Bis zu 70 Prozent weniger Umsatz

Füssener Hoteliers und Gastronomen blicken auf ihre wirtschaftliche Lage während der Corona-Krise – Herbst bringt unsichere Zeiten

+
Mit Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke (2.v.r.) diskutieren die Hoteliers und Gastronomen Ralph Söhnen (v.l.), Harald Schwecke und Andreas Eggensberger über die Auswirkungen der Pandemie auf ihre Betriebe.

Hopfen – Wochenlange Schließungen und anschließend starke Konkurrenz durch die Mitstreiter aus Österreich: Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben Hoteliers und Gastronomen im Ostallgäu besonders hart getroffen.

Um sich ein Bild der Lage zu machen und zu erfahren, wie sie auf den kommenden Herbst blicken, hat sich Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke (CSU) mit Harald Schwecke und Andreas Eggensberger vom Tourismusverein Füssen, Ralph Söhnen vom Tourismusverein Weißensee und Wolfgang Sommer vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband in Hopfen getroffen.

„Die Tourismusbranche hat eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für die Region. Die Hotels und die Gastronomie sind wichtige Arbeitgeber im Ostallgäu“, so Stracke. Deshalb sei es „ein wichtiges Anliegen, mich jetzt mit Ihnen dazu auszutauschen, wie Sie durch die Zeit des Lockdowns und der ersten Lockerungen gekommen sind“.

Nach dem pandemiebedingten Tiefpunkt im Frühjahr habe man zunächst für die Zeit um Pfingsten wieder eine deutliche Zunahme der Buchungen erlebt, informierten die Tourismus-Vertreter. Bedauerlicherweise habe man dann aber eine Stornierungswelle hinnehmen müssen. Denn das benachbarte Österreich hatte die Grenzen im Mai wieder geöffnet und zugleich damit geworben, dass Besucher auch Schwimmbäder und Wellnessbereiche wieder nutzen dürften. Anders als in Bayern, wo dies deutlich strenger gehandhabt wurde.

Konkurrenz ist zu stark

„Am Ende waren es zwar nur Nuancen, die in Österreich anders gemacht wurden als bei uns. Der reisewillige Gast jedoch hat dies nicht so wahrgenommen und war dann statt ins Ostallgäu lieber nach Österreich in den Urlaub gefahren“, fassten es die betroffenen Hoteliers zusammen.

Die Folgen seien fatal gewesen: So habe der Juni teils bis zu 70 Prozent weniger Umsatz gebracht als im Vorjahr. Im Juli und im laufenden August seien die Gästezahlen aber nahe an die vom Vorjahr herangekommen. Die Hygienekonzepte für die hauseigenen Schwimmbäder und Saunabereiche, die die Ostallgäuer Hotels zwischenzeitlich erarbeitet hatten, hätten sich bis jetzt gut bewährt. Die Gäste würden sie gut annehmen. Im Wesentlichen setzen die Hoteliers auf größere Abstände und lassen insbesondere im Wellnessbereich deutlich häufiger desinfizieren. „Dass Gäste, die aus einer Hausgemeinschaft kommen, nun mitunter unser Schwimmbad für einen festgelegten Zeitraum fast ganz für sich alleine haben, kommt bestens an“, erzählte Andreas Eggensberger, Inhaber des gleichnamigen Biohotels. 

Die Pandemie hätte sich jedoch unterschiedlich stark auf die Branche vor Ort ausgewirkt, so die Unternehmer. Mit dem Ausbleiben von Reisegruppen aus dem Ausland breche ein wichtiges Standbein in der Region weg. Solche Gruppen, die vor allem zum Besuch von Schloss Neuschwanstein eine Nacht im südlichen Ostallgäu verbringen, gibt es derzeit kaum noch.

In der Gastronomie fehlen nach Auskunft der Unternehmer nach wie vor die größeren Veranstaltungen und Feste wie Hochzeiten und Betriebsfeiern mit vielen Gästen. Dafür erlebt die Region einen großen Zulauf an Urlaubsgästen. So sei zum Beispiel im Bereich der Ferienwohnungen derzeit die Lage recht gut. Festzustellen sei außerdem, dass das Allgäu ein gern angesteuertes Ziel von Tagesausflügern sei. Allerdings bringe diese Gruppe, so das Fazit, nicht in gleichem Maße den Umsatz wie Urlauber, die länger bleiben.

