Nach 30 Jahren ist Schluss

Kirchenmusiker Albert Frey verlässt die Pfarreiengemeinschaft Füssen

Kirchenmusiker Albert Frey an der Orgel
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Der Füssener Kirchenmusiker Albert Frey wird die Pfarreiengemeinschaft Füssen nach drei Jahrzehnten in Richtung Innsbruck verlassen.
  • vonChris Friedrich
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Füssen – Abschied mit Wehmut: Kirchenmusiker Albert Frey wird der Pfarreiengemeinschaft Füssen nach 30 Jahren den Rücken kehren und als Stimmbildner zu den „Wiltener Sängerknaben” nach Innsbruck wechseln. Frey war drei Jahrzehnte lang als Leiter von Chören und Organist in den Füssener Kirchen tätig.

Wie sehr der Musiker der Pfarreiengemeinschaft künftig fehlen wird, wurde etwa an Ostern nochmals eindrucksvoll deutlich. Von der Empore in der Stadtpfarrkirche St. Mang aus gestaltete Frey zusammen mit den Sängerinnen Margit Hornstein und Sabrina Tiedtke den Festgottesdienst für die Besucher. Dabei bewies er sein großes Können sowohl an der Orgel als auch als Countertenor im Rahmen einer „kurzen Messe“ von Leo Délbes.

Wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betonte, habe er mit Familie – Ehefrau ist die Musikerin Johanna Hengg – seinen Wohnsitz schon länger in Reutte. „Wir erwarten unser drittes Kind“, freut sich der 52-jährige Frey. Folglich spielen beim Abschied aus Füssen familiäre Gründe eine Rolle. Der Musiker freut sich darauf, die Innsbrucker Sängerknaben auf ein hohes Niveau zu bringen.

Die Konzerte, die er in den vergangenen drei Jahrzehnten in Füssen und der Region gegeben oder professionell organisiert hat, waren nicht nur zahlreich, sondern auch stets von herausragender künstlerischer Qualität. Freys Talent habe über Füssen hinaus gewirkt, bestätigt eine Notiz im Pfarrbrief. Dort steht: „Viele durften durch ihn im Hören und Mitsingen spüren, wie Musik den Menschen zu Gott führen kann. Schweren Herzens lassen wir den begnadeten Musiker ziehen.“ Füssen wünsche ihm „alles Gute und Gottes reichen Segen“. Nun hofft das Pfarramt, bald die Nachfolge regeln zu können, „damit die Chorarbeit und auch die vielfältige Kirchenmusik nicht verwaisen.“

„Ganz viel Schmerz“

Freys Vertrag in der Lechstadt läuft noch bis Ende September. Eine Verabschiedung des beliebten Kirchenmusikers ist zwar geplant, der Termin steht wegen der Corona-Beschränkungen aber noch nicht fest. Der gebürtige Mindelheimer Frey selbst gesteht im Gespräch: er fühle „ganz viel Schmerz“, wenn er jetzt aus seinem „musikalischen Wohnzimmer“ ausziehe. „Ich habe wunderschöne Erinnerungen an meine Zeit in Füssen“, sagt er.

Seine Ausbildung erhielt der Musiker am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg. Er studierte im Konzertfach Waldhorn mit Examen und anschließend Kirchenmusik.1991 kam er als Organist und Chorregent an die Stadtpfarrkirche St. Mang in Füssen. Dort war er für die gesamte Kirchenmusik in Liturgie und Konzert verantwortlich. Der Kirchenchor, das Kirchenorchester sowie der von ihm gegründete „Motettenchor Füssen” – in dem sich die Stimmen für den Kirchenchor qualifizierten – standen unter seiner Leitung.

Viele Höhepunkte

Als Organist widmet er sich besonders den süddeutschen Orgelkomponisten. Er saß gern an der großen Orgel von St. Mang, ebenso an den historischen Orgeln aus dem 18. Jahrhundert von Andreas Jäger. Höhepunkte seines Schaffens könnten viele aufgezählt werden. Frey hebt in seinem Rückblick aus dem absolvierten Riesenprogramm die Konzerte mit „Alter Musik“ heraus. Er erinnert an den begeistert aufgenommenen „Orgelsommer“ und die international ausgetragenen Orgelwettbewerbe in den Jahren 2000 und 2002. 2003 erhielt er den Hauptpreis der Münchener Kulturstiftung Bücher-Dieckmeyer als Anerkennung für seine Verdienste um die Kirchenmusik in Bayern.

Im Schuljahr 1992/93 begann außerdem seine Arbeit als angestellter Lehrer für Orgel und Waldhorn an der Landesmusikschule in Reutte. Seit 2015 ist der als Energiebündel bekannte Frey Stimmbildner bei den „Wiltener Sängerknaben”, deren Entwicklung er künftig noch intensiver fördern kann als zuletzt.

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