Die Hoffnung bleibt

Füssener Künstler kämpfen um ihre Existenz

Künstler malt mit Maske ein Bild.
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Malen mit Maske: Peter Jente fehlen die sonst üblichen Kontakte mit Kunstfreunden aus nah und fern in Füssen.

Füssen – Für Bildende Künstler, Musiker, Sänger und Schauspieler wird die Freiberuflichkeit als sogenannte Soloselbständige immer mehr zum Existenzkampf: Aufträge und Auftritte fehlen durch die Corona-Pandemie. Der Kreisbote hat mit Profis gesprochen, die als Kunstschaffende öffentliches Leben bunter machen. Im Füssener Land hoffen Petra Jaumann-Bader, Robert Wilhelm und weitere Soloselbständige, dass schon im Februar wieder mehr gehen wird als in den Monaten der Abstinenz davor.

Die Freiberuflichkeit ist meist selbst gewählt, auch in dem Bewusstsein, dass damit ein Leben voller Risiken zu gestalten ist. Die Corona-Pandemie führt dazu, dass es derzeit keine Veranstaltungen im kulturellen Bereich gibt. Folglich streichen die Künstler auch keine Gagen ein.

Aus dem Profi-Ensemble am Füssener Festspielhaus sind lauter Einzelkämpfer geworden, die alle, wie Stefanie Kock und Alexander Kerbst, sehnsüchtig darauf warten, dass sich der Vorhang wieder heben darf. Beide sind in gleich drei Musicals an unterschiedlichen Bühnen und in unterschiedlichen Rollen besetzt: „Falco“, „Die Päpstin“ und – schon seit Jahren – im zweiten Ludwig-Musical. „Gut im Geschäft“ würde man das in normalen Zeiten bezeichnen. Nun aber sitzen Kock und Kerbst in keinem Tourneebus, sondern an ihrem Hauptwohnsitz in Berlin fest.

Vom Ersparten leben

Ein anderes Beispiel: der Maler und Sprayer Robert Wilhelm. Er ist Vater zweier kleiner Mädchen. Ihm liegen zwar Aufträge vor. Aber: „Ich komme nicht dazu, weil ich Homeschooling mit einer meiner Töchter machen muss.“ Ab Februar, so Wilhelm weiter, „kann ich die Kids in die Notbetreuung geben“. Ab dem nächsten Monat könne er dann „kleinere Aufträge abarbeiten“. Bis jedoch die Rechnungen bezahlt werden, die Wilhelm ausstellt, ist seine berufstätige Frau allein fürs Einkommen zuständig.

Aus dem Topf der in Krisenzeiten zur Verfügung gestellten Förderhilfe bekam der Künstler einmalig einen Betrag, weil er bei der Künstlersozialkasse (KSK) versichert ist. Dadurch hat er den Nachweis erbracht, dass er professioneller Künstler ist. Die KSK nimmt nicht jeden auf, hierzu sind Belege vorzulegen, dass jährlich Einkünfte in einer bestimmten Höhe als freischaffender Künstler erzielt werden. Wilhelm bringt die familiäre Situation so auf den Punkt: „Wir leben vom Ersparten und dem Einkommen meiner Frau. In die Zukunft schauen wir von Woche zu Woche.“

Dass keine Passanten bei ihm spontan vorbeikommen – und vielleicht ein Bild kaufen oder in Auftrag geben – stellt Maler Peter Jente, der wie Wilhelm überregional bekannt ist, schon länger fest. Der Umzug seiner Werkstatt-Galerie – vorher in etwas versteckter Altstadtlage – in die vielbefahrene Luitpoldstraße wird sich wohl erst im Frühjahr und Sommer lohnen, wie Jente hofft.

Keine konkrete Planung

Petra Jaumann-Bader, vielseitige Instrumentalistin und Chorleiterin, erklärt auf Nachfrage des Kreisbote: „Ich habe zur Zeit weder Arbeit noch Aufträge. Ich kann höchstens mal eine Orgelvertretung machen, was ein- und höchstens zweimal im Monat der Fall ist“. Unterricht wäre nur digital möglich. Als Lehrerin aber möchte sie den direkten Kontakt zu ihren jugendlichen und erwachsenen Schülern. Unterm Strich kommt sie zum Ergebnis wie Wilhelm: Ihr Ehemann erzielt derzeit das Einkommen. Mit Rücklagen reiche es, um die schwierige Zeit überbrücken zu können, wie Jaumann-Bader feststellt.

„Eine Förderung habe ich nicht beantragt, da keine Betriebsausgaben vorhanden sind“, kommentiert die Füssenerin die Möglichkeit, auf staatliche Unterstützung als Soloselbständige zu bauen. „Komplett weggefallen“ sind im vergangenen Jahr Konzerte und andere musikalische Veranstaltungen, so die erfahrene Musikerin, die erst vor kurzem aus der Festanstellung in den Freien Beruf gewechselt ist. Diese hätten jedoch ein Drittel ihres Jahresgehalts 2020 ausgemacht. Ein Beispiel: „Wir hatten intensiv für einen Auftritt im Herbst geprobt. Doch drei Wochen vor dem Konzerttermin kam die Meldung, dass Chorproben nicht mehr möglich sind.“

Auch Jaumann-Bader hofft, im Februar wieder arbeiten zu können. Mit ihren bekannten Chören will sie den Zuhörern bei Auftritten schöne Stunden bieten. Unter anderem plant sie eine Matinee mit bekanntem Liedgut aus der Romantik. „Ich weiß, dass meine Chorleute das Singen vermissen, da kommt ab und zu eine Rückmeldung, das ist schön.”

Es heiße „sehr flexibel zu bleiben”, so Jaumann-Bader. „Ich habe Ideen, aber ich plane nicht konkret mit Datum, da es so demotivierend wäre, eine komplett fertige Jahresplanung in die Tonne zu treten. Alles andere führt nur zu Frust.“

cf

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