Digitale Lösungen

Ministerium wählt Füssen und Schwangau für das Modellprojekt »Smart Cities« aus

Füssens Bürgermeister Maximilian Eichstetter
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Füssens Bürgermeister Maximilian Eichstetter

Füssen – Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat die Stadt Füssen zusammen mit der Gemeinde Schwangau als eine von zwölf Modellkommunen für das Projekt „Smart Cities Smart Regions“ ausgewählt. Das gibt jetzt Füssens Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) bekannt. Die beiden Kommunen bekommen dadurch die Möglichkeit, eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Digitalisierungsstrategie zu entwickeln. Dafür stellt das Ministerium finanzielle Hilfen und eine wissenschaftliche Begleitung zur Verfügung.

„Die Nachtschichten, gemeinsam mit Herrn Hartl haben sich richtig gelohnt“, freut sich Eichstetter über die erfolgreiche Bewerbung. „SmartCity zusammengefasst bedeutet, die digitale Welt nutzen, um Prozesse in der Verwaltung zu optimieren und mit dem neuen Service den Bürger zufriedenzustellen, wenn nicht gar begeistern. Dienstleister eben...“, erklärt der Rathauschef. Er ergänzt: „Unser SmartCity Projekt hat absolut nichts mit einem 5G Hochwellenbereich Ausbau der Mobilfunkanbieter zu tun.“

Die Stadt Füssen und die Gemeinde Schwangau sind bei Touristen beliebt. Doch das führt auch zu Konflikten. Die Digitalisierung soll dabei helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Dafür wollen beide Komunen ein „Integriertes Digitales Entwicklungskonzept (IDEK)“ erstellen lassen.

Die Ausschreibung richtet sich an interdisziplinäre Planungsteams aus den Bereichen Städtebau/Stadtplanung, Verkehrs- und Landschaftsplanung sowie Informations- und Kommunikationstechnologie. Auf diese Weise möchten die Kommunen eine langfristige Strategie entwickeln, die klare Ziele, praxisnahe Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen für eine Entwicklung hin zur intelligenten und digitalen Kommune enthält – zugeschnitten auf die Rahmenbedingungen, Problemfelder und Möglichkeiten vor Ort.

Das IDEK soll auf vorhandene Konzepte und Vorhaben, wie beispielsweise das ISEK für die innere Füssener Kernstadt oder die Untersuchung zur Entwicklung einer digitalen Verkehrssteuerung aufbauen. „Füssen hat vor, IDEK relevante Teilprojekte wie die Digitalisierung der Ampelanlagen und ein digitales Parkleitsystem bereits im ersten Quartal 2021 in die Umsetzung zu bringen und Erfahrungswerte aus diesen ,Liveprojekten´ in das IDEK einfließen zu lassen”, erklärt der Bürgermeister. „Somit soll das rein theoretische Strategiepapier bereits auf Umsetzbarkeit zum Beispiel Herausforderungen, gesetzliche Hürden, Verknüpfung der Verantwortungspositionen der Projektteilnehmer verifiziert werden.”

Nachfrage steuern

Der Schwerpunkt des IDEK soll auf den Themen Mobilität und Nachhaltigkeit, Tourismus, Wirtschaft und Digitalisierung sowie Verwaltung und Vernetzung liegen. Gibt es Prognosen über die Auslastung könne die Nachfrage gesteuert und so die Inanspruchnahme der Infrastruktur verbessert werden. Das gilt für Straßen, Parkplätze oder ÖPNV, für touristische Ziele bis hin zu Gastronomie und Dienstleistungsangeboten. Über digitale Instrumente wie beispielsweise Push-Mitteilungen, Online-Tickets mit räumlicher und zeitlicher Zugangsregeln und digitaler Verkehrslenkung könnten die Kommunen effizient mit den Nutzern in Kontakt treten.

„Wenn Produkte und Ressourcen digital erfasst werden, wird sowohl eine digitale Präsentation der Angebote möglich, als auch eine effektive Steuerung der Nachfrage”, heißt es dazu in der Ausschreibung. Einzelhandel und Unternehmen könnten so schnell und konkret auf Kundenwünsche reagieren. Eine stärkere digitale Vermarktung von Regionalprodukten würde zudem zu nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen vor Ort führen.

20 Stunden Bibliothek

Und auch die Stadt- und Gemeindeverwaltung soll stärker auf Digitalsierung setzen. Neben den Anforderungen des Onlinezugangsgesetzes (OZG) sollen besonders die digitale Kompetenz der Bewohner und die Ausstattung und Vernetzung der Bildungseinrichtungen wie Kitas, Schulen, Volkshochschulen und Bibliotheken in Kooperation mit den zuständigen Akteuren in den Blick genommen werden.

„Ich möchte eine Art 20 Stunden Bibliothek: ,OpenLibrary´ genannt”, gibt Eichstetter ein Beispiel. Mit Hilfe von Zutrittsterminals, Kamera- und Lautsprechersystemen sowie einer zentralen Software könnten die Füssener auch außerhalb der Geschäftszeiten Bücher zurückbringen und abholen. „Andere Städte machen uns das bereits vor und wir wollen hier einfach nachziehen“, so Eichstetter.

Digitale Verwaltung

Das gilt auch für die Bürgerverwaltung. „Auf Portalen und über Kanäle müssen die Leistungen der Stadtverwaltung möglichst vollständig online zur Verfügung stehen. Dieses Angebot muss funktional optimiert, attraktiv gestaltet und systematisch kommuniziert werden“, informiert der Bürgermeister. Auf diese Weise sollen sich Bürger und Beschäftigte auch aktiv beteiligen können. „Ich erwarte von uns, dass die Stadtverwaltung noch dienstleistungsorientierter wird und entsprechend organsiert ist, um einer modernen Anforderung an Nutzerfreundlichkeit und Servicequalität entsprechend noch mehr die Bürgerbedürfnisse in ihren Fokus stellen kann”, so Eichstetter.

Bürger werden beteiligt

Bei der Erstellung des IDEK sollen auch die Bürger, betroffene Grundeigentümer, die lokale Wirtschaft und sonstige relevante Akteure vor Ort miteingebunden werden. Wissenschaftlich begleitet ein interdisziplinäres Team des Instituts für Innovation und Technik das Projekt. Ziel sei, das Know-How aller Akteure zu berücksichtigen und die Akzeptanz von Maßnahmen zu erhöhen. Besonders wichtig sei zudem, alle Bevölkerungsgruppen mitzunehmen und den Nutzen der Digitalisierung zu erklären.

„Wer denkt, jetzt können wir uns zurücklehnen und wir bekommen alles in die Hände gelegt, weit gefehlt!“, ergänzt Eichstetter. „JETZT geht die Arbeit erst richtig los, um passende Fördermittel zu erhalten.“ Denn die Realisierung der verschiedenen Projekte ist nicht Teil des IDEK. Aber: „Wir haben eine Projektpatin als Beraterin aus dem Ministerium eng an unserer Seite, damit auch zukünftig kein IDEK-Fördertopf übersehen werden kann.“

kb

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