr. Martin Metzger (BfF) segnete der Ausschuss die Bauvoranfrage ab. Allerdings müssen sich die Antragsteller an die Baugestaltungssatzung halten und die nötigen Stellplätze nachweisen.

kk

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