Kaum Hilfe durch Zuschussprogramm

Um die Liquidität in den Monaten März bis Juni erhalten zu können, haben die Betriebe teils auf die Soforthilfen, auf Kurzarbeit und mitunter auch die KfW-Kredite zurückgegriffen. „Hier hat die Politik einen sehr guten Job gemacht. Alles lief sehr reibungslos. Auch die Anträge auf Kurzarbeit wurden erfreulich rasch abgearbeitet“, lobten die Gesprächsteilnehmer.

Kritik übten die Unternehmer allerdings am 24,6 Milliarden Euro schweren Zuschussprogramm aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Es unterstützt Unternehmen, welche die Pandemie hart getroffen hat, mit Zuschüssen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Allerdings greife es bei den wenigsten Betrieben aus der Branche, berichteten die Hoteliers und Gastronomen. Dies liege daran, dass dafür der Umsatz für die Zeit von Juni bis August betrachtet werde. Da aber im Juli und August im Tourismusbereich wieder gute Umsätze erzielt wurden, könne die Branche meist nur für den Monat Juni Hilfen beantragen. 

Stracke erklärte, dass er sich deshalb bereits mit einem Schreiben an den zuständigen Bundesminister Peter Altmaier (CDU)gewandt habe. „Sie sind aufgrund der Corona-Pandemie unverschuldet in eine finanziell schwierige Situation geraten“, so Stracke. Gerade in Bayern treffe es viele familiengeführte Hotel- und Gastronomiebetriebe besonders stark. „Deshalb ist eine zielgenaue Unterstützung der Branche dringend geboten“, betonte er.

Einig waren sich die Gesprächspartner, dass ein zweiter Lockdown fatal wäre. Stracke unterstrich, dass Bayern im Falle einer zweiten Infektionswelle anstelle von flächendeckenden auf punktuelle Maßnahmen an den Corona-Hotspots setze.

Sorgenvolle Blicke in den Herbst

Positiv sahen die Hoteliers und Gastwirte die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen bis zum Juni 2021 sowie die generelle Mehrwertsteuersenkung bis Ende dieses Jahres. Diese Entlastungen könnten zwar aufgrund der wirtschaftlichen Lage nicht an den Konsumenten weitergegeben werden, tragen aber so maßgeblich dazu bei, die Verluste aus den Monaten des Lockdowns und die durch den pandemiebedingten höheren Aufwand entstandenen Mehrkosten abzufedern. Stracke meinte, dass die CSU alles daran setzen werde, den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent auf Speisen über den Juni 2021 hinaus weiter zu verstetigen.

Mit Sorge richte sich der Blick der Betriebe aber auf den Herbst. Wie es weitergeht, wenn die Ferienzeit vorbei sei und die kühle Jahreszeit beginnt, sei derzeit vollkommen unsicher. Deshalb könnten die Unternehmer auch nicht für die kommenden Wochen und Monate planen, so die Hoteliers. Angesichts dieser fehlenden Planungssicherheit sei es ein hohes Risiko, wie üblich jetzt in die Werbung für die Weihnachtsfeiertage und für Silvester einzusteigen. Gerade diese Zeiten würden den Hotels aber sonst immer eine gute Auslastung bescheren.

Stracke zeigte dafür Verständnis. „Seriös kann Ihnen derzeit keiner beantworten, was Herbst und Winter bringen werden. Sorge bereitet die Situation nach Rückkehr der Urlauber im September. Wenn das Infektionsgeschehen dann beherrschbar bleibt, ist auch eine solidere Perspektive für den Winter gegeben.“

kb

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Füssener Tunnel werden ab Montag gewartet
Füssener Tunnel werden ab Montag gewartet
Corona-Testzentren eröffnet
Corona-Testzentren eröffnet
+++ Corona-Ticker +++ 885 Fälle - derzeit 107 Personen infiziert
+++ Corona-Ticker +++ 885 Fälle - derzeit 107 Personen infiziert
Bundespolizei fasst bei Füssen erneut mutmaßliche Schleuser
Bundespolizei fasst bei Füssen erneut mutmaßliche Schleuser

Kommentare